Blogparade: Gegen den Strom

Dieser Post ist laut DSGVO 2018 als unbezahlte Werbung zu kennzeichnen.

Nach längerer Zeit bin ich dank Bee mal wieder auf eine ganz besondere Blogparade gestoßen, die von der singenden Lehrerin initiiert wurde. Unter dem Motto Gegen den Strom sollen die Teilnehmer zehn ihrer Lieblingsfilme auflisten, die in ihren Augen entweder unbekannt oder unbeliebt sind. Meine Auswahl der Top Ten beinhaltet ausschließlich Filme, von denen ich denke, dass sie außergewöhnlich gut, aber leider nicht so bekannt sind, wie sie sein sollten. Hier nun meine zehn Favoriten, die meines Erachtens unbedingt sehenswert sind:

© polyband Medien GmbH

1. Wreckers 

Dieser Film mit Sherlock-Darsteller Benedict Cumberbatch, Claire Foy und Shaun Evans in den Hauptrollen ist ein leises, aber emotional gewaltiges Meisterstück. Wreckers erzählt die Geschichte des Lehrerehepaares David (Benedict Cumberbatch) und Dawn (Claire Foy), die in ein Cottage auf dem Land ziehen, um der Stadthektik zu entfliehen und eine Familie zu gründen. Dass es mit dem Baby zunächst nicht klappt, tut ihrer harmonischen, von Nähe und Wärme geprägten Beziehung keinen Abbruch. Die friedvolle Idylle ändert sich jedoch schlagartig, als Davids Bruder Nick (Shaun Evans), der von der Army geflüchtet ist, dort auftaucht und eine Bleibe sucht. Alte Konflikte und Aggressionen der Brüder, die noch aus der Kindheit rühren, brechen auf, und Dawn entdeckt unbekannte, dunkle Seiten an David, die er bis dato gut verbergen konnte. Schließlich hat sie sogar das Gefühl, den Mann, den sie heiratete, überhaupt nicht zu kennen. Hinzu kommt, dass sich Dawn mehr und mehr zu Nick hingezogen fühlt, was die explosive Stimmung noch verstärkt. Bald weiß sie nicht mehr, wem sie vertrauen soll, sie ahnt nur, dass die Brüder ein düsteres Geheimnis verbindet, das David auf keinen Fall preisgeben will…

Was Wreckers für mich so besonders macht, ist neben der aufwühlenden Geschichte die schauspielerische Leistung der Hauptakteure, allen voran Benedict Cumberbatch. Er verleiht seinem Protagonisten David eine derart zwiespältige Persönlichkeit, dass es dem Zuschauer unmöglich ist, ihn einzuschätzen. Man ahnt zwar, dass es hinter seiner netten Fassade brodelt, aber wirklich sicher ist man sich nie. Auch als er aufgrund der permanenten Anschuldigungen seines Bruders, die er immer zurückweist, des Öfteren die Beherrschung verliert, weigert man sich zu glauben, dass David ein anderer ist als er vorgibt. Mich hat dieses ambigue Charakterspiel sehr angesprochen – es macht diesen klug konzipierten Film sehr beachtens- und absolut sehenswert.

© Koch Media GmbH

2. Portrait of a Lady

Diese Literaturverfilmung des gleichnamigen Romans des englischen Schriftstellers Henry James mit Nicole Kidman, John Malkovich und Martin Donavan in den Hauptrollen hat meiner Meinung nach leider viel zu wenig Aufmerksamkeit erfahren. Die Protagonistin von Portrait of a Lady ist die Amerikanerin Isabel Archer (Nicole Kidman), die Ende des 19. Jahrhunderts mit ihrer Tante durch Europa reist. Mit ihrem kranken Cousin, Ralph Touchett (Martin Donavan), den sie dort erstmalig kennenlernt, verbindet sie sofort eine ganz besondere Freundschaft, denn obwohl sie sehr unterschiedlich sind, scheinen sie seltsam seelenverwandt. Als Isabel nach dem Tod ihres Onkels zur reichen, unabhängigen Erbin wird, genießt sie ihre Freiheit und reist weiter durch Europa. In Florenz begegnet sie dem Amerikaner Gilbert Osmond, der sie vom ersten Moment an fasziniert. Sie willigt schließlich ein, ihn zu heiraten, doch Osmond entpuppt sich als Taugenichts und leidenschaftsloser Ehemann, der in erster Linie ihr Geld liebt. Als sie zu ihrem Cousin Ralph reisen möchte, weil sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechtert hat, kommt es zur Konfrontation mit ihrem Gatten, der dies auf jeden Fall verhindern will. Doch Isabel ist schon längst nicht mehr bereit, Kompromisse einzugehen…

