Voyage Retour: Weinselige Zeitreise

Antoine Laurain: Ein Tropfen vom Glück

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Was macht den ganz besonderen Charme von Antoine Laurains Romanen aus? Diese Frage ist leicht zu beantworten. Seine Geschichten, die er mit einer wunderbar poetischen Sprache erzählt, sind immer voller Magie und beschwingter Leichtigkeit. Beinahe märchenhaft. Es versteht sich von selbst, dass natürlich auch das typische Happy End nicht fehlen darf. Und stets ist es ein ganz besonderes Objekt, das das Leben eines oder vieler Menschen zum Positiven verändert und ihnen das lang erwartete Glück beschert: Sei es der Hut eines französischen  Präsidenten, eine Handtasche, ein Gemälde, ein alter Brief oder – wie im Falle seines neuen Romans Ein Tropfen vom Glück – eine Flasche Wein aus dem Jahr 1954. Doch dieses Mal geht es nicht vorwärts, sondern rückwärts. Es heißt Back to the past, denn Laurain nimmt uns mit auf eine Zeitreise in das Paris der 50er Jahre: Eine nostalgische Retrospektive mit viel französischem Flair und Glamour, aber auch mit Schlichtheit und Savoir-vivre, die uns vor allem eines lehrt: Das Leben zu feiern.

Einen Schluck auf den Schreck

Als Hubert Larnaudie, stolzes Mitglied der Gründerfamilie eines Miethauses in Paris, eines Abends von Einbrechern in seinem Keller eingeschlossen wird, eilt ihm der amerikanische Airbnb-Tourist und erfolgreiche Motorenentwickler Bob Brown sogleich zur Hilfe. Er informiert Magalie Lecœur, Mitmieterin und Restauratorin, die man wegen ihrer Ähnlichkeit mit der gleichnamigen NCIS-Serienheldin nur Abby nennt. Zur Rettungsaktion gesellt sich schließlich noch Julien Chauveau, Barmann in der berühmten Harry’s Bar und ebenfalls Mieter einer der schönen Eigentumswohnungen.

Hubert muss erst mal seine Nerven beruhigen und spendiert seinen Rettern einen Drink. Und hier zeigt er sich mehr als großzügig: Er öffnet eine Flasche Wein aus dem Jahr 1954, ein besonders edler Tropfen, der seine Wirkung nicht verfehlt. Die vier verleben einen gemütlichen und weinseligen Abend, der alle vergnügt und heiter stimmt. Dies trifft insbesondere auf Julien zu, der heimlich in Magalie verliebt ist und nur auf die richtige Gelegenheit wartet, um es ihr zu sagen.

Alles retro

Am nächsten Morgen ist alles wunderbar, doch irgendwie anders. Nach und nach bemerken Hubert, Magalie, Julien und Bob, dass sie sich im Paris des Jahres 1954 befinden. Ihre Handys funktionieren nicht, sie können nicht mit Euro bezahlen und ihre Wohnungen sind von anderen Mietern bewohnt. Sie können es nicht fassen und fühlen sich wie auf einem anderen Stern. Doch als der erste Schock verflogen ist, lassen sie sich ein auf die pulsierende Metropole mit dem ganz besonderen Charme dieser Ära.

In Harry’s Bar, die damals bereits existierte, kreiert Julien einen exklusiven Cocktail für Audrey Hepburn, den aufsteigenden Stern am Hollywood-Himmel. Hubert macht nicht nur Bekanntschaft mit dem exzentrischen Maler Salvador Dalí, sondern trifft gemeinsam mit Magalie, Julien und Bob auch auf Edith Piaf und Schauspieler Jean Gabin. Alle sind begeistert und genießen das Eintauchen in diese ihnen so fremde Welt.

(K)ein Weg zurück?

Doch so unvergesslich ihre Abenteuer auch sind, sie alle sehnen sich zurück nach ihrem alten Leben. Aber wie sollen sie es anstellen? Sie wissen ja nicht einmal, wie genau sie dort hingelangt sind – außer, dass es wohl am Wein gelegen haben muss. In dieser verzwickten Situation wächst ausgerechnet der zurückhaltendste der Gruppe, Julien, über sich hinaus. Nicht umsonst ist er schließlich der Urgroßenkel von Pierre Chauveau, genannt Väterchen Untertasse, der nach einer angeblichen Begegnung mit einem UFO vom einen auf den anderen Tag spurlos verschwand. Gemeinsam mit einem eigenbrötlerischen Wissenschaftler suchen sie nach einem Weg, um wieder in ihre Zeit zu gelangen. Aber das Konzept Zurück in die Zukunft hat so seine Tücken…

Charmant-amüsantes Abenteuer zwischen den Zeiten

Ein weiteres Mal hat Antoine Laurain eine ganz einzigartige Geschichte um Liebe und Freundschaft erdacht, die rundum glücklich stimmt. Dieses charmant-amüsante Abenteuer mit seinen vier – leicht kauzigen – Protagonisten katapultiert uns mit Witz und Esprit in eine Ära mit La-vie-en-rose-Feeling und lässt uns in kurzen Momentaufnahmen teilhaben am Lebensgefühl der Generation einer längst vergangenen Zeit, die wir nur aus Erzählungen kennen bzw. die für uns nur noch Erinnerung ist.

