Agatha Christies Poirot:
Warum David Suchet unübertroffen bleibt

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Hercule Poirot (David Suchet)

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Er ist d e r Meisterdetektiv schlechthin und einer der weltberühmten Romanfiguren der britischen Queen of Crime, Agatha Christie: Hercule Poirot, der kleine Belgier mit dem Schnauzbart und einem exzeptionellen Hang zur Exzentrik, vor dessen messerscharfem Verstand und beispielloser Kombinationsgabe selbst der gerissenste Verbrecher kapitulieren muss. Nichts entgeht seiner Beobachtung, kein noch so kleines Detail bleibt vor ihm verborgen, denn seine kleinen grauen Zellen arbeiten unablässig. Zumeist weiß er schon längst, wer der Mörder ist, während die Polizei noch im Dunkeln tappt. Alles in allem ein sehr komplexer fiktionaler Charakter, dessen zahlreiche Facetten ihn einzigartig machen.

Ca. 70 Krimis schrieb Christie mit Poirot als Titelhelden. Viele davon wurden von diversen Regisseuren in deren speziellem Stil verfilmt. Die Adaptionen standen und fielen natürlich mit dem Schauspieler, der Poirot verkörperte, darunter die preisgekrönten Mimen Albert Finney und Sir Peter Ustinov. In jüngster Zeit wagte sich auch der namhafte englische Shakespeare-Akteur Kenneth Branagh an die Verfilmung des Klassikers Mord im Orient-Express, den er als opulentes Meisterwerk mit einem großen Staraufgebot und sich selbst in der Titelrolle inszenierte. Auch die amerikanische Schauspielgröße John Malkovich versucht sich derzeit als Poirot in der Netflix-Serie Die Morde des Herrn ABC.

Darüber vergisst man fast, dass nur ein Schauspieler das große Privileg hatte, Hercule Poirot in allen Episoden (1989 – 2003) zu verkörpern: Dem englischen Charakterdarsteller David Suchet gelang das, was selbst die renommiertesten seiner Kollegen nicht erreichten: Er machte aus der kleinen Serie, Agatha Christie’s Poirot, die nur für kurze Zeit im englischen TV laufen sollte, einen – immer noch anhaltenden – weltweiten Erfolg. Was unterscheidet ihn somit von seinen berühmten Vorgängern bzw. Nachfolgern? Zum einen ist es sicherlich die Tatsache, dass Suchet Hercule Poirot genau so darstellte, wie Agatha Christie ihn einst konzipierte. Wie er in einem Interview verriet, las er akribisch jeden einzelnen von Christies Poirot-Romanen und schrieb jede Eigenart des Detektivs heraus, um tout en tout die Figur darzustellen, die die Autorin erschaffen hatte. Dazu gehörte natürlich auch der Poirot-typische, kurzschrittige Trippelgang, den Suchet perfekt in Szene setzt.

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Samuel Ratchett (Toby Jones) und Hercule Poirot (David Suchet)

Alles in allem kein einfaches Unterfangen, denn Agatha Christie lehnte laut ihrer Tochter Rosalind Hicks jede Darstellung ihrer berühmten Detektivfigur kategorisch ab. Als Suchet 1989 auf Wunsch der Christie-Familie die Rolle des Hercule Poirot erhielt, wurde er angabengemäß von Hicks anlässlich eines Lunchs regelrecht „gegrillt“, denn sie teilte ihm unmissverständlich mit, dass Hercule Poirot weder eine Witzfigur noch ein Clown sei und sie wünsche, dass er ihn originalgetreu porträtiere. Und dies gelang Suchet wie keinem anderen: Er spielte Poirot nicht als überdrehte Karikatur, sondern als hochintelligenten, warmherzigen Mann mit Charisma, Witz und – sogar – mit einem gewissen Charme, womit er schnell die Herzen der Zuschauer eroberte.

Poirots augenscheinliche Exzentrik rückt dabei fast in den Hintergrund, denn Suchet stellt den Menschen in den Vordergrund: Ein lebensechter anstatt überlebensgroßer Held, ein bodenständiges Mastermind anstelle eines abgehobenen Superkombinierers, der bei aller Verschrobenheit äußerst liebenswert ist. Mit seiner brillanten Darstellung setzte Suchet Poirot ein einzigartiges Denkmal und erhielt von Christies Tochter das wohl schönste Kompliment für die Rolle seines Lebens, die er fast 25 Jahre lang spielte: Sie teilte ihm mit, dass sie fest davon überzeugt sei, dass ihre Mutter mit seiner Verkörperung von Poirot sehr glücklich gewesen wäre.

