Frohe Weihnachten

shutterstock_152860538

2016 neigt sich dem Ende, und ich kann kaum glauben, dass ich im nächsten Februar schon zwei Jahre blogge. Dies ist ein schöner Anlass, um mich bei allen zu bedanken, die mich unterstützt, begleitet und inspiriert haben. Den Anfang macht, wie immer, die liebe Bee, die mich nicht nur zum Bloggen gebracht hat, sondern sich auch mit endloser Geduld und beeindruckender Kreativität um die Gestaltung bzw. das Design meines Blogs etc. kümmert und aus meinen oftmals nicht umsetzbaren Vorschlägen stets etwas Ansprechendes macht. Ein herzliches Dankeschön für all deine Mühe und deine großartige freundschaftliche Unterstützung!

Des Weiteren bin ich insbesondere in diesem Jahr auf so viele brillante Blogger gestoßen, die ich anlässlich so toller Aktionen wie #buchpassion, initiiert von Janine vom Bücher- und Literaturblog Kapri-ziös, #liebu – Mein Lieblingsbuch, ein Gemeinschaftsprojekt von Lilienlicht, BücherKaffee und Teekesselchen, oder Blogparaden wie der originelle Kampf der Buchgenres, die Nicole von Smalltownadventure und Jana von Lifetime Hours ins Leben riefen, kennengelernt habe.

Inspiriert haben mich darüber hinaus so einzigartige Blogs wie Buzzaldrins Bücher (Mara), der Kaffeehaussitzer (Uwe), Sätze und Schätze (Birgit), Buchkolumne (Karla), Zeichen und Zeiten (Constanze) u.v.m., die Literatur auf so wunderbare Weise lebendig werden lassen und zeigen, wie vielfältig und bunt die Welt der Book Loving People ist. Dies wird auch in der ARD Buffet liest-Gruppe und dem #litnetzwerk (Facebook) sichtbar, deren Mitglied ich seit kurzer Zeit bin.

Ich wünsche euch allen ein schönes Weihnachtsfest und alles erdenklich Liebe und Gute, viel Glück und vor allem Gesundheit für das neue Jahr. Genießt die besinnliche Zeit im Kreise eurer Familie und Freunde, und lasst es euch gutgehen.

Ich danke euch für eure vielfältigen Kommentare und Anregungen, über die ich mich sehr gefreut habe und die mich darüber hinaus motivieren, in meinen bisherigen Aktivitäten weiter voranzugehen.

Auch im nächsten Jahr freue ich mich wieder auf einen spannenden Austausch mit euch, viele neue nette Kontakte, originelle Blogparaden und außergewöhnliche Buch- und Leseaktionen.

Herzliche Grüße

Eure Rosa


Bildnachweis: Shutterstock © fotohunter

Geschenkideen rund ums Schreiben

20161209_113619_resized

Stilvolles Schreibutensil mit Molière-Zitat

Heute möchte ich euch einen weiteren originellen Tintenroller aus der libri_x-Reihe vorstellen. Er ist dem französischen Dramatiker, Theaterdirektor und Schauspieler Jean-Baptiste Poquelin, besser bekannt als Molière, gewidmet, der sich mit Klassikern wie Der eingebildete Kranke, Der Geizige und Der Menschenfeind als Gesellschaftskritiker seiner Zeit etablierte. Der Aufdruck auf dem Tintenroller ist eines seiner berühmten Zitate: „Der Grammatik müssen sich selbst Könige beugen.“  Auch dieser libri_x Tintenroller (Artikel-Nr. 82635) wird vom moses.Verlag vertrieben und ist in fast allen Buchhandlungen erhältlich (Preis: ca. € 14,95).

Der Tintenroller hat ein sehr ansprechendes Design mit orangener Kappe, weiß-schwarzem Minenteil und schwarzem Aufdruck. Mit der Qualitätsmine, die sehr lange hält, lässt es sich sehr gut schreiben. Ein weiteres Plus ist, dass die äußere Farbe des Tintenrollers auch nach häufigem Gebrauch nicht verblasst. Insofern finde ich, dass das Preis-Leistungsverhältnis hier absolut stimmt. Die auf den Stift abgestimmte Box ist ebenfalls sehr geschmackvoll. Alles in allem ist das edle Schreibgerät eine außergewöhnliche Geschenkidee – nicht nur zu Weihnachten. Natürlich kann man sich damit aber auch wunderbar selbst beschenken, wenn man – wie ich – leidenschaftlich gerne Briefe und Postkarten mit der Hand schreibt.

