Tödliche Vergangenheit

Helen Callaghan: Lügen. Nichts als Lügen

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Nach dem Überraschungserfolg ihres Debütromans Dear Amy, der in Windeseile zum Bestseller wurde, ist Ende des letzten Jahres der zweite Psychothriller der britisch-amerikanischen Schriftstellerin Helen Callaghan erschienen. Mit Lügen. Nichts als Lügen hat sie erneut eine packende Story erdacht, die bis zum explosiven Finale in Atem hält. Und so verwundert es auch nicht, dass man Callaghans neuestes Werk – wie zuvor auch ihren Erstling – der Kategorie Premium Crime zugeordnet hat, denn diese klug konzipierte, hochspannende und fesselnde Geschichte mit ihren mysteriösen Wendungen und ihrer spektakulären Auflösung kann definitiv als eines der Highlights dieses Genres bezeichnet werden. Zudem ist Callaghan für mich eine d e r Neuentdeckungen unter den Krimiautorinnen der letzten Jahre, von der wir mit Sicherheit noch viele Pageturner erwarten können.

Eine grausame Entdeckung

Als die junge Architektin Sophia Mackenzie einen Job bei der angesagten AMITY-Agentur in London antritt, sieht sie sich am Ziel ihrer Wünsche. Schnell zieht sie die Aufmerksamkeit von Star-Architekt und Womanizer Benjamin Velasquez auf sich, der alles daransetzt, Sophia auf die Liste seiner zahlreichen Eroberungen zu setzen. Doch dann erreicht sie ein beunruhigender Anruf ihrer Mutter Nina, die sie bittet, sofort nach Hause zu kommen. Sophia, die mal wieder zu viel getrunken hat und den Abend lieber mit Benjamin verbringen möchte, ist genervt, verspricht ihr jedoch, am nächsten Tag vorbeizuschauen – eine Entscheidung, die sie bitter bereuen soll. Denn als sie auf dem Gärtnerei-Anwesen ihrer Eltern im ländlichen Suffolk eintrifft, bietet sich ihr ein Bild des Grauens: Sie findet ihre Mutter erhängt an einem Baum und ihren lebensgefährlich verletzten Vater, dessen Körper schwere Stichwunden aufweist.

Ein mysteriöser Fund

Die Polizei geht von versuchtem Mord mit anschließendem Selbstmord aus, doch Sophia weigert sich, an diese Theorie zu glauben. Ihre Eltern führten ein in ihren Augen beschaulich-spießiges Leben, ihre Ehe war eher leidenschaftslos. Warum sollte also ihre Mutter, ein Mensch, der Gewalt verabscheut, versuchen, ihren Vater zu töten? Sophia ignoriert die Erkenntnisse der Polizei und beginnt, eigene Nachforschungen anzustellen. Zu ihrer Überraschung erfährt Sophia, dass ihre Mutter ein Buch veröffentlichen wollte. Doch worüber? Als sie schließlich im Schuppen ihres Vaters, den sie – aus ihr unverständlichen Gründen – nie betreten durfte, auf die Tagebücher ihrer Mutter stößt, ahnt sie nicht, dass sie die sprichwörtliche Büchse der Pandora geöffnet hat: Ninas schonungslose Lebensbeichte lässt Sophia nicht nur den Boden unter den Füßen verlieren, sondern bringt sie auch in tödliche Gefahr, denn jemand aus der skandalumwitterten Vergangenheit ihrer Mutter ist bereit, über Leichen zu gehen, um die Wahrheit niemals ans Licht kommen zu lassen…

Erstklassiger Psychothriller mit fulminantem Ende

Dieser Psychothriller übertrifft an Spannung meines Erachtens sogar noch Callaghans Erstlingswerk Dear Amy, was schon ein Kunststück für sich ist. Die außergewöhnliche, mysteriöse Geschichte, die die Autorin von Anfang bis Ende brillant aufbaute, hat Sogwirkung. Gekonnt spielt Callaghan mit den Ängsten und Zweifeln der Protagonistin und zieht die Auflösung des mehr als rätselhaften Falles mit einem sich langsam aufbauenden Spannungsbogen bis zum meisterhaften Finale geschickt hinaus. Die realitätsnahen Charaktere (besonders gut gelungen sind hier Nina, Sophias Mutter, und der teuflisch-charismatische Aaron), tragen dazu bei, dass die dramatische Story noch lange nach Lektüre im Gedächtnis bleibt. Daher mein Fazit: Hochspannung pur – ein Must Read!

Helen Callaghan: Bestseller-Autorin mit einem Faible für die mittelalterliche Küche

Helen Callaghan wurde in Los Angeles als Tochter britischer Eltern geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend abwechselnd in den USA und Großbritannien. Als junge Erwachsene konnte sie sich nur schwer auf einen Beruf festlegen und testete zunächst unterschiedliche Jobs und Tätigkeiten aus – Krankenschwester, Barfrau und Schauspielschülerin -, bis sie schließlich als Buchhändlerin ihre Erfüllung fand. Sie arbeitete für unterschiedliche Buchhandlungen und war dort primär für den Belletristik-Bereich verantwortlich. Parallel dazu holte sie ihr Abitur auf der Abendschule nach und erhielt schließlich sogar einen Studienplatz für Archäologie an der renommierten University of Cambridge.

Die Schriftstellerei blieb jedoch ihr Steckenpferd, mit dem ihr der Durchbruch als Autorin schneller gelang als erwartet: Mit ihrem Debütroman, Dear Amy, gelang ihr in nur kurzer Zeit der Sprung auf die Bestsellerlisten.

Wie die Autorin auf ihrer Website berichtet, lebt sie mit Unmengen von Büchern in Cambridge, wo sie auch arbeitet. Sie hat einen Blog, auf dem sie über ihre Romane, die Schriftstellerei an sich und über Dinge, die sie gelesen oder recherchiert hat, berichtet. So erfährt man u.a., dass Callaghan ein Faible für alte Herrenhäuser hat, mit denen sie literaturbedingt immer etwas Unheimliches bzw. Schauriges verbindet (z.B. Thornfield Hall aus Charlotte Brontës Jane Eyre oder Manderley aus Daphne du Mauriers Rebecca).

Wenn Callaghan nicht gerade hochspannende Stories erfindet, schreibt sie technische Dokumentationen für IT-Unternehmen oder kocht Rezepte aus dem Mittelalter nach, eine weitere Passion der Schriftstellerin.


Originalausgabe: Callaghan, Helen. Everything is Lies. London: Penguin Books Ltd., 2018.
Deutsche Ausgabe: Callaghan, Helen. Lügen. Nichts als Lügen. Aus dem Englischen von Heike Reissig und Stephanie Schäfer. München: Droemer Knaur GmbH & Co. KG, 2018.

Buchcover: © Droemer Knaur GmbH & Co. KG
Bildnachweis: © OpenClipart-Vectors, Pixabay