Die fatale Liebe der Primadonna Assoluta

Michelle Marly: Die Diva

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Sie war eine der größten Sopranistinnen aller Zeiten mit einer einzigartigen Stimme, die mitten ins Mark traf und gleichermaßen verzauberte wie verstörte. Maria Callas, die Primadonna assoluta, deren Eigenwilligkeit und legendären Wutausbrüche ihr den geliebt-gehassten Ruf als schwierige Diva einbrachten. Nur wenige kannten die wahre Maria, die schüchterne, komplexbeladene Frau hinter der glamourösen Fassade der göttlichen Callas, die sie so hervorragend verbarg. Ihr Leben, einer griechischen Tragödie gleich, kreiste um ihre einzige große Liebe, an deren Scheitern sie zerbrach. Der griechische Reeder und Milliardär Aristoteles Onassis, der sich gern mit berühmten Frauen schmückte, eroberte das Herz der singulären Opernsängerin im Sturm und bettete sie auf Rosen – nur um sie am Ende für eine noch prominentere Frau, Jacqueline Kennedy, zu verlassen.

In ihrem neuesten Roman Die Diva erzählt Michelle Marly die Liebesgeschichte der beiden Ausnahmepersönlichkeiten ohne Kitsch und romantisches Pathos – von ihrer ersten Begegnung auf einer von Elsa Maxwells prunkvollen Partys im exklusiven Nobelhotel Danieli in Venedig bis hin zu ihrer dramatischen Trennung 1968 als Onassis zum Entsetzen aller JFKs Witwe auf Skorpios heiratete – ein Dolchstoß für Maria, die stets darauf gehofft hatte, seine Frau zu werden. Doch Marly belässt es nicht bei dem dramatischen Verlauf der skandalösen Love Story, die ein gefundenes Fressen für die internationale Presse war. Mit großem Einfühlungsvermögen gewährt sie einen Blick unter die glamouröse Star-Oberfläche der Operndiva und versucht, die Frau zu entdecken, die im Verborgenen liegt. Dies gelingt Marly angesichts ihrer brillanten Recherche so gut, dass man als Leser fast vergisst, dass es sich hierbei um Fiktion handelt.

Schicksalhafte Begegnung: La Divina und der griechische Tycoon

Als sich die Callas und Onassis in Venedig im Jahre 1957 zum ersten Mal begegnen, ist die 34-jährige auf dem Zenit ihrer Karriere. Die Opernwelt liegt ihr zu Füßen, sie gehört zum Who is Who der Reichen und Schönen. Unter den strengen Augen ihres 30 Jahre älteren Gatten Giovanni Battista Meneghini, ein vermögender Bauunternehmer, feiert sie einen Triumph nach dem anderen. Doch die Strapazen der anstrengenden Opernaufführungen machen ihr zu schaffen. Sie fühlt sich ausgebrannt und wünscht sich nichts sehnlicher als Urlaub, um zu relaxen und wieder zu sich selbst zu finden. Aber das ist mit ihrem Mann nicht zu machen: Er treibt sie immer weiter an und fordert Höchstleistungen – angeblich damit sie ihr künstlerisches Niveau halten kann. In Wahrheit geht es ihm jedoch in erster Linie ums Geld, ihr Geld, das er mit vollen Händen ausgibt.

Wie wohltuend ist da Aristoteles Onassis, ihr Tischnachbar auf der o.g. Luxus-Party. Er ist griechischer Abstammung wie Maria und hat sich von ganz unten zu einem der reichsten Männer der Welt hochgearbeitet – eine weitere Gemeinsamkeit, denn auch sie stammt aus einfachen Verhältnissen und hat es bis an die Spitze geschafft. Und doch könnten die beiden nicht unterschiedlicher sein: Er ist ein großspuriger Macho wie er im Buche steht und ist an Kultur, insbesondere Oper, überhaupt nicht interessiert. Sie ist ein freiheitsliebender Feingeist, der seine Privatsphäre über alles liebt.

Eine skandalöse Affäre

Als Onassis die Callas und ihren Mann auf seine Jacht einlädt, kommen sich die beiden allmählich näher. Maria fühlt sich zum ersten Mal als Frau wahrgenommen und nicht als Geldmaschine, die funktionieren muss. Onassis umschmeichelt sie, zeigt ihr, was es heißt, das Leben zu genießen und legt ihr die Welt zu Füßen – sehr zum Mißfallen ihres Mannes, der Marias Karriere unbedingt weiter voranbringen möchte und von Urlaub gar nichts hält. Doch Maria hört zum ersten Mal auf ihr Herz: Sie lässt sich nicht drängen und nimmt sich immer mehr Auszeiten. Onassis unterstützt sie dabei – es ist ihm egal, dass sie ihre Profession vernachlässigt.

Erste Gerüchte kommen auf und rücken insbesondere die Callas in ein schlechtes Licht. Beide sind noch verheiratet und beteuern, dass sie nur gute Freunde seien. Doch lange können sie die Scharade nicht aufrechterhalten, und so kommt es wie es kommen muss: Maria und Aristo, wie sie ihn liebevoll nennt, trennen sich von ihren Ehepartnern und zeigen sich fortan als Paar.