In dieser Reihe sind bereits einige einzigartige Tintenroller mit Zitaten von Schriftstellern und Schauspielern erschienen, von denen ich euch die folgenden bereits vorgestellt habe:

libri_x Tintenroller „Oscar Wilde”

libri_x Tintenroller „William Shakespeare“

libri_x Tintenroller „Mae West“

Ich werde euch peu à peu noch weitere schöne Schreibutensilien aus dieser Serie vorstellen, die ich sowohl verschenkt als auch für mich gekauft habe. Ich hoffe, ihr habt genauso viel Freude daran wie ich.


Foto: © A Million Pages

Der Blogventskalender 2016

advent

In diesem Jahr mache ich mal bei einem kunterbunten Blogger-Adventskalender mit. Normalerweise bin ich ja bei Bücher-Blogger-Adventsaktionen dabei, aber dieses Mal habe ich mich für eine Blog-Vielfalt entschieden, die sich im Blogventskalender 2016 (unter diesem Link sind alle beteiligten Blogger aufgeführt) zusammengefunden hat. Bei dieser spritzigen Blogger-Mischung findet sich hinter jedem der 24 Türchen eine spezielle Überraschung: Rezensionen, Bastelanleitungen, Rezepte, Mode u.v.m. Da ist für jeden etwas dabei. Ich möchte mich ganz herzlich bei Tabea (Blog: Habutschu) bedanken, die mit viel Geduld und Organisationstalent alle Parteien in diesen außergewöhnlichen Kalender integriert hat. Es hat wirklich großen Spaß gemacht, dabei zu sein!

Hinter meinem heutigen Türchen 8 verbirgt sich eine ganz besondere Leseempfehlung: Anne Perrys historischer Kriminalroman Der Weihnachtsverdacht, der im viktorianischen London spielt. Lasst euch überraschen – vorab nur so viel: Ihr könnt euch auf ein spannendes Abenteuer freuen.

Anne Perry: Der Weihnachtsverdacht

Das Genre Historische Romane trifft nur sehr selten meinen Geschmack, da müssen es wirklich schon spezielle, sehr gute Bücher sein.  Wenn ich Werke aus diesem Segment auswähle, dann sind es zumeist historische Krimis, denn hier gibt es einige brillante und bemerkenswerte Romane mit Lokalkolorit, die ich sehr mag. Hierzu gehören auch die Erzählungen von Anne Perry, die alle im viktorianischen London spielen und immer ein Lesegenuss der ganz besonderen Art sind. Das Buch, das ich euch heute vorstelle, Der Weihnachtsverdacht, zählt zu den beliebten Christmas Novels der Autorin, von denen ich bisher keinen Band versäumt habe, denn sie sind immer eine äußerst fesselnde Feiertagslektüre. Auch dieses Mal entführt uns Perry wieder ins vorweihnachtliche London, wo uns ein mysteriöser, spannender Fall erwartet.

Ein gefährliches Versprechen

Henry Rathbone verspricht seinem verzweifelten Freund James Wentworth, dessen Sohn Lucien ausfindig zu machen, der in schlechte Gesellschaft geraten und in der Unterwelt der pulsierenden Metropole spurlos verschwunden ist. Wentworth hatte zuvor alles versucht, um Lucien aus dem Sumpf von Alkohol- und Opiumexzessen zu befreien und ihn vor weiteren Ausschweifungen zu bewahren, doch nichts konnte den genusssüchtigen attraktiven Frauenhelden zur Rückkehr bewegen. Obwohl Rathbone keine große Hoffnung hat, Lucien zu finden, geschweige denn, ihn wieder in die Obhut seines Vaters zu katapultieren, macht er sich auf die Suche. Doch wo soll ein Gentleman wie er beginnen? Er hat weder Beziehungen zur Londoner Unterwelt noch kennt er dubiose Gestalten, die eventuell wissen könnten, wo sich Wentworths Sohn aufhält.

