Serientipp: Profiling Paris (Profilage)

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Heute möchte ich euch eine ganz besondere französische Krimireihe vorstellen: Profiling Paris (Profilage). Mittlerweile sind fünf Staffeln auf Sat1 gelaufen – die sechste hat gerade begonnen – und noch immer hat die von Gwendale Schmitz produzierte Serie klug konzipierte und außergewöhnlich spannende Fälle zu bieten. Dies ist meines Erachtens gerade in diesem kurzlebigen Genre eine absolute Seltenheit. Profiling Paris wird seit 2009 in Frankreich von TF1 ausgestrahlt und war dort ein absoluter Überraschungserfolg. In relativ kurzer Zeit erreichte der Quotenhit ein internationales Standing mit einer weltweit stetig wachsenden Fangemeinde. Seit 2015 ist die Serie auch in Deutschland etabliert, wo sie von den Zuschauern ebenfalls sehr gut angenommen wird. Seinen ungebrochenen Erfolg verdankt dieses Serien-Highlight in erster Linie den exzellenten Charakterdarstellern, allen voran Odile Vuillemin und Philippe Bas, die jeder Folge ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken. In den jeweils aktuellen Fall sind immer auch die privaten Lebensgeschichten und persönlichen Schicksale der Protagonisten eingebunden, was den ganz besonderen Reiz dieser Serie ausmacht. Alle diese Facetten fließen zusammen und machen Profiling Paris zu einer der besten Krimireihen der letzten Jahre.

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Chloé Saint-Laurent (Odile Vuillemin) und Matthieu Pérac (Guillaume Cramoison)

Die Profilerin, Kriminologin und Psychologin Chloé Saint-Laurent (Odile Vuillemin) wird als Beraterin des Teams der von Hauptkommissar Matthieu Pérac (Guillaume Cramoisan) geleiteten Mordkommission engagiert. Dieser ist nicht gerade erfreut, denn er hält nichts von Profilern und schon gar nichts von Psychologen. Hinzu kommt, dass Chloé mit ihren leuchtend roten Haaren, ihrer großen gelben Handtasche und den High Heels, auf denen sie nicht wirklich laufen kann, eine äußerst gewöhnungsbedürftige Persönlichkeit ist, die mit ihrer Art die normale Polizeiarbeit des Öfteren torpediert. So wird Chloé denn auch von Péracs Team mit gemischten Gefühlen aufgenommen: Während sie dem Computerexperten Hippolyte „Hippo“ de Courtène (Raphaël Ferret) sofort sympathisch ist, steht Kommissarin Frédérique „Fred“ Kancel (Vanessa Valence) ihr anfänglich sehr skeptisch gegenüber. Einzig Chloés Chef und Leiter des Teams, Grégoire Lamarck (Jean-Michel Martial), ist ihr sehr wohlgesonnen. Er war es auch, der sich nach einem schrecklichen Erlebnis ihrer annahm und ihr den Job verschaffte, obwohl ihm bewusst war, dass es nicht einfach sein würde, sie einzugliedern.

Aber schon bald wird sie für das Team unentbehrlich, denn dank ihrer einzigartigen Gabe, sich in Täter und Opfer gleichermaßen hineinzuversetzen, löst sie so manchen undurchschaubaren Fall – wenn auch auf ihre ganz eigene chaotische Weise. Trotz allem traut Pérac seiner Profilerin jedoch nicht so recht über den Weg, da sie gemäß seinen Recherchen kein Vorleben zu haben scheint, bis er schließlich ihr schreckliches Geheimnis entdeckt, das ihr konfuses Verhalten erklärlich macht. Ganz langsam fasst auch Chloé Vertrauen zu Pérac und offenbart ihm das dunkelste Kapitel ihres Lebens, mit dem sie nicht abschließen kann. Es entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden, die mit seinem dramatischen Tod ein jähes Ende findet.

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„Fred“ Kancel (Vanessa Valence), „Hippo“ Courtène (Raphaël Ferret)
und Thomas Rocher (Philippe Bas)

Chloé ist am Boden zerstört und zerbricht fast daran. Sie zieht sich völlig zurück und versucht, in einem abgeschiedenen Haus auf dem Land die Geschehnisse zu verarbeiten. Doch viel Zeit bleibt ihr nicht, denn der neue Kommissar, Thomas Rocher (Philippe Bas), benötigt dringend ihre Hilfe, um einen äußerst brutalen Serienmörder zu fassen. Von Lamarcks Bitte, Chloé noch etwas Zeit zu geben, hält Rocher nicht viel: Er spürt sie in ihrem Versteck auf und bittet sie ohne Umschweife um ihre Unterstützung. Obwohl sich Chloé so gar nicht mit Rochers autoritärer Art anfreunden kann – er ist schroff, direkt und kurz angebunden -, sieht sie sich den Fall an und ermittelt auf eigene Faust. Und so gerät sie – ohne es zu wollen – ganz langsam wieder in ihren Profiler-Alltag und kehrt zur Mordkommission zurück – sehr zur Freude ihrer Kollegen Hippo und Fred, die sie mittlerweile ins Herz geschlossen haben. Mit Rocher tut sie sich allerdings immer noch schwer, denn er hat nicht viel übrig für Chloés oftmals bizarre Herangehensweise und schon gar nicht für ihre Alleingänge, mit denen sie sich immer wieder in Gefahr bringt. Aber auch er erkennt schnell, wie wertvoll ihre profunden Menschenkenntnisse für ihn und das Team sind, denn zumeist ist es Chloé, die den entscheidenden Hinweis zur Aufklärung eines Falles liefert.

