Zeit für Poesie

Joseph Freiherr von Eichendorff: Der Lyrikzauberer

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Joseph Freiherr von Eichendorff war ein angesehener, sehr populärer Lyriker und einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Romantik. Seine Gedichte zeichnen sich durch eine zauberische, bildhafte Sprache aus, die mit ihrer Lebendigkeit mitten ins Herz trifft. Er erzählt von Liebe, berauschender Natur und lauen Sommernächten, aber auch von Sehnsucht, Einsamkeit und Abschied. Dabei verfällt er niemals in Kitsch, sondern lässt seine Verse mit Leidenschaft und Zurückhaltung gleichermaßen ihre ganz besondere traumgleiche Wirkung entfalten.

Von seinen zahlreichen, äußerst beliebten Gedichten (z.B. Mondnacht und Meeresstille), die oftmals vertont wurden, habe ich ein eher unbekannteres für euch ausgewählt, das wir in der Schule gelesen haben und das mir immer wieder in den Sinn kommt, wenn ich fern von zuhause bin:

Schöne Fremde

Es rauschen die Wipfel und schauern,
Als machten zu dieser Stund‘
Um die halbversunkenen Mauern
Die alten Götter die Rund‘.

Hier hinter den Myrtenbäumen
In heimlich dämmernder Pracht,
Was sprichst du wirr wie in Träumen
Zu mir, phantastische Nacht?

Es funkeln auf mich alle Sterne
Mit glühendem Liebesblick,
Es redet trunken die Ferne
Wie von künftigem, großen Glück.

***

Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)


Quelle: Joseph von Eichendorff. Werke, Bd. 1. München, 1970, S. 70-71.

Bildnachweis: © Ana Thira (privat)