Ein dramatisches Ende

Maria genießt ihre Liebe mit Onassis, doch schnell erkennt sie, dass er schon wieder nach weiteren Eroberungen Ausschau hält. Neues Objekt seiner Begierde soll, so munkelt man, die stylische Kennedy-Witwe sein. Die Callas schäumt vor Wut und verlässt ihn in einer Nacht- und Nebelaktion. Insgeheim hofft sie jedoch, dass er sie um Verzeihung bittet und zu ihr zurückkehrt. Doch da kann sie lange warten. Maria ist verzweifelt und wendet sich nach einer Karriereflaute wieder der Oper zu. Und ihr gelingt ein grandioses Comeback mit endlich wieder positiven Schlagzeilen, von denen sie hofft, dass auch Onassis sie liest. Aber er meldet sich nicht. Als sie schließlich aus der Zeitung von seiner Hochzeit mit Jackie Kennedy erfährt, ist sie am Boden zerstört und versinkt in einer Depression.

Hoffnung auf einen Neubeginn?

Aber auch Onassis muss erkennen, dass er sich für die falsche Frau entschieden hat. Seine berühmte Trophäe ist nicht wirklich an einem gemeinsamen Leben mit ihm interessiert. Jackie zieht von einer Einkaufstour zur nächsten und genießt die Freiheit, die sein Geld ihr bietet. Ihm wird klar, dass sie vor allem die schrecklichen Erinnerungen und den mächtigen Kennedy-Clan hinter sich lassen wollte und angesichts ihrer Lage in ihm den sichersten Ausweg sah.

Onassis sucht wieder Marias Nähe, aber sie weist ihn ab.  Zu tief sitzt ihr Schmerz, zu verletztend waren die Demütigungen, die sie durch ihn erdulden musste. Aber schließlich gewinnt ihre Liebe zu Aristo wieder die Oberhand – doch reicht sie aus, um einen Neuanfang zu wagen?

Brillant recherchierter Roman über eine außergewöhnliche Frau und ihre tragische Liebe

Mit Die Diva ist Michelle Marly meines Erachtens ihr bislang bester Roman gelungen. Sehr eindrucksvoll schildert sie nicht nur die schicksalhafte Liebe der Gesangsikone, sondern streut in ihre sehr berührende Geschichte auch sehr viele Informationen über das Leben und die Persönlichkeit der Callas mit ein. Da ich bereits einige Biografien über die Operndiva gelesen habe, war ich begeistert, wie gekonnt die Autorin die wichtigsten Stationen der Callas – von ihren zaghaften Anfängen unter der Fuchtel ihrer strengen Mutter bis hin zu ihrem kometenhaften Aufstieg zur unangefochtenen Meisterin ihres Fachs und schließlich zu ihrem traurigen Absturz – eingebaut hat.

Somit setzt Marly einer außergewöhnlichen Frau ein Denkmal, die von ihren Zeitgenossen und Bewunderern viel Liebe, aber ebenso viel Ablehnung erfuhr. Ihr für die damalige Zeit viel zu emanzipiertes Verhalten für eine Frau, d.h. ihr Leben nach ihren Regeln zu leben, stieß vielen als unpassend auf und ließ sie auch bei der Crème de la crème in Ungnade fallen. Doch sie ließ sich nicht beirren, ging weiter ihren Weg und stand immer wieder auf, wenn sie am Boden war, bis sie schließlich nach und nach ihre Stimme verlor. Das Publikum klatscht nicht für das, was einmal war soll die Callas am Ende ihrer Karriere gesagt haben. Es ist Ironie des Schicksals, dass sie nicht mehr erleben konnte, wie sie mit ihrer einzigartigen Gesangskunst und außergewöhnlichen Persönlichkeit zu einem Mythos wurde, der die Zeit überdauert.

Mein Fazit: Eine große Leseempfehlung für diesen wunderbaren Roman!

Michelle Marly: Von der Redakteurin zur Bestseller-Autorin

Michelle Marly ist das Pseudonym von Micaela Jary, Tochter der Komponisten-Legende Michael Jary. Sie wuchs in Hamburg inmitten von namhaften Musikern und Künstlern auf. Bevor sie sich der Schriftstellerei widmete, arbeitete sie als Redakteurin, u.a. auch am Theater. Schließlich zog es sie nach Paris, wo sie sich fortan der Schriftstellerei widmete. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich herausstellte, denn mit ihren Romanen schrieb sie sich in die Herzen der Leserinnen und Leser und avancierte zur Bestseller-Autorin. 

In ihren Werken im Rahmen der Serie Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe widmet sich Marly zumeist starken weiblichen Persönlichkeiten, die sie faszinieren und in denen sie manchmal auch etwas von sich selbst wiederfindet, wie sie auf ihrer Website offenbart: Coco Chanel, Edith Piaf und zuletzt Maria Callas erweckt sie mit ihrem ganz eigenen, wunderbar leichten Schreibstil wieder zum Leben und lässt uns teilhaben an ihrer Geschichte, ihrer Liebe und ihren Schicksalsschlägen. Ich bin schon sehr gespannt darauf, welche weibliche Berühmtheit die Protagonistin ihres nächsten Romans wird…

Darüber hinaus schreibt Marly unter ihrem richtigen Namen Micaela Jary diverse Sagas wie z.B. Das Kino am Jungfernstieg (Kino-Saga) oder Sterne über der Alster (Alsterufer-Saga).

Die Autorin lebt und arbeitet abwechselnd in Berlin und München.


Originalausgabe: Marly, Michelle. Die Diva. Berlin: Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, 2020.
Buchcover:  © Aufbau Verlag GmbH & Co. KG
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