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Chloé Saint-Laurent (Odile Vuillemin) und Thomas Rocher (Philippe Bas)

So sehr sich Chloé auch freut, wieder ein Teil des Teams zu sein, fehlt ihr Pérac immer noch – insbesondere vermisst sie seine freundliche und mitfühlende Art, mit der er sie in traurigen Momenten immer wieder aufbaute. Rocher hingegen ist unnahbar, verschlossen und scheint nur auf beruflicher Ebene zu existieren. Doch als sie herausfindet, dass Rocher seine Frau durch einen Autounfall mit Fahrerflucht verlor und er als alleinerziehender Vater mit seinem kleinen Sohn Lucas ziemlich überfordert ist, sieht sie ihn in einem anderen Licht. Von Lamarck erfährt sie, dass Rocher entlassen wurde, weil er sich nach diesem traumatischen Verlust nicht mehr unter Kontrolle und seinen ehemaligen Chef geschlagen hatte. Doch Lamarck macht deutlich, dass er Rocher nicht verurteilt und ihm entgegen aller Widerstände den Job von Pérac übertragen hat, da er ihn nach wie vor für einen auszeichneten Hauptkommissar hält.

Nach und nach entwickelt sich zwischen Chloé und Thomas ein ganz besonderes Verhältnis, denn beide haben inzwischen gelernt, dem anderen zu vertrauen und sich zu öffnen. Als Thomas jedoch im Zusammenhang mit einem laufenden Fall durch Zufall auf den Mann stößt, der seine Frau überfuhr und allein auf der Straße sterben ließ, will er dies, wie so oft, mit sich alleine ausmachen. Doch dann dreht er völlig durch und hat nur noch ein Ziel: Rache. Aber er hat nicht mit Chloés Intuition und Hartnäckigkeit gerechnet, die alles daran setzt, um ihn vor dem schlimmsten Fehler seines Lebens zu bewahren…

© polyband Medien GmbH – Chloé Saint-Laurent (Odile Vuillemin)

Das ist nur ein Bruchteil der privaten Parallelhandlungen, die neben den zu klärenden Mordfällen die Serie wie einen roten Faden durchziehen. In jeder Folge werden weitere Facetten der vielschichtigen Charaktere offengelegt, so dass die Zuschauer im Laufe der bisherigen sechs Staffeln an der Weiterentwicklung der Protagonisten teilhaben, die glaubwürdig und in sich stimmig ist. Der große anhaltende Erfolg von Profiling Paris ist in erster Linie den exzellenten Hauptdarstellern geschuldet: Odile Vuillemin zeigt eine schauspielerische Glanzleistung als Chloé Saint-Laurent, die sie mit all ihren Höhen und Tiefen brillant porträtiert. Sie zeichnet diesen gleichzeitig fragilen und doch starken Charakter mit einer ungewöhnlichen Passion und gewährt uns oftmals verstörende Einblicke in das Seelenleben der eigenartigen Ermittlerin, die ein untrügliches Gespür für die Abgründe der menschlichen Natur hat. Dabei ist sie manchmal nervtötend und unfreiwillig komisch – doch Odile Vuillemin zieht ihre Figur niemals ins Lächerliche. Sie überzeichnet sie nicht und gibt ihr damit eine Realitätsnähe, die nicht selten beängstigt.

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© polyband Medien GmbH – Thomas Rocher (Philippe Bas)

Philippe Bas ist ebenso eindrucksvoll als Thomas Rocher, den er als zerrissenen Charakter sehr berührend und ohne die genreüblichen Klischees porträtiert. Er lässt eine Seite seines introvertierten Protagonisten stets im Dunklen, so dass man sich seiner nie wirklich sicher sein kann. Rochers fast krankhafter Ehrgeiz beim Boxen, seine Aggressionen, die genauso so schnell aufflackern wie sie verschwinden und seine immer wiederkehrenden Stimmungsschwankungen stehen im krassen Gegensatz zu seiner Fürsorglichkeit gegenüber seinem Sohn Lucas und seiner ständigen Sorge um Chloé, die er um jeden Preis beschützen möchte. So wie Chloé peu à peu neue Facetten an ihm zu entdecken glaubt, tun es die Zuschauer ihr gleich – nur um dann am Ende festzustellen, dass man ihn nur marginal einschätzen kann. Mit diesem Charakterspiel macht Bas Rocher zu einer komplexen, schwer greifbaren Figur und gibt ihm dadurch mehr Raum, so dass die Weiterentwicklung seines Protagonisten, wie auch die seines weiblichen Pendants Chloé, in jede beliebige Richtung gehen kann.