Ich mag den Film sehr, weil er meiner Meinung nach die Atmosphäre des Romans wunderbar einfängt. Er lebt von schönen Bildern und natürlich von seinen Hauptdarstellern. Nicole Kidman ist brillant als freiheitsliebende Isabel Archer, die auf einen Blender hereinfällt und zu spät erkennt, welcher Mensch ihr am meisten bedeutet. John Malkovich ist ebenso exzellent als zynischer und schikanöser Bonvivant Gilbert Osmond, aber das ist er ja in jeder seiner „Schurkenrollen“, die keiner besser beherrscht als er. Mein Prädikat: Sehr wertvoll – unbedingt anschauen.

© Sony Pictures Home Entertainment

3. Was vom Tage übrigblieb 

Und noch eine weitere Literaturverfilmung, die ich sehr gelungen finde: US-Regisseur James Ivory adaptierte den mit dem Booker-Preis ausgezeichneten Roman The Remains of the Day des Schriftstellers Kazuo Ishiguro mit den britischen Superstars Anthony Hopkins und Emma Thompson. In Rückblenden von 1956 auf die Zeit vor dem 2. Weltkrieg erzählt Was vom Tage übrigblieb die Geschichte von James Stevens (Anthony Hopkins), der auf Darlington Hall, dem Landsitz des Politikers Lord Darlington, als Butler arbeitet. Äußerst wort- und gefühlskarg, liegt sein einziger Lebenssinn darin, seinem Arbeitgeber zu dienen und seine Tätigkeit stetig zu perfektionieren. Seine wohlgeordnete Welt gerät aus den Fugen, als die lebhafte und schlagfertige Miss Kenton (Emma Thompson) an seiner Seite eine Stelle als Haushälterin annimmt. Auseinandersetzungen sind an der Tagesordnung, denn Stevens kommt mit Kentons Selbstbewusstsein, ihrer Art, Dinge zu hinterfragen und mit ihrer Fähigkeit, oftmals hinter seine Fassade zu schauen, überhaupt nicht klar. Doch trotz seiner Gefühlsstarre verliebt sich Miss Kenton in Stevens und versucht, zu ihm durchzudringen. Aber Stevens, dem Miss Kenton auch nicht gleichgültig ist, findet schwerlich einen Weg aus seiner reglosen Existenz, und so entschließt sich Miss Kenton letztendlich zu einem für sie sehr schweren Schritt, den sie so nie geplant hatte…

Selten fand ich zwei Hauptdarsteller so brillant besetzt, wie in diesem leisen Film (ihr merkt schon, ich habe ein Faible für „ruhige“ Filme mit großen Emotionen). Anthony Hopkins spielt Stevens mit großer Zurückhaltung, Gefühlsarmut und Unterwürfigkeit. Die wenigen Emotionen, die bei seinem Protagonisten aufblitzen, transferiert er allein durch Blicke und Gesten, was einmal mehr seine einzigartige Schauspielkunst beweist. Emma Thomson als sein quirliges Pendant, Miss Kenton, ist ebenfalls eine Meisterin ihres Fachs. Kentons behutsame Annäherung an einen Mann, der emotional verkümmert ist, spielt sie mit sehr viel Einfühlungsvermögen und einem Gespür für Momentum. Das ist großes Kino!