Zwei kuriose Gehilfen

Da fällt ihm Hester Monk ein, die vor einigen Jahren beinahe seine Schwiegertochter geworden wäre, sich aber dann gegen seinen Sohn Oliver, einen berühmten Anwalt, entschieden hatte, weil die beiden letztendlich doch zu verschieden waren. Hester, eine engagierte und patente Krankenschwester, arbeitet in einer Klinik, wo sie sich primär um die Sozialschwachen und hier insbesondere um Prostituierte kümmert. Henry hofft, entweder von Hester oder eventuell von ihren Patientinnen einen Hinweis auf Luciens Aufenthaltsort zu erhalten. Doch zu Henrys Enttäuschung ist Hester momentan unabkömmlich, da sich die Notfälle in der Klinik häufen, so dass er lediglich auf den Buchhalter Squeaky Robinson trifft. Doch bei ihm ist Henry genau an der richtigen Adresse, denn Squeaky war ein ehemaliger Bordellbesitzer, bevor ihm dank Hester der Absprung gelang. Squeaky hat noch beste Kontakte zur Londoner Unterwelt, die er allerdings nur ungern reaktivieren möchte, weil er mit seinem alten Leben abgeschlossen hat. Doch Henrys Entschlossenheit imponiert ihm, und so bietet er ihm seine Hilfe an. Ein alter Freund von Squeaky ist dabei allerdings unerlässlich: Crow, ein Armendoktor, der vorwiegend Obdachlose, Kleinkriminelle und Prostituierte behandelt und der Londons dunkle Viertel ebenfalls sehr gut kennt.

Abstieg in die Unterwelt

Und so machen sich Squeaky und Crow auf, um Lucien zu finden. Doch das gestaltet sich äußerst schwierig, denn niemand will reden. Sie erfahren lediglich, dass Lucien ständig unter Drogen und unter dem Einfluss seiner verdorbenen schönen Geliebten Sadie stehen soll, der er hörig ist und die ihn mit in den Abgrund gezogen hat. Mehr erfahren sie nicht, denn alle schweigen wie ein Grab. Squeaky und Crow beschließen daraufhin, Henry zu empfehlen, die Suche abzubrechen, da sie das Milieu gut genug kennen, um zu wissen, dass Lucien entweder nicht gefunden werden will oder schon tot ist. Doch sie haben die Rechnung ohne Henry gemacht, der keinesfalls bereit ist, jetzt schon aufzugeben. Und so bleibt den beiden nichts anderes übrig, als mit Henry an ihrer Seite ein weiteres Mal auf die Suche zu gehen. Mit Hilfe der jungen Kellnerin Bessy werden sie durch Zufall auf einen bizarren Doppelmord aufmerksam, in den Lucien und Sadie offenbar verwickelt sind. Und so geraten sie immer tiefer in die Abgründe Londons, die sie am Ende ihrer düsteren Odyssee zum gefürchteten Schattenmann führen, der alle Fäden in der Hand zu halten scheint…

Ein spannendes Abenteuer in Londons Schattenwelt

Anne Perrys historische Romane sind sehr lesenswert. Nie gleicht eine Geschichte der anderen, jede Erzählung hat ihr ganz eigenes Momentum. Ihre Charaktere heben sich wohltuend von den genreüblichen Stereotypen ab: Sie sind normal, außergewöhnlich, manchmal etwas hausbacken, manchmal leicht schrill und ausgefallen – aber immer very British. Dies ist auch bei dem hier vorgestellten Roman nicht anders. Das Team, das hier das mysteriöse Verschwinden von Lucien Wentworth ergründet, passt auf den ersten Blick so gar nicht zusammen. Und doch sind Upper Class Gentleman Henry, der ehemalige Bordellbesitzer Squeaky und der zwielichte Doktor Crow ein perfektes Gespann, das sich trotz aller Unterschiede zusammenrauft und sich in ein riskantes Unterfangen stürzt. Ihr lebensgefährliches Abtauchen in Londons dunkelstes Labyrinth ist ein packendes, sehr unterhaltsames Abenteuer, das wieder einmal mehr beweist, dass Anne Perry eine der besten Autorinnen dieses Genres ist.

Anne Perry: Britische Schriftstellerin mit Fokus auf historische Kriminalromane

Anne Perry wurde 1938 in Blackheath/London als Tochter eines Physikers geboren. Da sie bereits in frühester Jugend an Tuberkulose erkrankte, lebte sie einige Jahre auf den Bahamas und in Neuseeland, wo sich ihr Zustand besserte.