Hierin liegt meines Erachtens auch die besondere Stärke von Profiling Paris: Die Hauptcharaktere sind im Gegensatz zu anderen Serien keine Stereotypen, sie lassen sich nicht von vorneherein klassifizieren. Es ist nur wenig vorhersehbar, die Handlungsstränge der jeweiligen Fälle und der privaten Hintergründe fließen ineinander, Hochdramatisches und Alltägliches wechseln sich ab und lassen keine Stagnation oder ermüdende Routine aufkommen. Die Cliffhanger am Ende jeder Staffel haben es in sich – sie sind nervenzerreissend spannend. Auch Staffel 6, die gerade auf Sat1 läuft, hat wieder einige Überraschungen und neue Entwicklungen zu bieten, so dass es einfach nicht langweilig wird. Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt, wie es weitergeht und freue mich schon auf – hoffentlich – viele weitere Staffeln.


Profiling Paris (Profilage)
Produktionsland: Frankreich
Staffeln 1 – 5 auf DVD und Blue-Ray im Handel erhältlich
Deutscher Vertrieb: polyband Medien GmbH

Mein herzlicher Dank gilt polyband Medien GmbH, München, www.polyband.de, die mir alle Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

Serienhighlight:
Miss Fishers mysteriöse Mordfälle

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Dass mich die Roaring Twenties begeistern, habt ihr sicherlich schon bemerkt, wenn ihr des Öfteren meinen Blog lest. Diese schillernde Ära mit all ihrem Glamour und exzentrischen Persönlichkeiten fasziniert mich, seit ich Fitzgeralds Der große Gatsby gelesen habe. So war ich natürlich auch sehr euphorisch, als ich bei einsfestival durch Zufall auf die außergewöhnliche australische Serie Miss Fishers mysteriöse Mordfälle gestoßen bin, die in den Zwanzigern in Melbourne spielt und auf der Romanreihe Phryne Fisher Mysteries von Kerry Greenwood basiert. Sie zählt zu den teuersten Serien Australiens und war 2012 ein absoluter Überraschungserfolg. Im Laufe der bis dato veröffentlichten drei Staffeln ist Miss Fishers Fangemeinde – auch international – stetig gewachsen, so dass die von Deb Cox und Fiona Eagger produzierte Serie mittlerweile in mehr als 120 Länder verkauft wurde. Dank der hohen Zuschauerzahlen und exzellenten Einschaltquoten hat man eine vierte Staffel in Auftrag gegeben, die bereits abgedreht wurde.

Doch was genau ist das Besondere an dieser Serie? Zum einen sind es sicherlich die brillanten Hauptdarsteller, Essie Davis als Miss Phryne Fisher und Nathan Page als Detective Inspector Jack Robinson, aber auch die bis in die kleinsten Rollen perfekt besetzten Nebenakteure, die diese Krimireihe so sehenswert machen. Zum anderen sind es die ausgesprochene Liebe zum Detail, das perfekte Setting und die prachtvolle Ausstattung, die wunderbaren Kostüme und die herrlich nostalgische Musik, mit denen man die goldenen Zwanziger wieder zum Leben erweckt hat und die dieser Produktion ihren ganz besonderen Charme verleihen. Hinzu kommen noch Spannung, Romantik und Humor, die dem Ganzen das i-Tüpfelchen aufsetzen.

© polyband Medien GmbH – Miss Phryne Fisher (Essie Davis)

Die Protagonistin dieser süchtig machenden Krimiserie ist die äußerst wohlhabende, glamouröse und für ihre Zeit sehr emanzipierte Miss Phryne Fisher (Essie Davis), die nach Mithilfe bei der Aufklärung eines mysteriösen Mordfalls als erster selbsternannter weiblicher Private Detective tätig wird. Die unabhängige Femme Fatale, die entgegen dem damaligen Rollenverständnis ohne Mann durchs Leben geht und dabei selten eine Party oder einen angesagten Jazz-Club auslässt, schert sich wenig um Konventionen oder das Gerede der Leute. Scheinbar furchtlos stürzt sie sich in jedes noch so gefährliche Abenteuer, auch wenn es für Frauen in den 20er Jahren wenig schicklich ist, und löst mit Scharfsinn und Wagemut auch die kniffligsten Fälle. Dies allerdings sehr zum Leidwesen des bodenständigen, introvertierten Detective Inspector John „Jack“ Robinson (Nathan Page), der mit Miss Fishers rasantem Tempo kaum Schritt halten kann, sie aber dennoch oftmals aus bedrohlichen Situationen rettet.

© polyband Medien GmbH – Detective Inspector Jack Robinson (Nathan Page)

Obwohl er sich jede Einmischung in seine Polizeiarbeit verbietet, macht Miss Fisher ihm fast immer einen Strich durch die Rechnung und ist oftmals sogar eher am Tatort als er, was ihn schier wahnsinnig macht. Doch ihm ist schnell klar, dass sie dank ihres Spürsinns und scharfen Verstands bei seinen Ermittlungen sehr hilfreich ist und oftmals Details erkennt bzw. Verbindungen herstellt, die er ohne sie nicht wahrgenommen hätte. Auf der anderen Seite „erdet“ seine ruhige und besonnene Art Miss Fisher, die im Eifer des Gefechts schon mal über das Ziel hinausschießt. Darüber hinaus ist der geschiedene Jack für die damalige Zeit ein fast emanzipierter Mann, für den eine Frau nicht unbedingt in die Küche gehört. Jack und Phryne raufen sich immer wieder zusammen und müssen feststellen, dass sie ein gutes Team sind, auch wenn sie unterschiedlichen sozialen Klassen angehören und in ihren Lebensauffassungen grundverschieden sind.