© Sony Pictures Home Entertainment

4. Pollock

Dieser Film über das Leben und Werk des amerikanischen Malers Jackson Pollock ist für mich die beste Künstlerbiografie, die je gedreht wurde. Der amerikanische Ausnahmeschauspieler Ed Harris spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern führte auch Regie. Herausgekommen ist ein vielschichtiger Film der Extraklasse und eine sehr beachtenswerte Annäherung an einen Exzentriker, der, wie wenige vor ihm, die amerikanische und europäische Kunstwelt maßgeblich beeinflusst hat. Der Film beginnt 1941 auf einer Vernissage, als Jackson Pollock (Ed Harris) die Nachwuchskünstlerin Lee Krasner (Marcia Gay Harden) kennenlernt. Sie ist so fasziniert von Pollock und seinem überragenden künstlerischen Talent, dass sie fortan ihre Karriere hinten anstellt, um ihm zum Durchbruch zu verhelfen. Als die schwerreiche Kunstmäzenin Peggy Guggenheim (Amy Madigan) schließlich seine Werke in ihrer Galerie in Manhattan ausstellt, wird Pollock auf einen Schlag berühmt. Er avanciert zum Superstar unter den Malern des abstrakten Expressionismus der New School, sein Action Painting und die eigens von ihm entwickelte Dripping-Technik machen ihn zu einem der herausragendsten Maler der Moderne. Doch Pollock kann mit dem Erfolg, den er immer angestrebt hatte, nicht umgehen: Seine Alkoholexzesse, seine wachsenden psychischen Probleme sowie seine diversen Affären kosten ihn schließlich seine Beziehung zu Lee. Er verliert völlig die Bodenhaftung und gerät in eine existentielle Abwärtsspirale, aus der es für ihn kein Entrinnen mehr gibt…

Ich habe Ed Harris schon in vielen Rollen gesehen, aber dies ist mit Abstand seine beste. Wie er die Figur des Jackson Pollock in all ihrer künstlerischen Besessenheit und mit all ihren Exzessen derart lebensecht auf die Leinwand bringt, ist schon eine herausragende Leistung. Pollocks Manie macht Harris förmlich spürbar und gewährt so nicht nur einen profunden Einblick in Pollocks künstlerisches Schaffen und in die Kunstwelt im besonderen, sondern auch in die verstörende Gefühlswelt eines Malers, dessen Obsession und Getriebenheit ihn schließlich zerstörten.

© Sony Pictures Home Entertainment

5. Anonymous

Wer des Öfteren meinen Blog liest, weiß, dass ich ein großer Shakespeare-Fan bin. Als dann auch noch Kult-Regisseur Roland Emmerich einen opulenten elisabethanischen Kostümfilm rund um das Thema Shakespeare auf die Leinwand brachte, war ich natürlich sehr gespannt. Doch der Film verursachte zunächst erst einmal einen handfesten Skandal: Viele Fans des großen englischen Barden und vor allem die Bewohner von Shakespeares Geburtsstadt Stratford-upon-Avon waren empört, denn Emmerichs Werk beschäftigt sich neben allen politischen Intrigen, Wirren und Ausschweifungen vor allem mit der Frage, ob der Autor seine Werke selbst verfasst hat. Emmerich verneint dies in Anonymous und stellt sich damit auf die Seite der Anti-Stratforder und Oxforder, die Shakespeares Urheberschaft bezweifeln, da der Dramatiker aufgrund seiner Herkunft und Bildung dazu eigentlich gar nicht in der Lage hätte sein können. Im Film wird Shakespeare vor diesem Hintergrund sehr provokant als fauler Trunkenbold dargestellt, der lediglich als Strohmann für Edward de Vere, 17. Earl of Oxford, den vermuteten wahren Verfasser, dient.

Wenn wir mal die ganze Aufregung um die Urheberschaft beiseite lassen (denn die Wahrheit werden wir sicher nie erfahren), ist der Film ein großartiges Spektakel, das sehr sehenswert ist. Rafe Spall ist als Shakespeare zwar hervorragend, aber gewöhnungsbedürftig, wenn man ein Fan des Dramatikers ist. Noch besser ist allerdings Rhys Ifans als Edward de Vere – er liefert ein äußerst gelungenes Porträt des kontroversen Adligen, der seinerzeit vieler Verbrechen beschuldigt wurde, was ihn schließlich die Gunst von Königin Elisabeth I kostete. Mein Fazit: Unbedingt anschauen, auch wenn man, wie ich, Shakespeares Urheberschaft nicht in Frage stellt.