In den 60er Jahren entdeckte Perry die Schriftstellerei für sich, doch erst 1979 nach einer langen Durststrecke, in der sie sich mit vielen unterschiedlichen Jobs finanzierte, gelang ihr mit ihrem ersten historischen Kriminalroman Der Würger von der Caterstreet (The Cater Street Hangman) der literarische Durchbruch. Sie erfand die populären Krimireihen um den Polizisten Thomas Pitt und seine Frau Charlotte ebenso wie die Romanserie mit Privatdetektiv William Monk und Hester Latterly, die beide im spätviktorianischen England spielen. Darüber hinaus konzipierte sie noch die Krimireihe um Vikar Joseph Reavley, die historische Serie um Célie Laurent, einen Fantasyzyklus und die Christmas Novels, die sich sehr großer Beliebtheit erfreuen. Außerdem ist sie Herausgeberin zweier Kriminal-Anthologien.

Perrys Romane wurden millionenfach verkauft und in diverse Sprachen übersetzt. Sie zählt zu den erfolgreichsten Schriftstellerinnen historischer Kriminalromane in Großbritannien.

Die Autorin lebt heute in Schottland. Weitere Informationen über Anne Perry findet ihr auf ihrer Website www.anneperry.co.uk, der ich auch ihre biografischen Angaben entnommen habe.


Originalausgabe: Perry, Anne. A Christmas Odyssey. London: Headline Publishing Group, 2010.
Deutsche Ausgabe: Perry, Anne. Der Weihnachtsverdacht. Aus dem Englischen von Regina Schirp. München: Wilhelm Heyne Verlag/Verlagsgruppe Random House GmbH, 2011.
Buchcover: www.randomhouse.de
Bildnachweis: Shutterstock – © Marianna Pashchuk

Meine Lesehistorie:
10 Fragen zu 10 Büchern

bild3Auf einem meiner Lieblingsblogs, Kaffeehaussitzer (www.kaffeehaussitzer.de), bin ich auf die nachfolgende außergewöhnliche Fragenliste gestoßen, die von Sätze & Schätze (www.saetzeundschaetze.com) bereits im letzten Jahr zusammengestellt wurde. Da diese Frageaktion sehr erfolgreich war, haben Sätze & Schätze sie 2016 reaktiviert. Und da bin ich natürlich dabei, denn ich beantworte Fragen zu Büchern immer gerne – und recht schnell, doch hier bin ich ziemlich ins Grübeln geraten. Obwohl die Fragen auf den ersten Blick ziemlich einfach anmuten, sind sie alles andere als das, denn sie betreffen spezielle Bücher, die ein wichtiger Teil meines Lebens waren bzw. immer noch sind. Diese ganz besondere Auswahl zu treffen, ist mir schwergefallen, insbesondere da ich bei jeder Frage nur ein Buch nennen durfte. Aber nachdem ich meine Lesehistorie nochmals intensiv reflektiert habe, war ich überrascht, welche Schätze ans Licht kamen.

1. Das erste Buch, das ich bewusst gelesen habe

Das war gleich eine ganze Buchreihe: Professors Zwillinge von Else Ury. Ich habe jeden einzelnen der fünf Bände geliebt: Bubi und MädiIn der WaldschuleIn ItalienIm Sternenhaus und Von der Schulbank ins Leben. Mein Lieblingsroman war In Italien: Ich war von Urys pfiffigen Zwillingen, der wunderbaren Geschichte und vor allem von Italien, das mir so exotisch und lebendig erschien, so begeistert, dass ich gleich meine Koffer packen und nach Italien reisen wollte (ich war allerdings noch zu klein und musste mich daher dann leider noch etwas gedulden :-)). Es freut mich im Übrigen ganz besonders, dass alle fünf Romane als Sammelband wieder im Handel erhältlich sind, denn Urys Bücher sind auch ein Lesegenuss für die heutigen Kids.

