Charlotte Brontë: Jane Eyre
Ein Weltklassiker und seine beste Adaption

Buchcover: © Insel Verlag – DVD-Cover: © KSM GmbH

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Jane Eyre, die Hauptfigur des gleichnamigen viktorianischen Klassikers der Weltliteratur, der 1847 von der britischen Schriftstellerin Charlotte Brontë zunächst unter ihrem männlichen Pseudonym Currer Bell veröffentlicht wurde, ist wohl eine der außergewöhnlichsten Protagonistinnen ihrer Epoche. Die unkonventionelle Freidenkerin, die ihrer Zeit trotzt und für ihr Recht auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit kämpft, stand zwar im krassen Gegensatz zum damaligen von Unterordnung und Folgsamkeit geprägten Frauenbild als Angel of the House, doch es war genau dieser Aspekt, der die dramatische Erzählung und exzeptionelle Liebesgeschichte zu einem großen Erfolg und literarischen Highlight des 19. Jahrhunderts machte.

Der Gouvernantenroman eroberte die Herzen der weiblichen Leserschaft im Sturm, obwohl Janes männliches Pendant, Edward Rochester, bei weitem keine attraktive Lichtgestalt ist, die die unscheinbare Titelheldin aus ihrer misslichen Lebenslage rettet. Und doch fasziniert der schroffe, abweisende Anti-Held, den Brontë als Byronic Hero konzipierte. Seine Widersprüchlichkeit und seine Verletzlichkeit, die erst nach und nach zutage tritt, wirken anziehend – ebenso wie das dunkle Geheimnis, das ihn umgibt und ihm eine unnahbare Aura verleiht. Die langsam aufkeimende Liebe der beiden unterschiedlichen und doch so seelenverwandten Charaktere, ihr verzweifelter Kampf um ihr Glück, das nicht von Dauer sein darf und ihr langersehntes Happy End nach vielen Schicksalsschlägen machen Jane Eyre zu einem zeitlosen Meisterwerk seines Genres, das sicherlich auch noch in 100 Jahren begeistert gelesen wird.

Jane Eyre: Die Story

Der Roman erzählt die Geschichte der Waise Jane Eyre, die nach dem Tod ihrer Eltern zunächst von ihrer Tante, Mrs. Reed, aufgenommen wird. Jane, ein kluges, zurückhaltendes Mädchen, wird von ihrer Tante und ihren sadistischen Kindern tyrannisiert, weil sie in deren Augen nicht in ihre gehobene Gesellschaftsschicht passt. Oftmals wird Jane in den Red Room verbannt, wo man sie stundenlang einschließt, um ihren Willen zu brechen, was jedoch nicht gelingt. Um Jane loszuwerden, schicht Mrs. Reed Jane schließlich auf das Internat Lowood, das von Mr. Brocklehurst mit sklavischer Strenge geführt wird. Auch dort erfährt sie ständige Demütigungen, die sie nur gemeinsam mit ihrer Freundin, Helen Burns, und dank ihres eisernen Überlebenswillens erträgt. Als Helen stirbt, ist Jane ganz auf sich allein gestellt, doch sie schafft ihren Abschluss, und es gelingt ihr sogar, eine Position als Lehrerin auf Lowood zu erhalten.

Nachdem ihre letzte Vertraute auf Lowood heiratet und das Internat verlässt, gibt Jane ein Inserat auf und erhält die Zusage für eine Stelle als Gouvernante auf Thornfield Hall, dem düsteren Landsitz von Edward Rochester. Sie soll sich um sein Mündel Adèle kümmern und sie unterrichten – eine Aufgabe, auf die sich Jane sehr freut. Doch ihre erste Begegnung mit ihrem neuen Arbeitgeber verheißt nichts Gutes: Arrogant, zynisch und verbittert – so präsentiert sich Rochester und macht zudem keinen Hehl daraus, was er von Frauen und insbesondere von Gouvernanten hält. Aber Jane lässt sich nicht einschüchtern. Ruhig, aber bestimmt kontert sie seine verbalen Attacken.

Rochester ist beeindruckt von Janes Ehrlichkeit, Klugheit und ihrer inneren Stärke und vertraut ihr schließlich immer mehr über sich und sein Leben an. Als die beiden sich ineinander verlieben, erscheint der Weg für eine gemeinsame Zukunft in leuchtenden Farben. Doch Rochester und Thornfield Hall bergen ein schreckliches Geheimnis, das Jane zwingt, alles aufzugeben, was ihr jemals etwas bedeutet hat…

Viele Verfilmungen – ein Meisterwerk

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Jane Eyre (Ruth Wilson) und Edward Rochester (Toby Stephens)

Dass sich Jane Eyre hervorragend als Filmstoff eignet, versteht sich von selbst. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass man die einzigartige Geschichte bereits in der Stummfilmzeit adaptiert hat und seitdem immer wieder neu filmisch umsetzt. In den Titelrollen Rochester und Jane glänzten bereits die Hollywood-Legenden Orson Welles und Joan Fontaine (1943), Susannah York und George C. Scott (1970), Ex-James Bond-Darsteller Timothy Dalton und Zelah Clarke (1983), William Hurt und Charlotte Gainsbourg (1996), Ciarán Hinds und Samantha Morton (1997) sowie Michael Fassbender und Mia Wasikowska (2011). Von all diesen Verfilmungen konnte mich nur Robert Youngs Adaption mit den brillanten Akteuren Ciarán Hinds (Game of Thrones, Rome) und Samantha Morton überzeugen.

