Grandiose Neuverfilmung eines Klassikers:
„Macbeth“ mit Fassbender und Cotillard

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Wagnis Shakespeare

Macbeth war das erste Shakespeare-Drama, das ich in der Schule gelesen habe, und ich muss gestehen, dass ich zunächst nicht viel damit anfangen konnte. Ich empfand das elisabethanische Englisch als viel zu schwierig und verschachtelt, um mich mit der Tragödie eingehend zu beschäftigen. Als ich es dann jedoch einige Jahre später in einem Shakespeare-Seminar an der Uni nochmals lesen musste und wir Shakespeare, seine Zeit und auch die Strukturen und Besonderheiten des elisabethanischen Englisch im Detail beleuchtet hatten, fiel es mir sehr viel leichter, mich auf das Wagnis Shakespeare einzulassen, und seit damals hat es mich einfach gepackt. Ich las Macbeth – und später noch viele andere Werke des Dramatikers – und war fasziniert von Shakespeares profunder Kenntnis der menschlichen Natur, die meines Erachtens auch ein essentieller Grund dafür ist, dass seine Dramen die Zeit überdauern.

Justin Kurzels Macbeth: Eine beeindruckende Adaption der Extraklasse

Die erste Macbeth-Verfilmung, die ich gesehen habe, war Roman Polanskis Version aus dem Jahre 1971, die mich allerdings in keiner Weise angesprochen hat – für meinen Geschmack war sie viel zu blutrünstig und auf Schockeffekte ausgelegt. Angesichts dieses Hintergrundes war ich sehr gespannt auf die hier vorgestellte Neuverfilmung, die eine gänzlich divergierende Annäherung an dieses herausragende Drama versprach. Schon als ich den Trailer sah, wusste ich, dass dem renommierten australischen Regisseur Justin Kurzel hier etwas ganz Einmaliges gelungen ist – nämlich Shakespeares Werk mit zwei Ausnahmeakteuren in beeindruckenden, verstörenden und zugleich sehr berührenden Bildern neues Leben einzuhauchen und es somit auch einer Generation zugänglich zu machen, die mit dem meines Erachtens besten Dramatiker aller Zeiten heute nicht mehr viel anfangen kann.

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Macbeth (Michael Fassbender) und Lady Macbeth (Marion Cotillard)

Diese brillante Neuverfilmung mit Michael Fassbender und Marion Cotillard in den Hauptrollen ist eine beeindruckende und visuell einzigartige Adaption der Extraklasse. Ich habe in diesem Jahr keinen Film gesehen, der mich derart begeistert hat wie diese meisterhafte Realisierung des weltberühmten Dramas, das zu meinen favorisierten Tragödien des Bard of Avon zählt. Macbeth ist nicht nur ein faszinierend-bewegendes Filmepos von großer Bildgewalt und Leidenschaft, sondern ebenso eine großartige Neuerzählung einer zeitlosen literarischen Vorlage über den Aufstieg und Niedergang zweier Tyrannen, deren Machthunger, Skrupellosigkeit und Größenwahn sie schließlich ins Verderben führen.