© Koch Media GmbH

6. Coco & Igor

Auch dieser außergewöhnliche Film ist wieder eine Literaturverfilmung. Regisseur Jan Kounen adaptierte Peter Greenhalghs Roman Coco & Igor in wunderbaren Bildern. Er handelt von der stürmischen Affäre der Modeschöpferin Coco Chanel und dem Komponisten Igor Strawinsky im Paris der zwanziger Jahre. Als Coco als junge Modeschöpferin im Jahre 1913 die Premiere des Balletts von Strawinskys Le sacre du printemps miterlebt, ist sie fasziniert von dieser für die damalige Zeit radikalen musikalischen Revolution, für die das Publikum jedoch noch nicht reif ist. Die Uraufführung endet in einem Skandal, der Komponist wird für seine Dissonanzen ausgepfiffen. Nach sieben Jahren lernt Coco Chanel den introvertierten Komponisten erstmals persönlich kennen und fühlt sich sofort sehr von ihm angezogen. Sie lädt den im französischen Exil lebenden mittellosen Strawinsky, seine Frau und Kinder in ihre Villa in Garches ein. Dort beginnt die leidenschaftliche Affäre der beiden exzentrischen Persönlichkeiten, die Coco zu ihrem weltberühmten Parfum Chanel No. 5 inspiriert und Strawinsky neue Kreativität verleiht.

Der Film ist ein absoluter Augenschmaus: Er schwelgt in schönen Bildern und ist nicht nur für Chanel-Fans ein Must See. Mit dem Chanel-Model Anna Mouglalis und dem dänischen Schauspieler Mads Mikkelsen, der schon in James Bond – Casino Royale brillierte, sind die Hauptrollen perfekt besetzt. Besonders Mikkelsen überzeugt als verschlossenes Musikgenie, das so gar nicht in Coco Chanels Glamour-Welt passt.

© STUDIOCANAL GmbH

7. Camille Claudel

Diese ganz besondere Künstlerbiografie, die Regisseur Bruno Nuytten mit Isabelle Adjani und Gérard Depardieu in den Hauptrollen sehr erfolgreich inszenierte, hat mich sehr beeindruckt. Im Fokus steht eine der wohl berühmtesten Bildhauerinnen aller Zeiten, die Französin Camille Claudel (1864-1943). Ihre Marmorskulptur Vertumnus und Pomona, die im Musée Rodin in Paris steht, zählt übrigens für mich zu den schönsten künstlerischen Werken, die ich je gesehen habe. Das Liebesmelodram handelt von der leidenschaftlichen Affäre zwischen Camille Claudel und dem 24 Jahre älteren Auguste Rodin, der wohl bedeutendste französische Bildhauer, dessen Schülerin sie war. Rodin, dem Claudels schöpferische Kraft und ihr außergewöhnliches Talent sehr imponierte, hatte jedoch nie vor, seine Frau zu verlassen. Die Beziehung der beiden, die Claudel beendete, stürzte die Ausnahmekünstlerin in eine tiefe Krise. Ihre emotionale Instabilität, ihre gefürchteten Wutausbrüche, bei denen sie viele ihre Werke selbst zerstörte, und ihr Verfolgungswahn führten schließlich dazu, dass man sie gegen ihren Willen in eine psychiatrische Anstalt einwies – ein tragisches Ende für eine Künstlerin, die mit ihren Werken in der Kunstwelt große Beachtung fand.

Der Film ist aufwühlend, intensiv und lebt vom furiosen Zusammenspiel der beiden Hauptakteure. Isabelle Adjani, die für ihre ausgezeichnete Darstellung der Camille Claudel den renommierten französischen Filmpreis César erhielt, zeigt die ganze konfuse Gefühlspalette einer vielversprechenden Künstlerin, die sich am Ende selbst zerstörte.