2. Das Buch, das meine Jugend begleitete

Bei dieser Frage musste ich nicht lange überlegen. Es war definitiv Der Graf von Monte Christo von Alexandre Dumas. Diesen Abenteuerroman habe ich verschlungen und auch heute noch zählt er für mich zu den großartigsten Klassikern, die je geschrieben wurden. Die tragische Geschichte des französischen Seemanns Edmond Dantes, der durch eine teuflische Intrige 14 Jahre unter unmenschlichen Bedingungen im Kerker von Châteu d’If verbrachte und nach seiner Flucht als vermögender, mysteriöser Graf von Monte Christo zurückkehrt, um Rache zu nehmen, ist eine Erzählung der Superlative. Liebe, Moral, Verrat und Vergeltung sind die Themen, die diesen Roman dominieren. Aber Dumas stellt auch existentielle Fragen: Was bleibt uns am Ende, wenn unser Leben allein von Rache bestimmt war? Kann Liebe diese Manie durchbrechen? Genau dieser Aspekt ist es auch, den ich an Dumas‘ Romanen (Die drei Musketiere, Die Bartholomäusnacht, Die schwarze Tulpe u.v.m.) so sehr mag. Im Übrigen habe ich auch viele Verfilmungen des Klassikers gesehen: Unübertroffen ist für mich bis heute Richard Chamberlain in der Titelrolle, da er meines Erachtens alle Facetten dieses vielschichtigen Protagonisten zutage bringt.

3. Das Buch, das mich zur Leserin machte

Das war Jane Eyre von Charlotte Brontë. Dieser viktorianische Roman, den ich zufällig in unserer Stadtbibliothek entdeckte, hat mich begeistert. Ich war berührt und gefesselt zugleich vom tragischen Lebensweg der klugen, zurückhaltenden und unbeugsamen Waise Jane Eyre, die nach dem Tod ihrer Eltern zunächst von ihrer Tante schikaniert und dann schließlich auf dem Internat Lowood die Demütigungen des sklavischen Schulleiters erdulden muss, bis man ihr schließlich eine Position als Lehrerin gewährt. Doch Jane ist rastlos, gibt ein Inserat auf und nimmt schließlich eine Stelle als Gouvernante auf Thornfield Hall, dem düsteren Landsitz von Edward Rochester, an. Arrogant, zynisch und verbittert – Janes erster Eindruck von ihrem neuen Arbeitgeber lässt sie nichts Gutes erwarten, aber trotz alledem verliebt sie sich in ihn. Doch Rochester und Thornfield Hall bergen ein schreckliches Geheimnis, das Jane zwingt, alles aufzugeben, was ihr etwas bedeutet…

Herzbewegend, romantisch und schauerlich – eine perfekte Mischung für meinen Geschmack. Die britische Autorin Charlotte Brontë, die den Roman 1847 zunächst unter ihrem männlichen Pseudonym Currer Bell veröffentlichte, zählt zu den bedeutendsten literarischen Vorreiterinnen für weibliche Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Ihre unkonventionelle Protagonistin Jane Eyre, die ihrer Zeit trotzt und für ihr Recht auf Eigenständigkeit kämpft, war in der damaligen Zeit eine kleine Sensation. Auch Janes männliches Pendant, Edward Rochester, ist ein unabhängiger Geist, der sich wenig um die rigiden gesellschaftlichen Regeln der damaligen Zeit schert und in seiner Widersprüchlichkeit und Zerrissenheit der typische Byron’sche Held ist.

Dieser Klassiker ist einer meine All-Time Favourites, die ich von Zeit zu Zeit immer mal wieder gerne lese.

4. Das Buch, das ich am häufigsten gelesen habe

Owen Meany von John Irving. Dies liegt aber nicht nur daran, dass ich meine Staatsexamensarbeit über diesen großartigen amerikanischen Schriftsteller geschrieben habe. Auf Irving und seine Werke bin ich in einem Hauptseminar über zeitgenössische amerikanische Autoren gestoßen. Gottes Werk und Teufels Beitrag und Owen Meany standen auf dem Leseplan. Ich fand beide Werke brillant, doch Owen Meany hat mich von der ersten Seite an gepackt, der Roman hat mich zum Lachen und zum Weinen gebracht wie kein anderes Buch zuvor. Was also macht diese Geschichte so einzigartig? Es ist nicht nur die ungewöhnliche Freundschaft der beiden Protagonisten, die berührt: John Wheelwright, Mayflower-Spross und unehelicher Sohn einer exzentrischen Mutter, und Owen Meany, der liebenswerte Kleinwüchsige mit der hohen Stimme, der nicht nur aufgrund seiner Initialen sehr an Oskar Mazerath aus Grass‘ Die Blechtrommel erinnert. Die enge Bindung der beiden hat sogar dann noch Bestand, als Johns Mutter durch einen tragisch-verunglückten Baseballwurf von Owen ums Leben kommt. Der oftmals altkluge und weise Owen ist es, der dem vaterlosen John die Augen für viele Dinge öffnet und für ihn der wichtigste Mensch in seinem Leben wird.

