Zeit für Poesie

Die einzigartige Dichtkunst von Lord Byron 

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Neben Percy Shelley war er einer der wichtigsten Vertreter der englischen Romantik und das Enfant Terrible seiner Zeit: George Gordon Lord Byron. „Mad, bad and dangerous to know“ – so beschrieb ihn Lady Caroline Lamb, mit der er eine außereheliche Affäre hatte. Byrons obsessive Beziehung zu seiner Halbschwester Augusta und seine skandalumwitterte Ehe mit Annabella Milbanke machten ihn zu einem gesellschaftlich Geächteten, doch um Konventionen und Moral scherte er sich wenig.

Freiheit war für ihn das höchste Gut, und so war es denn auch wenig verwunderlich, dass er sich maßgeblich an der Griechischen Revolution (1821-1829) beteiligte. Seinen Mut und seinen rastlosen Einsatz bezahlte er jedoch mit seinem Leben. Für die Griechen ist er bis heute ein Held, und auch in England erhielt er schließlich die Anerkennung, die ihm zu Lebzeiten verwehrt blieb. Eine Gedenktafel im Poets‘ Corner von Westminster Abbey erinnert an den singulären Dichter und sein eindrucksvolles literarisches Schaffen.

Sein Vermächtnis sind seine einzigartigen Werke und hier inbesondere seine wunderschönen Liebesgedichte, von denen ich das folgende für euch ausgewählt habe:

In ihrer Schönheit wandelt sie..

In ihrer Schönheit wandelt sie
Wie wolkenlose Sternennacht;
Vermählt auf ihrem Anlitz sieh‘
Des Dunkels Reiz, des Lichtes Pracht;
Der Dämmerung zarte Harmonie,
Die hinstirbt, wenn der Tag erwacht.

Ein Schatten mehr, Licht minder klar,
So wär‘ die tiefe Anmut nicht,
Die niederwallt im Rabenhaar
Und sanft verklärt ihr Angesicht,
Aus welchem hold und wunderbar
Die reine liebe Seele spricht.

O diese Wang‘, o diese Brau’n,
Wie sanft und still und doch beredt,
Was wir in ihrem Lächeln schau’n!
Ein frommes Wirken früh und spät;
Ein Herz voll Frieden und Vertrau’n,
Und Lieb‘, unschuldig, wie Gebet.

***

George Gordon Lord Byron
Übersetzt von Otto Gildemeister (1823-1902)


Quelle: Lord Byrons Werke in sechs Bänden. Hrsg.: Otto Gildemeister. Band 3, 5. Auflage, Berlin, 1903 – S. 133.

Bildnachweis: © Ana Thira (privat)