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Dot (Ashleigh Cummings) und
Hugh (Hugo Johnstone-Burt)

Natürlich braucht jeder weiblicher Private Detective auch ein gut funktionierendes Team. Und was läge da für Miss Fisher näher, als ihre Bediensteten, die für sie wie eine Familie sind, einzuspannen? Zum einen wäre da das schüchterne katholische Hausmädchen Dorothy „Dot“ Williams (Ashleigh Cummings), die dank Miss Fisher aufblüht und gerade bei riskanten Nachforschungen zu ihrer eigenen Überraschung über sich hinaus wächst. Dot ist in Constable Hugh Collins (Hugo Johnstone-Burt), den stets überforderten Assistenten des Inspectors, verliebt, den sie oftmals geschickt nach dem Stand von Ermittlungen ausfragt, wenn Jack mal wieder genug von Miss Fishers Alleingängen hat und zu keiner Auskunft bereit ist.

Zum anderen ist auch Mr. Butler (Richard Bligh), der, wie passend, den Namen seines Berufs trägt, stets in Miss Fishers Vorhaben eingeweiht und unterstützend tätig. Dies gilt ebenso für Bert (Travis McMahon) und Cec (Anthony Sharpe), die für Miss Fisher auch schon mal „das Grobe“ erledigen. Zu guter Letzt sei noch die Pathologin Dr. Elizabeth „Mac“ Macmillan (Tammy MacIntosh), die Herrenkleidung bevorzugt, zu erwähnen, eine enge Freundin von Miss Fisher, auf die sie immer zählen kann und die ihr auch schon mal Einblicke in einen Obduktionsbericht gewährt – ganz inoffiziell natürlich.

© polyband Medien GmbH – Miss Phryne Fisher (Essie Davis)

Die Serie lebt vom fantastischen Zusammenspiel aller Charaktere: Hier stimmt einfach die Chemie. Die wunderbar coole Essie Davis, die für die Rolle der Miss Fisher einfach prädestiniert zu sein scheint, wird von ihrem männlichen Pendant, Nathan Page als Jack Robinson, perfekt ergänzt. Die beiden Hauptakteure porträtieren ihre Figuren jenseits von Stereotypen und geben ihnen so die notwendige Tiefe, die sie glaubwürdig macht. Die romantische Annäherung von Phryne und Jack übermitteln sie mit sehr viel Gefühl, aber ohne Pathos, und mit altmodisch-sentimentalen Szenen, die im Gedächtnis bleiben, z. B. wenn sie gemeinsam am Klavier sitzen und den Cole Porter Klassiker Let’s Misbehave singen.

In jeder Folge erfahren die Zuschauer ein wenig mehr über Miss Fisher, deren tragische Vergangenheit sie unter all dem Glamour nur zu gern begraben möchte. Doch sie wird von einem weit zurückliegenden dramatischen Ereignis immer wieder eingeholt, bis sie sich schließlich Jack anvertraut – doch da ist es schon fast zu spät…

Auch Paar Nr. 2 – Dot und Hugh – harmoniert perfekt mit der „Erstbesetzung“ Fisher/Robinson. Ashleigh Cummings brilliert als kluges, zurückhaltendes Hausmädchen Dot, die sich unter dem positiven Einfluss von Miss Fisher mehr und mehr emanzipiert. Hugo Johnstone-Burt spielt den unerfahrenen, naiven, oftmals halsbrecherisch-tolpatschigen Assistenten des Inspectors mit Charme und Witz, ohne ihn dabei zu überzeichnen.

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Miss Phryne Fisher (Essie Davis) und Jack Robinson (Nathan Page)
Dot (Ashleigh Cummings) und Hugh (Hugo Johnstone-Burt)

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle hat mich von Anfang an begeistert. Ich habe mittlerweile Staffel 1 und Staffel 2 gesehen und kann es gar nicht erwarten, bis endlich auch Staffel 3 erscheint – im September ist es endlich soweit). Schaut doch mal rein und macht euch selbst ein Bild. Es lohnt sich!!!


Miss Fishers mysteriöse Mordfälle (Miss Fisher’s Murder Mysteries)
Produktionsland: Australien
Start: 2012
Deutscher Vertrieb: polyband Medien GmbH

Mein herzlicher Dank gilt der polyband Medien GmbH, München (www.polyband.de), die mir alle o.g. Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

Blogparade: Gegen den Strom

Nach längerer Zeit bin ich dank Bee mal wieder auf eine ganz besondere Blogparade gestoßen, die von der singenden Lehrerin initiiert wurde. Unter dem Motto Gegen den Strom sollen die Teilnehmer zehn ihrer Lieblingsfilme auflisten, die in ihren Augen entweder unbekannt oder unbeliebt sind. Meine Auswahl der Top Ten beinhaltet ausschließlich Filme, von denen ich denke, dass sie außergewöhnlich gut, aber leider nicht so bekannt sind, wie sie sein sollten. Hier nun meine zehn Favoriten, die meines Erachtens unbedingt sehenswert sind:

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1. Wreckers 

Dieser Film mit Sherlock-Darsteller Benedict Cumberbatch, Claire Foy und Shaun Evans in den Hauptrollen ist ein leises, aber emotional gewaltiges Meisterstück. Wreckers erzählt die Geschichte des Lehrerehepaares David (Benedict Cumberbatch) und Dawn (Claire Foy), die in ein Cottage auf dem Land ziehen, um der Stadthektik zu entfliehen und eine Familie zu gründen. Dass es mit dem Baby zunächst nicht klappt, tut ihrer harmonischen, von Nähe und Wärme geprägten Beziehung keinen Abbruch. Die friedvolle Idylle ändert sich jedoch schlagartig, als Davids Bruder Nick (Shaun Evans), der von der Army geflüchtet ist, dort auftaucht und eine Bleibe sucht. Alte Konflikte und Aggressionen der Brüder, die noch aus der Kindheit rühren, brechen auf, und Dawn entdeckt unbekannte, dunkle Seiten an David, die er bis dato gut verbergen konnte. Schließlich hat sie sogar das Gefühl, den Mann, den sie heiratete, überhaupt nicht zu kennen. Hinzu kommt, dass sich Dawn mehr und mehr zu Nick hingezogen fühlt, was die explosive Stimmung noch verstärkt. Bald weiß sie nicht mehr, wem sie vertrauen soll, sie ahnt nur, dass die Brüder ein düsteres Geheimnis verbindet, das David auf keinen Fall preisgeben will…

Was Wreckers für mich so besonders macht, ist neben der aufwühlenden Geschichte die schauspielerische Leistung der Hauptakteure, allen voran Benedict Cumberbatch. Er verleiht seinem Protagonisten David eine derart zwiespältige Persönlichkeit, dass es dem Zuschauer unmöglich ist, ihn einzuschätzen. Man ahnt zwar, dass es hinter seiner netten Fassade brodelt, aber wirklich sicher ist man sich nie. Auch als er aufgrund der permanenten Anschuldigungen seines Bruders, die er immer zurückweist, des Öfteren die Beherrschung verliert, weigert man sich zu glauben, dass David ein anderer ist als er vorgibt. Mich hat dieses ambigue Charakterspiel sehr angesprochen – es macht diesen klug konzipierten Film sehr beachtens- und absolut sehenswert.

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2. Portrait of a Lady

Diese Literaturverfilmung des gleichnamigen Romans des englischen Schriftstellers Henry James mit Nicole Kidman, John Malkovich und Martin Donavan in den Hauptrollen hat meiner Meinung nach leider viel zu wenig Aufmerksamkeit erfahren. Die Protagonistin von Portrait of a Lady ist die Amerikanerin Isabel Archer (Nicole Kidman), die Ende des 19. Jahrhunderts mit ihrer Tante durch Europa reist. Mit ihrem kranken Cousin, Ralph Touchett (Martin Donavan), den sie dort erstmalig kennenlernt, verbindet sie sofort eine ganz besondere Freundschaft, denn obwohl sie sehr unterschiedlich sind, scheinen sie seltsam seelenverwandt. Als Isabel nach dem Tod ihres Onkels zur reichen, unabhängigen Erbin wird, genießt sie ihre Freiheit und reist weiter durch Europa. In Florenz begegnet sie dem Amerikaner Gilbert Osmond, der sie vom ersten Moment an fasziniert. Sie willigt schließlich ein, ihn zu heiraten, doch Osmond entpuppt sich als Taugenichts und leidenschaftsloser Ehemann, der in erster Linie ihr Geld liebt. Als sie zu ihrem Cousin Ralph reisen möchte, weil sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechtert hat, kommt es zur Konfrontation mit ihrem Gatten, der dies auf jeden Fall verhindern will. Doch Isabel ist schon längst nicht mehr bereit, Kompromisse einzugehen…

Ich mag den Film sehr, weil er meiner Meinung nach die Atmosphäre des Romans wunderbar einfängt. Er lebt von schönen Bildern und natürlich von seinen Hauptdarstellern. Nicole Kidman ist brillant als freiheitsliebende Isabel Archer, die auf einen Blender hereinfällt und zu spät erkennt, welcher Mensch ihr am meisten bedeutet. John Malkovich ist ebenso exzellent als zynischer und schikanöser Bonvivant Gilbert Osmond, aber das ist er ja in jeder seiner „Schurkenrollen“, die keiner besser beherrscht als er. Mein Prädikat: Sehr wertvoll – unbedingt anschauen.