Irvings Roman ist darüber hinaus ein schonungsloses Porträt des mythisch-verklärten Selbstverständnisses der Amerikaner, das sie zu einer leichten Beute für berechnende Politiker macht, die ihre ganz eigenen Ziele verfolgen. Der Autor setzt hier zunächst in den 60er Jahren an: Als der faszinierend-mitreißende John F. Kennedy eine Wiederbelebung des unter Nixon lethargisch gewordenen Amerikas und einen glorreichen Neuanfang verspricht, jubeln ihm alle zu. Auch John und Owen sind da keine Ausnahme. Erste moralische Risse bekommt das Bild des heldenhaften Strahlepolitikers, als beide von der angeblichen Affäre JFKs mit Schauspielikone Marilyn Monroe erfahren, die später auf tragische Weise ums Leben kommt. Auch der in den Fokus rückende Krieg in Vietnam tut sein Übriges dazu. Für Owen ist Marilyn die Verkörperung Amerikas: Geblendet durch den äußeren Schein eines immerwährenden Jugendideals und die magnetisierende Anziehungskraft eines kalkulierendes Machtapparates, scheitert sie schließlich an der Realität, die sie zerstört.

Auch in den 80er Jahren ist keine Einsicht und Reflektion zu erkennen. Mit Ronald Reagan hat man einen Präsidenten gewählt, der das Cowboy-Ethos wiederbelebt und die kritikresistente „My-country-right-or-wrong“-Maxime reaktiviert. John Wheelwright, mittlerweile Literaturdozent, bleibt nur noch eine Option: Das kanadische Exil. Doch auch dort gelingt es ihm nicht, sein Land abzuschütteln – das Dilemma, Amerikaner zu sein, wird sich für ihn nie auflösen…

Owen Meany ist ein wunderbarer, witziger, trauriger und tiefgreifender Roman, der gerade in der heutigen Zeit erschreckend aktuell ist.

5. Das Buch, das mir am wichtigsten ist

Das ist mit Abstand Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald. Mit seinem Protagonisten Jay Gatsby ist Fitzgerald eine einzigartige Romanfigur gelungen, die auf den ersten Blick die Verkörperung des American Dream zu sein scheint. Jung, gut aussehend und erfolgreich hat sich Gatsby, der Junge aus ärmlichen Verhältnissen mit zweifelhafter Herkunft, einfach neu erfunden. Aber trotz seines unermesslichen Reichtums ist die innere Leere geblieben wie auch die Hoffnung auf Liebe, die er mit Daisy zu finden glaubt. Doch die Frau seiner Träume ist oberflächlich und wählt ihre Männer nach Reichtum und gesellschaftlichem Standing aus. Ein trauriges Fazit, dass er bis zum Ende nicht ziehen will, sondern sich lieber an die Traumvorstellung klammert, die er von Daisy hat. Dies markiert für Gatsby den Anfang vom Ende, denn wie der einst auf bodenständigen moralischen Fundamenten basierende amerikanische Traum, der von Geld und Macht korrumpiert wurde, so scheitert auch Gatsby letztlich an seiner verklärten Sicht eines Traums von Liebe, den die Wirklichkeit längst eingeholt hat.

Fitzgeralds einzigartiger Sinn für Sprache, sein außergewöhnlicher Erzählstil und seine unvergleichlichen Protagonisten zeichnen ihn als exzellenten, kritischen Chronisten des Jazz Age aus. Kein anderer fing den Zeitgeist der wilden 20er Jahre, die Blütezeit des künstlerischen Schaffens, die von wirtschaftlichem Wohlstand geprägt war, so gekonnt ein wie Fitzgerald. Niemand ging mit der moralischen Dekadenz, dem damit einhergehenden Werteverfall und der zunehmenden Sinnleere härter ins Gericht als dieser beeindruckende Autor, der die pervertierte Interpretation des amerikanischen Traums von Luxus und Überfluss der Schönen und Reichen dieser Zeit schonungslos offenlegte. Was seine Werke zeitlos macht, ist seine Sicht der menschlichen Natur, für die Erfolg und Geld zu den wichtigsten Maximen geworden sind, die die Sinnleere der Schnelllebigkeit füllen sollen. Dies hat sich – damals wie heute – als Trugschluss erwiesen.