Macbeth: Kurzer Abriss des Plots

Macbeth wurde um 1606 von William Shakespeare verfasst und spielt in Schottland und England des 11. Jahrhunderts.  Nach Rückkehr von einer Schlacht, die er für König Duncan erfolgreich geschlagen hat, trifft der königliche Heerführer Macbeth in der Heide auf drei Hexen, die ihm prophezeien, dass er der nächste Thane of Cawdor und bald darauf König von Schottland wird. Macbeth kann sich zunächst keinen Reim darauf machen und berichtet seiner Frau, der ehrgeizigen Lady Macbeth, von dieser äußerst mysteriösen Begebenheit. Als die erste Prophezeiung eintrifft und Duncan ihm den Titel des Thane of Cawdor verleiht, wittert Lady Macbeth sofort die einmalige Chance zur absoluten Macht, die sich ihr und ihrem Mann hier bietet und legt ihrem Gatten unumwunden nahe, König Duncan bei dessen anstehenden Besuch in Macbeths Burg in Inverness zu ermorden, da es ihres Erachtens ansonsten so schnell keine Möglichkeit für ihren Mann gibt, den Thron auf normalem Wege zu besteigen. Macbeth reagiert äußerst zögerlich und kann sich mit dem Gedanken eines Königsmords in keiner Weise anfreunden. Als seine Frau daraufhin jedoch seine Männlichkeit in Frage stellt, willigt er schließlich ein. Lady Macbeth betäubt die Wachen, und Macbeth ersticht den König mit einem Dolch. Seine Tat verstört ihn jedoch dermaßen, dass er nicht in der Lage ist, den blutbefleckten Dolch, wie von seiner Frau geplant, den schlafenden Wachen unterzuschieben. Lady Macbeth erledigt dies für ihn, und beide kehren mit blutgetränkten Händen in ihre Gemächer zurück.

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Macbeth (Michael Fassbender) und Lady Macbeth (Marion Cotillard)

Nachdem der Fund des toten Königs einen Tumult ausgelöst hat, geht Macbeth noch einen Schritt weiter: Er erschlägt die Wachen des Königs, die er zuvor als Königsmörder tituliert hat. Die Söhne des Königs, Donalbain und Malcom, fliehen nach Irland bzw. England, da sie sich nicht sicher fühlen und fürchten, ebenfalls getötet zu werden. Somit sehen sich Macbeth und Lady Macbeth am Ziel ihrer Wünsche: Macbeth wird angesichts dieser Umstände zum König gekrönt. Doch seine Tat lässt ihn nicht los: Von Schuldhalluzinationen und Paranoia geplagt, sieht Macbeth seine Königsherrschaft permanent bedroht. Er beseitigt jeden, der für ihn eine Gefahr darstellt und hält sich für unbesiegbar, während seine Frau – erdrückt von ihrer Schuld und dem Größenwahn ihres Mannes – langsam den Verstand verliert. Doch Macbeth, zum unnachgiebigen und verbitterten Tyrannen mutiert, will auch weiterhin seinem Schicksal trotzen, nicht ahnend, dass es schon längst besiegelt ist…

Schauspielerische Brillanz: Fassbender und Cotillard als beispielloses Tyrannenpaar

© STUDIOCANAL GmbH – Macbeth (Michael Fassbender)

Dieser erstrangige Film wird primär von der schauspielerischen Brillanz der beiden Hauptdarsteller getragen. Michael Fassbender zählt zweifelsohne zu den exzellentesten Schauspielern seiner Generation. Ich habe ihn schon in den unterschiedlichsten Rollen gesehen – z.B. als brutaler Plantagenbesitzer in Twelve Years a Slave, als düsterer Byronscher Antiheld in Jane Eyre oder als undurchsichtiger, namenloser Protagonist in The Counselor -, aber in keiner hat er mich so überzeugt wie in Macbeth. Seine physische Präsenz und Intensität, die gefährlich-unberechenbare Aura, die er seiner Hauptfigur verleiht, sind eindrucksvoll und beängstigend zugleich. Die Entwicklung Macbeths vom machthungrigen Heerführer zum größenwahnsinnigen, blutrünstigen König gelingt ihm beunruhigend glaubhaft. Wenn er als Macbeth seiner Frau mit wirrem Lachen zuflüstert „O, full of scorpions is my mind, dear wife!“1, läuft es einem kalt den Rücken herunter.