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3. Was vom Tage übrigblieb 

Und noch eine weitere Literaturverfilmung, die ich sehr gelungen finde: US-Regisseur James Ivory adaptierte den mit dem Booker-Preis ausgezeichneten Roman The Remains of the Day des Schriftstellers Kazuo Ishiguro mit den britischen Superstars Anthony Hopkins und Emma Thompson. In Rückblenden von 1956 auf die Zeit vor dem 2. Weltkrieg erzählt Was vom Tage übrigblieb die Geschichte von James Stevens (Anthony Hopkins), der auf Darlington Hall, dem Landsitz des Politikers Lord Darlington, als Butler arbeitet. Äußerst wort- und gefühlskarg, liegt sein einziger Lebenssinn darin, seinem Arbeitgeber zu dienen und seine Tätigkeit stetig zu perfektionieren. Seine wohlgeordnete Welt gerät aus den Fugen, als die lebhafte und schlagfertige Miss Kenton (Emma Thompson) an seiner Seite eine Stelle als Haushälterin annimmt. Auseinandersetzungen sind an der Tagesordnung, denn Stevens kommt mit Kentons Selbstbewusstsein, ihrer Art, Dinge zu hinterfragen und mit ihrer Fähigkeit, oftmals hinter seine Fassade zu schauen, überhaupt nicht klar. Doch trotz seiner Gefühlsstarre verliebt sich Miss Kenton in Stevens und versucht, zu ihm durchzudringen. Aber Stevens, dem Miss Kenton auch nicht gleichgültig ist, findet schwerlich einen Weg aus seiner reglosen Existenz, und so entschließt sich Miss Kenton letztendlich zu einem für sie sehr schweren Schritt, den sie so nie geplant hatte…

Selten fand ich zwei Hauptdarsteller so brillant besetzt, wie in diesem leisen Film (ihr merkt schon, ich habe ein Faible für „ruhige“ Filme mit großen Emotionen). Anthony Hopkins spielt Stevens mit großer Zurückhaltung, Gefühlsarmut und Unterwürfigkeit. Die wenigen Emotionen, die bei seinem Protagonisten aufblitzen, transferiert er allein durch Blicke und Gesten, was einmal mehr seine einzigartige Schauspielkunst beweist. Emma Thomson als sein quirliges Pendant, Miss Kenton, ist ebenfalls eine Meisterin ihres Fachs. Kentons behutsame Annäherung an einen Mann, der emotional verkümmert ist, spielt sie mit sehr viel Einfühlungsvermögen und einem Gespür für Momentum. Das ist großes Kino!

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4. Pollock

Dieser Film über das Leben und Werk des amerikanischen Malers Jackson Pollock ist für mich die beste Künstlerbiografie, die je gedreht wurde. Der amerikanische Ausnahmeschauspieler Ed Harris spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern führte auch Regie. Herausgekommen ist ein vielschichtiger Film der Extraklasse und eine sehr beachtenswerte Annäherung an einen Exzentriker, der, wie wenige vor ihm, die amerikanische und europäische Kunstwelt maßgeblich beeinflusst hat. Der Film beginnt 1941 auf einer Vernissage, als Jackson Pollock (Ed Harris) die Nachwuchskünstlerin Lee Krasner (Marcia Gay Harden) kennenlernt. Sie ist so fasziniert von Pollock und seinem überragenden künstlerischen Talent, dass sie fortan ihre Karriere hinten anstellt, um ihm zum Durchbruch zu verhelfen. Als die schwerreiche Kunstmäzenin Peggy Guggenheim (Amy Madigan) schließlich seine Werke in ihrer Galerie in Manhattan ausstellt, wird Pollock auf einen Schlag berühmt. Er avanciert zum Superstar unter den Malern des abstrakten Expressionismus der New School, sein Action Painting und die eigens von ihm entwickelte Dripping-Technik machen ihn zu einem der herausragendsten Maler der Moderne. Doch Pollock kann mit dem Erfolg, den er immer angestrebt hatte, nicht umgehen: Seine Alkoholexzesse, seine wachsenden psychischen Probleme sowie seine diversen Affären kosten ihn schließlich seine Beziehung zu Lee. Er verliert völlig die Bodenhaftung und gerät in eine existentielle Abwärtsspirale, aus der es für ihn kein Entrinnen mehr gibt…

Ich habe Ed Harris schon in vielen Rollen gesehen, aber dies ist mit Abstand seine beste. Wie er die Figur des Jackson Pollock in all ihrer künstlerischen Besessenheit und mit all ihren Exzessen derart lebensecht auf die Leinwand bringt, ist schon eine herausragende Leistung. Pollocks Manie macht Harris förmlich spürbar und gewährt so nicht nur einen profunden Einblick in Pollocks künstlerisches Schaffen und in die Kunstwelt im besonderen, sondern auch in die verstörende Gefühlswelt eines Malers, dessen Obsession und Getriebenheit ihn schließlich zerstörten.

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5. Anonymous

Wer des Öfteren meinen Blog liest, weiß, dass ich ein großer Shakespeare-Fan bin. Als dann auch noch Kult-Regisseur Roland Emmerich einen opulenten elisabethanischen Kostümfilm rund um das Thema Shakespeare auf die Leinwand brachte, war ich natürlich sehr gespannt. Doch der Film verursachte zunächst erst einmal einen handfesten Skandal: Viele Fans des großen englischen Barden und vor allem die Bewohner von Shakespeares Geburtsstadt Stratford-upon-Avon waren empört, denn Emmerichs Werk beschäftigt sich neben allen politischen Intrigen, Wirren und Ausschweifungen vor allem mit der Frage, ob der Autor seine Werke selbst verfasst hat. Emmerich verneint dies in Anonymous und stellt sich damit auf die Seite der Anti-Stratforder und Oxforder, die Shakespeares Urheberschaft bezweifeln, da der Dramatiker aufgrund seiner Herkunft und Bildung dazu eigentlich gar nicht in der Lage hätte sein können. Im Film wird Shakespeare vor diesem Hintergrund sehr provokant als fauler Trunkenbold dargestellt, der lediglich als Strohmann für Edward de Vere, 17. Earl of Oxford, den vermuteten wahren Verfasser, dient.