6. Das Buch, vor dem ich riesigen Respekt habe

Hamlet von William Shakespeare, denn meines Erachtens ist es das vielschichtigste der gesamten Shakespeare-Dramen. Wir haben es in der Schule und an der Uni gelesen, und jedes Mal nach Lektüre habe ich einen neuen Aspekt entdeckt, den ich vorher nicht wahrgenommen hatte. So geht es mir heute noch: Wenn ich z. B. eine weitere Verfilmung des Klassikers sehe, lese ich das Drama erneut und finde mit Sicherheit wieder eine neue Facette.

Die Tragödie um den Dänenprinz Hamlet, der den Mord an seinem Vater um jeden Preis rächen will, dabei über Leichen geht und sogar die Liebe seines Lebens zerstört, ist für mich neben Macbeth das Meisterwerk des englischen Barden. Hamlets ambige Beziehung zu seiner geliebt-gehassten Mutter, seine Verachtung gegenüber seinem Stiefvater und seine große Liebe zu Ophelia, die er seiner Rache opfert, sind nur einige Themensäulen dieses komplexen Dramas. Unter der Oberfläche gewährt uns Shakespeare aufschlussreiche Einblicke in das existentielle Dilemma eines Menschen, der an einem Wendepunkt seines Lebens angekommen ist und sich selbst verliert. Eine Tragödie derart tiefgreifend zu konzipieren, ist schon eine immense literarische Leistung Shakespeares, der ich allergrößten Respekt entgegenbringe. Hinzu kommt, dass seine Werke auch nach über 400 Jahren nichts von ihrer Aktualität verloren haben, denn seine Einschätzung der menschlichen Natur hat nach wie vor Bestand.

7. Das Buch, das meiner Meinung nach am meisten überschätzt wird

Das ist zweifellos Fifty Shades of Grey von E. L. James. Der Erfolg dieses völlig unspektakulären Romans ist mir absolut unverständlich. Die Protagonisten sind personifizierte Klischees, und die Geschichte ist alles andere als aufregend. Es ist mir daher völlig unerklärlich, warum man um diesen Roman einen solchen Hype veranstaltet hat. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, hat man ihn auch noch zum erotischen Roman stilisiert. Nur gut, dass Anaïs Nin und Henry Miller das nicht mehr mit erleben müssen.

8. Das Buch, das ich unbedingt noch lesen will

Death of the Black-Haired Girl, der letzte Roman des einzigartigen amerikanischen Schriftstellers Robert Stone, der leider 2013 verstorben ist. Ich habe alle seine Romane und Kurzgeschichten gelesen, sie begleiteten mich durch mein Studium. Sie haben mich schockiert, aufgerüttelt, entsetzt und mich aus der typisch amerikanischen „Alles-wird-gut“ Komfortzone herausgerissen. Stones Sicht der Conditio Humana ist nur schwer verdaulich, aber niemals ohne Hoffnung. Gerade deshalb ist die Lektüre seiner Romane wie Children of Light (Kinder des Lichts) Dog Soldiers (Unter Teufeln), Outerbridge Reach, A Flag for Sunrise, Damascus Gate (Das Jerusalem-Syndrom) u.v.m. für mich eine absolute Notwendigkeit.

Stone ist kein penetranter Mahner, sondern eher ein stiller Beobachter und leiser Erzähler, der uns den Verlust der Menschlichkeit und den kontinuierlichen Werteverfall in unserer Gesellschaft schonungslos darlegt. Manchmal ist es mehr, als wir ertragen können – und doch lesen wir weiter. Vielleicht weil wir auf den kleinen Hoffnungsschimmer warten, nach dem selbst die dunkelste Seele seiner Protagonisten unablässig sucht.