Doch nicht nur die Titelrolle ist mit Suchet exzellent besetzt. Auch sein Team, Poirots langjähriger Freund Captain Arthur Hastings, seine kluge Sekretärin, Miss Felicity Lemon, deren Namen er mit gnadenloser Regelmäßigkeit französisch ausspricht, und der stets genervte Chief Inspector James Japp werden von Hugh Fraser, Pauline Moran und Philip Jackson glänzend verkörpert.

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Felicity Lemon (Pauline Moran), Chief Inspector Japp (Philip Jackson)
Hercule Poirot (David Suchet), Captain Hastings (Hugh Fraser)

Die Gaststars können sich ebenfalls sehen lassen: Neben Schauspielgrößen wie James Fox, Martin Shaw, Barbara Hershey, Jessica Chastain, Michael Fassbender, Damian Lewis und Emily Blunt ist die amerikanische Aktrice Zoë Wanamaker ein ganz besonderes Glanzlicht. Für ihre Rolle als exzentrische Kriminalschriftstellerin Ariadne Oliver, die sich bei Poirots Recherchen stets als hilfreich erweist, ihm aber mit ihren Kapriolen und ihrer Unordnung den letzten Nerv raubt, ist sie die absolute Idealbesetzung. Ariadne Oliver soll Agatha Christie im Übrigen als ihr überzeichnetes Alter Ego mit einem großen Touch Selbstironie geschaffen haben. Für diese Theorie spricht auch Olivers Begeisterung für Äpfel, die sie – was für ein Zufall – mit der Autorin teilt.

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Hercule Poirot (David Suchet) und Ariadne Oliver (Zoë Wanamaker)

Die Chemie der beiden Darsteller ist grandios, und ihre Dialoge sind geprägt von Esprit und Wortwitz. Die sechs Episoden, in denen sie aufeinandertreffen, sind ganz besonders spannende Leckerbissen: Mit offenen Karten, Mrs. McGinty ist tot, Die vergessliche Mörderin, Die Halloween Party, Elefanten vergessen nie und Wiedersehen mit Mrs. Oliver.

Auch die beiden Episoden – Die russische Gräfin und Die Arbeiten des Herkules – mit der betörenden, aber undurchsichtigen Vera Rossakoff, in die sich Poirot auf den ersten Blick verliebt, sind herausragend. Es knistert gewaltig, obwohl Poirot ja mehr für Verstand als für Gefühl steht. 

Jede der verfilmten Poirot-Episoden ist ein kleines Meisterwerk für sich. Bildgewaltig und mit einer augenscheinlichen Liebe zum Detail haben sie absolutes Suchtpotential. Auch die Drehorte sind vom Allerfeinsten: Die Londoner Art-Déco-Apartmentanlage Addisland Court, das Burgh Island Hotel in Devon, Rotherfield Park in Hampshire, The Peacock House in Holland Park, St. Anne’s Court in Chertsey, das Hotel Olympos in den Schweizer Alpen und – als besonderes Highlight – Agatha Christies Haus Greenway.

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Die kompletten Poirot-Folgen sind in 12 DVD-Collections (polyband Medien GmbH) erhältlich. Ich habe sie alle und kann nur sagen, dass mich jede Folge begeistert hat. Die Highlights sind natürlich Klassiker wie Mord im Orient-Express, Das Böse unter der Sonne, Tod auf dem Nil und Die Morde des Herrn ABC, aber auch selten verfilmte Folgen wie Mord in Mesopotamien, Die Katze im Taubenschlag, Der blaue Express und der Zweiteiler Das Haus auf der Klippe wurden exzellent umgesetzt. Hervorzuheben ist abschließend noch die Verfilmung von Der Wachsblumenstrauss, die ich bis dato nur mit der großartigen Margret Rutherford als Miss Marple kannte, obwohl Agatha Christie die Originalgeschichte mit Poirot verfasst hat. Die Neuadaption ist wirklich sehr gelungen und ein Must See in jeglicher Hinsicht. Gleiches gilt für die Episode Nikotin mit dem großartigen Martin Shaw, der als Gaststar auf Augenhöhe mit Suchet eine absolute Glanzleistung vollbringt. Sehr sehenswert!


Mein herzlicher Dank gilt der polyband Medien GmbH, die mir freundlicherweise alle o.g. Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

Bildnachweis: © polyband Medien GmbH

Interview: Holly and Phil Chat with David Suchet, 13.11.2013, Youtube