Wenn wir mal die ganze Aufregung um die Urheberschaft beiseite lassen (denn die Wahrheit werden wir sicher nie erfahren), ist der Film ein großartiges Spektakel, das sehr sehenswert ist. Rafe Spall ist als Shakespeare zwar hervorragend, aber gewöhnungsbedürftig, wenn man ein Fan des Dramatikers ist. Noch besser ist allerdings Rhys Ifans als Edward de Vere – er liefert ein äußerst gelungenes Porträt des kontroversen Adligen, der seinerzeit vieler Verbrechen beschuldigt wurde, was ihn schließlich die Gunst von Königin Elisabeth I kostete. Mein Fazit: Unbedingt anschauen, auch wenn man, wie ich, Shakespeares Urheberschaft nicht in Frage stellt.

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6. Coco & Igor

Auch dieser außergewöhnliche Film ist wieder eine Literaturverfilmung. Regisseur Jan Kounen adaptierte Peter Greenhalghs Roman Coco & Igor in wunderbaren Bildern. Er handelt von der stürmischen Affäre der Modeschöpferin Coco Chanel und dem Komponisten Igor Strawinsky im Paris der zwanziger Jahre. Als Coco als junge Modeschöpferin im Jahre 1913 die Premiere des Balletts von Strawinskys Le sacre du printemps miterlebt, ist sie fasziniert von dieser für die damalige Zeit radikalen musikalischen Revolution, für die das Publikum jedoch noch nicht reif ist. Die Uraufführung endet in einem Skandal, der Komponist wird für seine Dissonanzen ausgepfiffen. Nach sieben Jahren lernt Coco Chanel den introvertierten Komponisten erstmals persönlich kennen und fühlt sich sofort sehr von ihm angezogen. Sie lädt den im französischen Exil lebenden mittellosen Strawinsky, seine Frau und Kinder in ihre Villa in Garches ein. Dort beginnt die leidenschaftliche Affäre der beiden exzentrischen Persönlichkeiten, die Coco zu ihrem weltberühmten Parfum Chanel No. 5 inspiriert und Strawinsky neue Kreativität verleiht.

Der Film ist ein absoluter Augenschmaus: Er schwelgt in schönen Bildern und ist nicht nur für Chanel-Fans ein Must See. Mit dem Chanel-Model Anna Mouglalis und dem dänischen Schauspieler Mads Mikkelsen, der schon in James Bond – Casino Royale brillierte, sind die Hauptrollen perfekt besetzt. Besonders Mikkelsen überzeugt als verschlossenes Musikgenie, das so gar nicht in Coco Chanels Glamour-Welt passt.

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7. Camille Claudel

Diese ganz besondere Künstlerbiografie, die Regisseur Bruno Nuytten mit Isabelle Adjani und Gérard Depardieu in den Hauptrollen sehr erfolgreich inszenierte, hat mich sehr beeindruckt. Im Fokus steht eine der wohl berühmtesten Bildhauerinnen aller Zeiten, die Französin Camille Claudel (1864-1943). Ihre Marmorskulptur Vertumnus und Pomona, die im Musée Rodin in Paris steht, zählt übrigens für mich zu den schönsten künstlerischen Werken, die ich je gesehen habe. Das Liebesmelodram handelt von der leidenschaftlichen Affäre zwischen Camille Claudel und dem 24 Jahre älteren Auguste Rodin, der wohl bedeutendste französische Bildhauer, dessen Schülerin sie war. Rodin, dem Claudels schöpferische Kraft und ihr außergewöhnliches Talent sehr imponierte, hatte jedoch nie vor, seine Frau zu verlassen. Die Beziehung der beiden, die Claudel beendete, stürzte die Ausnahmekünstlerin in eine tiefe Krise. Ihre emotionale Instabilität, ihre gefürchteten Wutausbrüche, bei denen sie viele ihre Werke selbst zerstörte, und ihr Verfolgungswahn führten schließlich dazu, dass man sie gegen ihren Willen in eine psychiatrische Anstalt einwies – ein tragisches Ende für eine Künstlerin, die mit ihren Werken in der Kunstwelt große Beachtung fand.

Der Film ist aufwühlend, intensiv und lebt vom furiosen Zusammenspiel der beiden Hauptakteure. Isabelle Adjani, die für ihre ausgezeichnete Darstellung der Camille Claudel den renommierten französischen Filmpreis César erhielt, zeigt die ganze konfuse Gefühlspalette einer vielversprechenden Künstlerin, die sich am Ende selbst zerstörte.