© Sony Pictures Home Entertainment

8. The Invisible Woman

Diesen beachtenswerten, sehr poetischen Film inszenierte der britische Schauspieler und Regisseur Ralph Fiennes nach dem gleichnamigen Roman von Claire Tomalin. Im Fokus der Adaption steht Ellen „Nelly“ Ternan (Felicity Jones), die langjährige heimliche Lebenspartnerin des berühmten englischen Schriftstellers Charles Dickens (Ralph Fiennes). Als Dickens die 27 Jahre jüngere Schauspielerin bei einer ihrer Aufführungen kennenlernt, ist er fasziniert. Kurze Zeit später bietet er ihr eine Rolle in „The Frozen Deep“, ein Stück seines Freundes und Kollegen Wilkie Collins, an. Nelly akzeptiert und fortan sucht Dickens ständig ihre Nähe. Sie bewundert ihn und teilte seine Passion für Literatur und Schriftstellerei – ganz im Gegensatz zu Dickens‘ Frau Catherine, die seiner Profession nichts abgewinnen kann. Ganz langsam nähern sich die beiden an, doch Nelly möchte auf keinen Fall die in ihren Augen entehrende Rolle der Geliebten einnehmen. Als Dickens dann ohne Absprache mit seiner Frau die einvernehmliche Trennung bekanntgibt, ist diese schockiert, aber es bleibt ihr nichts anderes übrig, als seine Entscheidung zu akzeptieren. Und auch Nelly muss einen Entschluss fassen, der ihr weiteres Leben maßgeblich prägen wird…

Diese zweite Regiearbeit von Ralph Fiennes ist erstklassig, sehr bewegend und mit viel Feingefühl für besondere Momentaufnahmen in Szene gesetzt. Der ruhig dahinfließende Film zeichnet sich insbesondere durch das intensive Zusammenspiel der beiden Hauptakteure aus, denen es hervorragend gelingt, das emotionale Dilemma ihrer Charaktere sichtbar zu machen, ohne dabei ins allzu Rührselige zu verfallen. Mein Fazit: Ein wunderschöner, stimmungsvoller Film, den man gesehen haben sollte.

© Kaleidoscope Home Entertainment

9. NOW: In the Wings on a World Stage

Als Richard III 2011 am Londoner Old Vic Theatre Premiere hatte, überschlugen sich die Kritiker mit Lobeshymnen für Hauptdarsteller Kevin Spacey und Regisseur Sam Mendes. Nach American Beauty war dies die zweite erfolggekrönte Zusammenarbeit der beiden Film- und Theatergiganten. Anschließend gingen Spacey, Mendes und The Bridge Project Company, ein transatlantisches Bündnis amerikanischer und britischer Schauspieler, mit diesem Shakespeare Drama auf Welttournee. Hieraus entstand NOW: In the Wings on a World Stage, eine einzigartige Theaterdokumentation, die diese spezielle Theatertruppe über drei Kontinente und über 200 Vorstellungen lang begleitet. Man hat als Titel „NOW“ gewählt, weil es das erste Wort des Dramas ist. Die Dokumentation zeigt die Schauspieler und den Regisseur bei der Vorbereitung bzw. den Rehearsals sowie live auf der Bühne und fängt die Atmosphäre backstage so gekonnt ein, als sei man als Zuschauer hautnah dabei.

Das Besondere an dieser Dokumentation ist für mich, dass sie nicht nur die schönen Momente einfängt, sondern auch die unglamourösen. Sie zeigt auch, wie körperlich fordernd der Job eines Theaterschauspielers ist und welche enorme Konzentration und Disziplin er erfordert. Die Hauptlast liegt hier eindeutig auf Spacey, der jeden Abend sein Bein in ein Stahlkonstrukt zwängt, seinen Buckelsuit über die Schulter schnallt, um dann über 3 Stunden lang Shakespeares deformierten Schurken zu geben – das ist schon eine körperliche Tour de Force. Ich habe Spacey schon zwei Mal auf der Bühne gesehen, und kann nur sagen, dass mich seine überragende Schauspielkunst und seine starke Präsenz immer wieder aufs Neue begeistern. Daher ist für mich auch diese Dokumentation mit einem Blick hinter die Kulissen ein absolutes Must See!!!