Laurain wäre aber nicht Laurain, wenn er in seine Romane nicht pointierte Gesellschaftskritik auf seine ganz eigene Weise mit einfließen ließe. Unserer schnelllebigen, konsumorientierten Zeit stellt er eine Zeit der Einfachheit, der Entbehrungen, aber auch der Lebensfreude und des Glamours gegenüber, in der alles noch authentisch war und gemeinsam verbrachte Zeit nicht von ständigem Handyklingeln unterbrochen oder mit Selfies dokumentiert wurde. Dabei geht es ihm nicht darum, Früher war alles besser zu untermauern, sondern die Begegnung zweier Welten zu veranschaulichen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dass er dabei Paris mit all seinen Facetten und schillernden Persönlichkeiten in den Fokus stellt, versteht sich von selbst, denn ein Fest fürs Leben, wie Hemingway es so treffend formulierte, lässt sich nirgendwo besser feiern als in der Stadt der Liebe.

Mein Fazit: Ein absolutes Must Read – wie jeder Roman von Antoine Laurain!

Antoine Laurain: Französischer Schriftsteller mit einem Faible für Antiquitäten

Der französische Schriftsteller Antoine Laurain wurde in den 70er Jahren in Paris geboren, wo er auch heute noch lebt. Er arbeitete zunächst als Drehbuchautor und im Antiquitätenhandel. Aus letzterer Tätigkeit resultiert auch sein Sinn für schöne Dinge. Sein erstes Buch, Ailleurs si j’y suis, der von mir bereits vorgestellte Roman, Das Bild aus meinem Traum, für den er 2007 den Prix Drouot erhielt, spielt denn auch in dieser sehr speziellen Welt eines Antiquitätensammlers.

Darauf folgten seine Romane Fume et tue (Die Zigarette danach, 2008) und Carrefour des Nostalgies (2009). Mit seinem Roman, Der Hut des Präsidenten (Le Chapeau de Mitterand), der 2012 erschien und mit dem Prix Landerneau Découverte und dem Prix Relay des Voyageurs ausgezeichnet wurde, gelang Laurain der Durchbruch als Schriftsteller zunächst in Frankreich, England und den USA.

In Deutschland erlangte Laurain mit seinem Roman Liebe mit zwei Unbekannten (La Femme au Carnet Rouge), der zu einem absoluten Überraschungserfolg avancierte, schlagartig Bekanntheit. Die wunderschöne, sehr poetische Liebesgeschichte um den Buchhändler Laurent und die Restauratorin Laure wurde ein internationaler Bestseller und in mehr als 14 Ländern begeistert gelesen. Danach übersetzte man sukzessive dann auch weitere Romane des Autors ins Deutsche, darunter auch die wunderschöne Geschichte Die Melodie meines Lebens (Rhapsodie Française) – sehr zur Freude seiner stetig wachsenden deutschen Fangemeinde.

Sein neuestes Werk, das hier vorgestellte Ein Tropfen vom Glück, ist wieder mehr als bestsellerverdächtig. Wen wundert’s? Antoine Laurain ist einfach ein Phänomen.

Vielseitig interessierter Autor und Journalist

Laurains Interessensschwerpunkte sind Kunstgeschichte, Antiquitäten, Kino und natürlich Literatur. Zu seinen Lieblingsschriftstellern zählt Patrick Modiano, den Laurain in seinen Roman Liebe mit zwei Unbekannten als eigene Figur mit eingebaut hat.

Laurain ist außerdem als Journalist für das Luxusmagazin Palace-Costes und das Satiremagazin L’Echo des Savanes tätig.


Originalausgabe: Laurain, Antoine. Millésime 54. Paris: Éditions Flammarion, 2018.
Deutsche Ausgabe: Laurain, Antoine. Ein Tropfen vom Glück. Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer. Hamburg: Atlantik-Verlag/Hoffmann und Campe Verlag, 2019.

Buchcover: © Atlantik-Verlag/Hoffmann und Campe Verlag
Bildnachweis: © Ana Thira (privat)