© STUDIOCANAL GmbH – Lady Macbeth (Marion Cotillard)

Fassbenders Filmpartnerin, die Französin Marion Cotillard, die mit ihrer großartigen Darstellung der Chansonette Édith Piaf in Olivier Dahans preisgekröntem Film La Vie En Rose internationalen Ruhm erlangte, ist das perfekte Pendant. Ihre Verkörperung der Lady Macbeth ist eindringlich und sehr berührend. Die Entwicklung ihrer Protagonistin von der ambitionierten, skrupellosen Mordanstifterin zur schuldbeladenen Wahnsinnigen porträtiert sie sehr überzeugend und voller Empathie. Eine außergewöhnliche Szene ist mir hier besonders im Gedächtnis geblieben: Als Macbeth einen äußerst brutalen Mord an der Frau und den beiden Kindern seines Feindes Macduff befehligt, blickt sie sprach- und fassungslos auf ihren Mann, das blutrünstige Monster, das sie im wahrsten Sinne des Wortes erschaffen hat, und es reicht ein Blick, um auszudrücken, dass ihr Verstand nicht mehr greifen kann, was vor sich geht.

Bildgewaltiges Glanzstück: Facetten des Menschlichen in intensiven Momentaufnahmen

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Macbeth (Michael Fassbender) und Lady Macbeth (Marion Cotillard)

Obwohl Shakespeares Macbeth gemeinhin als Drama gilt, das in erster Linie Machthunger, Opportunismus und Skrupellosigkeit sowie Gewissen und Schuld thematisiert, halte ich die Beziehung der beiden Hauptcharaktere zueinander für ebenso essentiell. Diesen Aspekt, der bei vielen Betrachtungen des Dramas nur marginal gestreift wird, greift Regisseur Kurzel auf und zeigt uns in den herausragenden gemeinsamen Szenen der Protagonisten ein tiefgehendes emotionales Portfolio, das unter die Haut geht. So sieht man die beiden in inniger Verbundenheit und vertrauter Nähe, aber ebenso im völligen Unverständnis für die Haltung des anderen und am Ende zutiefst verloren in ihrem Wahn und ihrer Einsamkeit. Diese Facetten des Menschlichen, die Shakespeare seinen Antagonisten trotz aller Gräueltaten attribuiert, zeigen sich in intensiven Momentaufnahmen, die Kurzel erstklassig inszeniert hat und machen seinen Film in all seiner Sprach- und Bildgewalt zu einem Glanzstück unter den Shakespeare-Adaptionen, das seinesgleichen sucht.


MACBETH
Regie: Justin Kurzel
Produktionsland: UK
Erscheinungsjahr: 2015

Bilder inkl. DVD-Cover: © STUDIOCANAL GmbH, Berlin

1Watts, Cedric (Hrsg.). Shakespeare, William. Macbeth. London: Wordsworth Editions Limited, 2005. S. 65.

4 Antworten

  1. Liebe Rosa,

    eine sehr gelungene Filmvorstellung – die Szenenbilder allein sind schon beeindruckend.

    Ich hatte von dieser Neuverfilmung bisher noch nichts gehört. Danke für den Hinweis – den Film muss ich unbedingt sehen.

    Liebe Grüße

    Danielle

    • Liebe Danielle,

      ja, die Bilder sind wirklich großartig. Und der Film ist erstklassig. Ich freue mich immer, wenn es neue Shakespeare-Adaptionen gibt – wenn diese dann auch noch so gelungen sind, umso besser :).

      Liebe Grüße

      Rosa

  2. Liebe Rosa,

    eine tolle Rezension! Die Fotos sind großartig. Ich mag es sehr gern, wenn insbesondere klassische Verfilmungen so bildgewaltig inszeniert werden. Daher muss ich diese Version auch unbedingt sehen. Mit den modernen Adaptionen kann ich nicht so viel anfangen.

    Fassbender und Cotillard sind ja auch eine Traum-Kombi.

    Liebe Grüße

    Chloé

    • Liebe Chloé,

      ja, der Film schwelgt in beeindruckenden Bildern – opulent und düster zugleich.

      Und Fassbender und Cotillard sind wie gemacht für ihre Rollen. Wirklich grandios. Gib mir mal dein Feedback, sobald du den Film gesehen hast. Ich bin gespannt, was du sagst.

      Liebe Grüße

      Rosa

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