© Sony Pictures Home Entertainment

10. Mary Reilly

Und abschließend nochmals eine Literaturverfilmung: Der britische Regisseur Stephen Frears (u.a. Gefährliche Liebschaften) verfilmte Valerie Martins Roman Mary Reilly mit Julia Roberts und John Malkovich in den Hauptrollen, der die Geschichte der schüchternen Mary Reilly (Julia Roberts), die als Dienstmädchen im Haushalt des angesehenen Londoner Arztes Dr. Henry Jekyll (John Malkovich) tätig ist, erzählt. Zwischen dem reservierten, introvertierten Jekyll und der scheuen Mary besteht ein ganz besonderes Band. Mary fühlt sich in Dr. Jekylls Haus sicher und geborgen, bis er den dämonischen Edward Hyde (John Malkovich) als seinen Assistenten einstellt. Sie fürchtet sich vor Hyde, fühlt sich aber auf der anderen Seite magisch von ihm angezogen. Hyde stellt Mary nach, er ist direkt, aufdringlich und unverschämt, und doch sieht Mary etwas in ihm, dass ihr bekannt vorkommt. Mary ahnt, dass etwas Schreckliches vorgeht, aber sie tut alles, um Dr. Jekyll und seinen guten Namen zu schützen. Doch nach einem brutalen Mord geraten die Dinge völlig außer Kontrolle, denn Hyde wird zum Hauptverdächtigen, und somit gerät auch Dr. Jekyll ins Visier der Polizei. Mary weiß nicht mehr, wem sie trauen kann, aber sie hält an ihrer Loyalität zu Dr. Jekyll fest. Doch tief in ihrem Inneren weiß sie, dass es aus diesem Alptraum kein Erwachen gibt…

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie oft ich diesen Film schon gesehen habe, und trotzdem finde ich ihn jedes Mal wieder großartig, denn er ist spannungsgeladen, hochdramatisch und nervenaufreibend. John Malkovich brilliert in seiner Doppelrolle als Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Er spielt bei beiden Charakteren derart gekonnt mit den Gegensätzen Gut – Böse, dass Jekyll manchmal wie ein Langweiler und Hyde wie sein aufregendes Alter Ego wahrgenommen wird. Die größte Überraschung war für mich allerdings Julia Roberts. Ihre von großer Zurückhaltung geprägte Darstellung der Mary Reilly ist wirklich beeindruckend. Blass, ungeschminkt und absolut farblos in ihrem Dienstmädchen-Outfit gibt sie der Figur der Mary Reilly eine berührende Tiefe. Mein Fazit: Ein toller Film – allerdings nichts für Zuschauer mit schwachen Nerven!

*****

Das ist mit Abstand der längste Post, den ich je geschrieben habe, aber beim Thema Filme kann ich mich nur sehr schwer bremsen. Es hat mir großen Spaß gemacht, an dieser Blogparade teilzunehmen, und ich freue mich schon auf viele weitere so ansprechende Initiativen.


Mein herzlicher Dank gilt:

Kaleidoscope Home Entertainment, die mir das DVD-Cover von NOW: In the Wings on a World Stage zur Verfügung gestellt haben.

Koch Films GmbH, Planegg/München ), die mir die DVD-Cover von Portrait of a Lady und Coco & Igor zur Verfügung gestellt haben.

polyband Medien GmbH/WVG, München, die mir das DVD-Cover von Wreckers zur Verfügung gestellt haben.

Sony Pictures Home Entertainment GmbH, München, die mir die DVD-Cover von Was vom Tage übrigblieb, PollockAnonymous, The Invisible Woman und Mary Reilly zur Verfügung gestellt haben.

