Besinnliches zum Advent

Weihnachten

Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
Mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit,
Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle
Schöne Blumen der Vergangenheit.

Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,
Und das alte Lied von Gott und Christ
Bebt durch Seelen und verkündet leise,
Dass die kleinste Welt die größte ist.

Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

 


Quelle: Maack, Ute (Hrsg.). Weihnachten mit Joachim Ringelnatz. Berlin: Insel Verlag, 2015.
Foto: www.pixabay.com, © jill111

Besinnliches zum Advent

Lied im Advent

Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz, den wir gewunden,
dass er leuchte uns so sehr
durch die dunklen Stunden.

Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz, welch ein Schimmer!
Und so leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.

Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiß um den Segen!

Hermann Claudius (1878-1980)

 


Quelle: Claudius, Hermann. Ihr habt mein Lied gesungen: Gedichte aus dem Nachlass. Hamburg: Agentur des Rauhen Hauses, 1998.
Foto: www.pixabay.com, © ralfor

Mein herzlicher Dank gilt der Rechteinhaberin, die mir freundlicherweise die Genehmigung zur Veröffentlichung des o.g. Gedichtes erteilt hat.

Eine sehr informative und äußerst ansprechende Seite über die Werke von Hermann Claudius findet ihr unter www.hermann-claudius.de.

Besinnliches zum Advent

Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird.

Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
Streckt sie die Zweige hin  – bereit,
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)

 


Quelle: www.rilke.de
Foto: www.pixabay.com, © cocoparisienne

Mein Highlight der Frankfurter Buchmesse

Im August erhielt ich von einem meiner Lieblingsverlage, dem Atlantik Verlag in Hamburg, das kleine, aber feine Tochterunternehmen von Hoffmann und Campe, eine ganz besondere Einladung, die mir als frankophile Leserin glatt die Sprache verschlug:  Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse, dessen diesjähriger Ehrengast Frankreich war, hat man für ausgewählte Bloggerinnen und Blogger ein gemeinsames Frühstück mit den französischen Bestsellerautoren Lorraine Fouchet, Antoine Laurain und Grégoire Delacourt organisiert. Diese einmalige Gelegenheit, die drei außergewöhnlichen Literaten persönlich kennenzulernen, konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, und so habe ich mit großer Freude zugesagt – und es hat sich mehr als gelohnt!!!

Da ich mir fest vorgenommen hatte, mir in diesem Jahr auf der Messe mal nicht die Füße platt zu laufen, sondern mir vor allem das Angebot der kleinen Verlage anzuschauen, kam ich relativ früh am Stand des Atlantik Verlags an und war sofort sehr angetan: Nicht nur von der brillanten Buchauswahl, sondern auch von den sehr ansprechend designten Covern, die ein wahres Fest fürs Auge sind. Meine Romanfavoriten, die ich auf jeden Fall lesen möchte, sind Thomas Montassers Roman Monsieur Jean und sein Gespür für Glück, Der Meisterkoch von Saygin Ersin, Der Fluch des Hauses Foskett, ein weiterer Fall für den glasäugigen viktorianischen Detektiv Sidney Grice, den Autor M.R.C. Kasasian so wunderbar grantig konzipiert hat, und natürlich – passend zu Weihnachten – Agatha Christies Das Geheimnis des Weihnachtspuddings.

So langsam füllte sich der Stand, und ich konnte gerade noch rechtzeitig einen Platz vor den schönen Bücherwänden ergattern. Neben mir saßen u.a. Julia Schmitz (Fräulein Julia), freie Journalistin und Bloggerin, Katja Baltruschat vom Blog literaturELLe.de und Kerstin Wiegard (www.literaturchaos.jimdo.com). Es ist wirklich schön, sich mal persönlich kennenzulernen und sich übers Bloggen u.v.m. auszutauschen. Viele Blogger-Kolleginnen sind von weit her angereist, um dabei zu sein und waren terminlich durchgetaktet. Da ich noch nicht so lange blogge, konnte ich von den dreien viele nützliche Infos erhalten. Und wie wir so angeregt plauderten, standen plötzlich Antoine Laurain und Lorraine Fouchet (Grégoire Delacourt war leider erkrankt) in unserer Mitte. Wow – das war schon ein ganz besonderer Moment, und plötzlich wurde es ganz still. Doch nicht lange, denn Laurain und Fouchet gesellten sich ganz entspannt zu uns, so dass anregende Gespräche ganz wie von selbst in Gang kamen.