9. Das Buch, das mir am meisten Angst macht

Eigentlich machen mir Bücher keine Angst. Bei Meerjungfrau von Camilla Läckberg ist das allerdings anders. Ich hatte das Buch vor einigen Jahren zum Geburtstag geschenkt bekommen und vorher noch nie einen Roman der schwedischen Schriftstellerin gelesen. Es ist ein hochspannender Thriller bis zur letzten Seite – das allein kann mich nicht erschüttern, denn ich bin psychothrillererprobt. Allerdings hat es Läckbergs Erzählstil der zwei Handlungsstränge in sich: Im ersten entfaltet sich die aktuelle Handlung, der zweite (in kursiver Schrift) erzählt die Geschichte und den Hintergrund des Mörders und lässt den Leser in seine komplexe Psyche eintauchen.

Und genau dieser zweite Handlungsstrang hat mir wirklich Angst gemacht. Das Schicksal der Meerjungfrau und ihrer Familie ist sehr verstörend – ich konnte teilweise gar nicht fassen, was ich da lese. Die Monstruösität und Kaltblütigkeit der Menschen, die Läckberg hier in ihrer ganzen Dimension darlegt, sind wahrhaft furchterregend. Das ist das erste Buch, nach dessen Lektüre ich nicht schlafen konnte. Es hat mich allerdings nicht davon abgehalten, nach und nach alle anderen Romane von Camilla Läckberg zu lesen und ich muss sagen, dass sie mich in ihrer ganzen Diversität sehr beeindruckt haben. Für mich zählt Läckberg mittlerweile zu den besten zeitgenössischen Psychothriller-Autorinnen.

10. Das Buch, das ich gern selbst geschrieben hätte

Es gibt viele Romane, die ich gerne geschrieben hätte. Entschieden habe ich mich für Die weite Sargassosee von Jean Rhys. Dieser Klassiker hat meine Sicht auf einen meiner Lieblingsromane des Viktorianismus – Jane Eyre von Charlotte Brontë (siehe Frage 3) – grundlegend verändert, denn bis dato zählte der düstere Protagonist mit der romantischen Seele, Edward Rochester, in den Jane Eyre sich hoffnungslos verliebt, zu meinem favorisierten Byron’schen Helden. Dass er seine wahnsinnige Frau Bertha auf dem Dachboden seines Herrenhauses Thornfield Hall vor aller Welt versteckt hält, um sie vor sich selbst zu beschützen, erscheint nur verständlich, denn Bertha wird von Brontë als völlig außer Kontrolle geratene, gewalttätige Frau beschrieben, die Rochester das Leben zur Hölle macht.

In Die weite Sargassosee gibt Jean Rhys Rochesters wahnsinniger Frau eine Stimme und erzählt ihre tragische Lebensgeschichte, die sowohl Bertha als auch Rochester in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt. Als ich den Roman das erste Mal las, war ich von Jean Rhys‘ literarischer Ausdruckskraft sehr angetan: Sie ist eine geniale Erzählerin, die diese Vorgeschichte von Jane Eyre so brillant konzipierte, dass man als Leser das Gefühl hat, die beiden Romane seien parallel zueinander entstanden, obwohl dies nicht der Fall ist (Jane Eyre wurde 1847 veröffentlicht, Wide Sargasso Sea 1966).

Warum ich diesen Roman gerne geschrieben hätte? Allein die Idee, eine Vorgeschichte zu Jane Eyre zu schreiben, finde ich schon außergewöhnlich. Wie Rhys dies dann letztendlich literarisch umgesetzt hat, ist beispielhaft und äußerst beneidenswert. Sie hat nicht nur ein großartiges Psychogramm einer freiheitsliebenden, unangepassten und sinnlichen Frau des 19. Jahrhunderts erstellt, sondern ebenso ein gelungenes Seelenporträt Rochesters skizziert, das ungewöhnliche Einblicke in die männliche Gedankenwelt der damaligen Zeit eröffnet und dieser tragischen Figur eine ganz andere Dimension gibt. Das muss dieser großartigen Autorin erst mal jemand nachmachen.

***

Vielleicht habt ihr ja auch noch Lust, bei dieser Aktion mitzumachen? Traut euch und nennt die Bücher, die euch beeinflusst, beeindruckt und im Leben begleitet haben.


Bildnachweis: Shutterstock – © 3Dstock