STUDIOCANAL GmbH, Berlin, die mir das DVD-Cover von Camille Claudel zur Verfügung gestellt haben.

14 Antworten

  1. Du hattest mich schon mit deinem ersten Titel „Wreckers“! <3 Im Rahmen meiner "Ich-muss-alles-mit-Benedict-Cumberbatch-sehen"-Phase habe ich mir auch diesen Film angesehen, den es damals nur auf Englisch und ohne Untertitel gab, was es für mich etwas schwer gemacht hat, den Film abschließend zu bewerten, weil ich Shaun Evans einfach verdammt schlecht verstanden hab. Das war einfach ein Akzent, bei dem ich mir verdammt schwer tue. Aber ich fand den Film auch schauspielerisch toll! Ich wünschte, Benedict würde auch mal wieder so eine Rolle spielen.

    Über die Nennung von "Pollock" habe ich mich auch total gefreut, weil ich Ed Harris darin auch ganz außerordentlich gut finde! Ich finde, es ist ein Skandal, dass er immer noch keinen Oscar gewonnen hat!

    Am interessantesten für mich als Anregungen sind "The Invisible Woman" (der ist völlig an mir vorübergegangen, trotz des tollen Casts) und die Doku über die Tournee von Kevin Spacey als Richard III. Danke für diese Tipps! 🙂

    • Liebe singende Lehrerin,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar!

      Du hast absolut Recht: Shaun Evans war wirklich nicht leicht zu verstehen, aber ich schaue mir die Filme trotzdem immer lieber im englischen Original an. Wenn du Benedict Cumberbatch magst, kann ich dir noch „Small Island“ empfehlen, ebenfalls eine Literaturverfilmung nach dem gleichnamigen Roman von Andrea Levy.

      Es ist mir auch absolut unerklärlich, warum Ed Harris noch keinen Oscar gewonnen hat. Er hätte ihn mehr als verdient – nicht nur für „Pollock“, sondern zum Beispiel auch für „Klang der Stille“, diesen Film finde ich ganz wunderbar.

      Die Doku mit Kevin Spacey habe ich schon einige Male gesehen, weil ich sie einfach so gut finde. Ich hätte so gerne Tickets für die Richard-III-Aufführung im Theater von Epidaurus gehabt, aber keine Chance – alles ausverkauft. Wenn du magst, kannst du mal in meine Dokubesprechung schauen – https://amillionpages.de/2015/03/06/theaterdokumentation-mit-kevin-spacey-now-in-the-wings-on-a-world-stage/ – dort findest du einige Fotos.

      Ich bin Bee übrigens sehr dankbar, dass sie mich auf deinen Blog aufmerksam gemacht hat. Ich freue mich schon auf deine nächsten Blogparaden und bin dann gerne wieder dabei.

      Viele Grüße

      Rosa

      • Dann hoffe ich mal, dass meine nächsten Blogparaden auch wieder nach deinem Geschmack sein werden! 😉

        „Small Island“ ist tatsächlich einer der Filme mit BC, die ich mir noch nicht geholt habe. Sollte ich wohl doch auch mal noch nachholen. Ich hätte mir übrigens „Wreckers“ dann auch nicht auf Deutsch angesehen (Gott bewahre – auf BCs Stimme verzichten!? 😮 ), mir hätten englische Untertitel völlig gereicht. Aber die hatte die englische DVD auch nicht anzubieten.

        In deine Doku-Besprechung schau ich bei Gelegenheit mal rein (danke für den Link) – aber mir reichen deine Beschreibungen hier eigentlich schon als Anreiz! Habe bisher „Richard III“ nur mit Martin Freeman live gesehen (2014, mein erster Theatertrip nach London), demnächst wird die zweite „Hollow Crown“-Box mit BC als Richard III hier eintrudeln. Kevin Spacey allerdings kann ich mir NOCH besser vorstellen, v.a. seit „House of Cards“… Hat Shakespeare ihm ja förmlich auf den Leib geschrieben! 😉

        • Martin Freeman als Richard III? Das hätte ich ja auch wirklich gerne gesehen, gerade weil ich mir das nicht so recht vorstellen kann.