Laurain stand zunächst im Vordergrund, umringt von seinen weiblichen Fans. Bestens gelaunt signierte er seinen neuesten Roman Die Melodie meines Lebens, den ich euch demnächst auf meinem Blog vorstellen werde. Ihr dürft gespannt sein, denn diese Geschichte ist wirklich etwas ganz Besonderes und unterscheidet sich deutlich von seinen vorherigen Werken, obwohl es zunächst laut Klappentext so scheint, als würde Laurain seinem literarischen roten Faden – ein Objekt verändert das Leben eines Menschen auf wundersame Weise – treu bleiben.

Mit unendlicher Geduld erfüllte Laurain die zahlreichen Fotowünsche und plauderte mit den anwesenden Gästen charmant auf Englisch und Französisch. Nachdem er auch mein Exemplar signiert hatte, wollte ich von ihm wissen, woher er die Ideen zu seinen Romanen nimmt. Er verriet mir, dass es hier kein festes Schema für ihn gibt. Die Idee zu seinem Roman Der Hut des Präsidenten kam ihm beispielsweise, als er seinen Hut und Schal in einem Restaurant vergaß und beides nicht mehr zurückerhielt. Was seine fiktiven Charaktere angeht, die er so gelungen porträtiert, ist dem Autor vor allem wichtig, dass sie Sympathie erwecken, was ihm meines Erachtens auch sehr gut gelingt. Abschließend teilte mir Laurain zudem mit, dass sein neuestes Buch noch in diesem Jahr in Frankreich erscheint. Nach Lektüre von Die Melodie meines Lebens müssen sich die deutschen Leser leider noch ein Jahr gedulden, bis sein brandneuer Roman auch bei uns publiziert wird.

Danach gesellte ich mich zu dem Interessentenkreis um Lorraine Fouchet, die wirklich außergewöhnlich natürlich und sympathisch ist. Sie signierte mir ihr wunderbares Buch Ein geschenkter Anfang auf sehr außergewöhnliche Weise, indem sie ein kleines Boot hineinmalte und schrieb:  Das ist das Boot des Lebens. Spring auf! Ich wollte von ihr wissen, wie sie ihre Charaktere, insbesondere jene in diesem Buch, kreiert hat. Sie verriet mir, dass viele der lokalen Personen wie Metzger, Bäcker etc. real existent seien, während sie die Protagonisten Lou, Jo und die weiteren Figuren frei erfunden habe. Ich war sehr überrascht zu hören, dass auch sie einen literarischen roten Faden verwendet: In jedem ihrer Bücher attribuiert sie einer Figur Eigenschaften ihres Vaters, und diese Figur muss nicht unbedingt alt sein. Dies fand ich sehr berührend. Ich war auch erstaunt zu erfahren, dass Fouchets Roman Ein geschenkter Anfang, mit der ihr hier in Deutschland der schriftstellerische Durchbruch gelang, bereits ihr 16. Buch ist. Da ich ihre Art zu schreiben sehr mag, werde ich jetzt peu à peu auch ihre anderen Bücher lesen und bin schon sehr gespannt, was mich erwartet.

Alles in allem war das Treffen mit Antoine Laurain und Lorraine Fouchet wirklich einzigartig. Es hat interessante Einblicke in die Welt der Schriftsteller gewährt und darüber hinaus auch kleine persönliche Einsichten der Autoren übermittelt. Wie im Flug verging die für ca. eine Stunde angesetzte, sehr gelungene Veranstaltung. An dieser Stelle nochmals ein ganz herzliches Dankeschön an Julia vom Atlantik-Verlag, die nicht nur alles bestens organisiert, sondern sich auch hervorragend um uns gekümmert und uns als i-Tüpfelchen mit leckeren Croissants und Orangensaft versorgt hat. Merci beaucoup et à la prochaine!!!


Bildnachweise

Foto Croissant/Frühstück:
https://pixabay.com – Urheber: fcja99

Grafik Eiffelturm mit französischer Flagge:
www.shutterstock.com – Urheber: Tribalium

Alle anderen Fotos: © amillionpages.de