Die für mich beste Adaption gelang allerdings meines Erachtens nur mit der wirklich großartigen vierteiligen BBC-Miniserie Jane Eyre aus dem Jahre 2006, die von Regisseurin Susanna White mit Ruth Wilson und Toby Stephens in den Titelrollen realisiert wurde. Die damalige Newcomerin Ruth Wilson, die jüngst in der Netflix-Serie The Affair brillierte, erhielt für ihre Darstellung der Jane Eyre höchst verdient eine Golden Globe Nominierung.

Wilson verkörpert die Hauptfigur absolut romangetreu: Lebensunerfahren, zurückhaltend, aber enorm willensstark und mit dem unbedingten Wunsch als freies, unabhängiges Individuum und dem Mann gleichgestellte Frau wahrgenommen zu werden. Ihre Prinzipien und Moralvorstellungen stellt sie zunächst über ihr persönliches Glück, als sie nach der Enthüllung von Rochesters schrecklichem Geheimnis den Mann verlässt, den sie liebt. Doch eine Fügung des Schicksals will es, dass sie nach einigen Jahren wieder zusammenfinden und zusammenbleiben – dieses Mal jedoch zu ihren Bedingungen. Wilsons einfühlsames, leidenschaftliches Porträt von Jane Eyre ist eine schauspielerische Glanzleistung und bisher das absolut beste ihrer Art.

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Jane Eyre (Ruth Wilson)

Gleiches gilt für Toby Stephens, der bereits in einer älteren Verfilmung als The Great Gatsby glänzte und zuletzt auch in der herausragenden Serie Black Sails als Captain Flint sein schauspielerisches Talent erneut eindrucksvoll unter Beweis stellte. Als Rochester zeigt er eine seiner besten darstellerischen Leistungen, auch wenn er – wie viele meinten – für die Rolle zu gutaussehend sei. Er gibt der kontroversen Figur des Rochester eine große charakterliche Tiefe und zeigt dabei alle Facetten dieses Anti-Helden: Seine unerträgliche Arroganz, seine Menschenverachtung und seinen oftmals verletzenden Zynismus, aber auch seine Fragilität und seine Fähigkeit zur bedingungslosen Liebe.

Die persönliche Entwicklung Rochesters, die letzteren an seine psychischen Grenzen bringt, porträtiert Stephens glaubwürdig und ohne Pathos – und mit großem Verständnis für das tragische Dilemma eines zerrissenen Mannes, der sich von der Welt abgeschottet hat und hofft, dank seiner Liebe zu Jane einen Weg zurückzufinden. Doch seine Vergangenheit holt ihn ein und kostet ihn das Glück, auf das er so lange vergeblich hoffte. Nach Janes Flucht aus Thornfield Hall schlägt das Schicksal ein weiteres Mal erbarmungslos zu, und Rochester kehrt gebrochen und völlig mutlos zurück in sein Eremiten-Dasein – bis sein Leben eines Tages eine erneute Wendung nimmt. Wie sein weibliches Pendant Ruth Wilson verkörpert Toby Stephens Rochester auf eine singuläre Weise, die angesichts der vielen bereits vorliegenden Adaptionen einzigartig ist und ihresgleichen sucht.

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Edward Rochester (Toby Stephens)

Die o.g. BBC-Version von Jane Eyre ist ein echtes Highlight. Die Adaption ist bildgewaltig und von großer Detailtreue. Als Location für das gespenstisch anmutende Thornfield Hall wählte man im Übrigen das imposante Haddon Hall in Derbyshire, das perfekt in die Szenerie passt und die düstere Atmosphäre hervorragend reflektiert. Alles in allem ist die Verfilmung mit ihrem brillanten Cast, der bis in die Nebenrollen sehr gut besetzt ist, ein absolutes Must See. 

Und wer den Romanklassiker noch nicht kennt, sollte dies unbedingt nachholen. Er ist gerade in ausgezeichneter Neuübersetzung von Melanie Walz im Insel Verlag erschienen.


Deutsche Ausgabe: Brontë, Charlotte: Jane Eyre. Aus dem Englischen von Melanie Walz. Berlin: Insel Verlag/insel taschenbuch, 2019.
DVD: Jane Eyre – BBC Literatur Classics. Vertrieb: KSM GmbH
Buchcover: © Insel Verlag, Berlin
Filmfotos und DVD-Cover: © KSM GmbH