          Im nächsten Jahr gibt es auch eine großangelegte BBC-Produktion mit Benedict Cumberbatch als Richard III. Darauf bin ich ja mal gespannt – wird schwierig, Spacey zu übertreffen.

          Viele Grüße

          Rosa

    • Liebe Jari-Chan,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar.

      „Anonymous“ ist wirklich toll gemacht – er hätte meines Erachtens viel mehr Aufmerksamkeit verdient.

      Viele Grüße

      Rosa

  2. Liebe Rosa,

    die Filme sind eigentlich so überhaupt nicht mein Genre, was ich normalerweise schaue, aber zum Beispiel Camille Claudel klingt wirklich sehr interessant. Danke für diese schöne Liste 🙂

    Liebe Grüße
    Sarah

    • Liebe Sarah,

      schön, wieder mal von dir zu hören und lieben Dank für deinen Kommentar.

      „Camille Claudel“ ist ein toller, aber ziemlich aufwühlender Film. Ich habe mir danach erst mal eine Biografie der Bildhauerin gekauft mit dem Titel „Ich mache keine Kompromisse“ – sehr spannend zu lesen.

      Liebe Grüße

      Rosa

  3. Liebe Rosa,

    wow, was für ein Post!

    Einige Filme kenne ich ja, ich bin nicht so der Benedict Cumberbatch Fan, aber ich liebe Emma Thompson. Remains of the Day mag ich sehr gerne, genauso finde ich Pollock super, Ed Harris interpretiert Jackson Pollock recht gut (glaube ich). Meine Meinung zu Mary Reilly kennst du ja ; )

    Irgendwie fällt mir gerade Room with a View ein, auch sehr nett.

    Liebe Grüße, Bee

    • Liebe Bee,

      lieben Dank für dein Feedback.

      Ja, ich weiß, Benedict Cumberbatch ist nicht gerade dein Lieblingsschauspieler. Umso mehr freut es mich, dass dir Ed Harris‘ „Pollock“ sehr gefällt.

      „Room with a View“ mit dem großartigen Julian Sands – wie konnte ich den Film vergessen??? Aber andererseits war er damals schon ziemlich erfolgreich, und viele kennen ihn.

      Liebe Grüße

      Rosa

  4. Man erkennt durchaus ein Filmschema. 😉 „Coco und Igor“ fand ich persönlich auch sehr gelungen, auch wenn ich Mikkelsen in der Rolle ein wenig gewöhnungsbedürftig fand.

    • Hallo Stepnwolf,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar.

      Du hast absolut Recht: Mikkelsen ist ein wenig gewöhnungsbedürftig in dieser Rolle, aber ich war überrascht, wie gut es gepasst hat. Am besten gefällt er mir übrigens in der Serie „Hannibal“ :).

      Viele Grüße

      Rosa

  5. Anonymous habe ich auch gesehen, aber irgendwie konnte mich der Film nicht so mitreißen bzw. von sich überzeugen. Weiß auch nicht woran das nun genau lag, aber es fehlte für mich irgendwie das gewisse Etwas, was aber auch nicht am Skandal liegt.

    Abseits davon hast du mich aber auf Wreckers neugierig gemacht, von dem Film habe ich bisher noch nie was gehört, aber ich mag beide Hauptdarsteller richtig gerne.

    • Liebe Nicole,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar.

      Ich war von „Anonymous“ ziemlich begeistert – das bin ich bei allen Filmen, die Shakespeare zum Thema haben 🙂 – z.B. „Shakespeare in Love“.

      Ja, „Wreckers“ ist wirklich sehenswert. Ich kannte Benedict Cumberbatch bis dato nur als Sherlock und war wirklich überrascht, wie gut er in dieser Rolle ist.

      Übrigens, Bee hat mich auf deine Website und deine Blogparade „Kampf der Genres“ aufmerksam gemacht. Diesen Monat bin ich gerne dabei und werde in meinem Post meine Lieblings-Künstlerbiografien vorstellen.

      Viele Grüße

      Rosa

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