© Sony Pictures Home Entertainment

8. The Invisible Woman

Diesen beachtenswerten, sehr poetischen Film inszenierte der britische Schauspieler und Regisseur Ralph Fiennes nach dem gleichnamigen Roman von Claire Tomalin. Im Fokus der Adaption steht Ellen „Nelly“ Ternan (Felicity Jones), die langjährige heimliche Lebenspartnerin des berühmten englischen Schriftstellers Charles Dickens (Ralph Fiennes). Als Dickens die 27 Jahre jüngere Schauspielerin bei einer ihrer Aufführungen kennenlernt, ist er fasziniert. Kurze Zeit später bietet er ihr eine Rolle in „The Frozen Deep“, ein Stück seines Freundes und Kollegen Wilkie Collins, an. Nelly akzeptiert und fortan sucht Dickens ständig ihre Nähe. Sie bewundert ihn und teilte seine Passion für Literatur und Schriftstellerei – ganz im Gegensatz zu Dickens‘ Frau Catherine, die seiner Profession nichts abgewinnen kann. Ganz langsam nähern sich die beiden an, doch Nelly möchte auf keinen Fall die in ihren Augen entehrende Rolle der Geliebten einnehmen. Als Dickens dann ohne Absprache mit seiner Frau die einvernehmliche Trennung bekanntgibt, ist diese schockiert, aber es bleibt ihr nichts anderes übrig, als seine Entscheidung zu akzeptieren. Und auch Nelly muss einen Entschluss fassen, der ihr weiteres Leben maßgeblich prägen wird…

Diese zweite Regiearbeit von Ralph Fiennes ist erstklassig, sehr bewegend und mit viel Feingefühl für besondere Momentaufnahmen in Szene gesetzt. Der ruhig dahinfließende Film zeichnet sich insbesondere durch das intensive Zusammenspiel der beiden Hauptakteure aus, denen es hervorragend gelingt, das emotionale Dilemma ihrer Charaktere sichtbar zu machen, ohne dabei ins allzu Rührselige zu verfallen. Mein Fazit: Ein wunderschöner, stimmungsvoller Film, den man gesehen haben sollte.

© Kaleidoscope Home Entertainment

9. NOW: In the Wings on a World Stage

Als Richard III 2011 am Londoner Old Vic Theatre Premiere hatte, überschlugen sich die Kritiker mit Lobeshymnen für Hauptdarsteller Kevin Spacey und Regisseur Sam Mendes. Nach American Beauty war dies die zweite erfolggekrönte Zusammenarbeit der beiden Film- und Theatergiganten. Anschließend gingen Spacey, Mendes und The Bridge Project Company, ein transatlantisches Bündnis amerikanischer und britischer Schauspieler, mit diesem Shakespeare Drama auf Welttournee. Hieraus entstand NOW: In the Wings on a World Stage, eine einzigartige Theaterdokumentation, die diese spezielle Theatertruppe über drei Kontinente und über 200 Vorstellungen lang begleitet. Man hat als Titel „NOW“ gewählt, weil es das erste Wort des Dramas ist. Die Dokumentation zeigt die Schauspieler und den Regisseur bei der Vorbereitung bzw. den Rehearsals sowie live auf der Bühne und fängt die Atmosphäre backstage so gekonnt ein, als sei man als Zuschauer hautnah dabei.

Das Besondere an dieser Dokumentation ist für mich, dass sie nicht nur die schönen Momente einfängt, sondern auch die unglamourösen. Sie zeigt auch, wie körperlich fordernd der Job eines Theaterschauspielers ist und welche enorme Konzentration und Disziplin er erfordert. Die Hauptlast liegt hier eindeutig auf Spacey, der jeden Abend sein Bein in ein Stahlkonstrukt zwängt, seinen Buckelsuit über die Schulter schnallt, um dann über 3 Stunden lang Shakespeares deformierten Schurken zu geben – das ist schon eine körperliche Tour de Force. Ich habe Spacey schon zwei Mal auf der Bühne gesehen, und kann nur sagen, dass mich seine überragende Schauspielkunst und seine starke Präsenz immer wieder aufs Neue begeistern. Daher ist für mich auch diese Dokumentation mit einem Blick hinter die Kulissen ein absolutes Must See!!!

© Sony Pictures Home Entertainment

10. Mary Reilly

Und abschließend nochmals eine Literaturverfilmung: Der britische Regisseur Stephen Frears (u.a. Gefährliche Liebschaften) verfilmte Valerie Martins Roman Mary Reilly mit Julia Roberts und John Malkovich in den Hauptrollen, der die Geschichte der schüchternen Mary Reilly (Julia Roberts), die als Dienstmädchen im Haushalt des angesehenen Londoner Arztes Dr. Henry Jekyll (John Malkovich) tätig ist, erzählt. Zwischen dem reservierten, introvertierten Jekyll und der scheuen Mary besteht ein ganz besonderes Band. Mary fühlt sich in Dr. Jekylls Haus sicher und geborgen, bis er den dämonischen Edward Hyde (John Malkovich) als seinen Assistenten einstellt. Sie fürchtet sich vor Hyde, fühlt sich aber auf der anderen Seite magisch von ihm angezogen. Hyde stellt Mary nach, er ist direkt, aufdringlich und unverschämt, und doch sieht Mary etwas in ihm, dass ihr bekannt vorkommt. Mary ahnt, dass etwas Schreckliches vorgeht, aber sie tut alles, um Dr. Jekyll und seinen guten Namen zu schützen. Doch nach einem brutalen Mord geraten die Dinge völlig außer Kontrolle, denn Hyde wird zum Hauptverdächtigen, und somit gerät auch Dr. Jekyll ins Visier der Polizei. Mary weiß nicht mehr, wem sie trauen kann, aber sie hält an ihrer Loyalität zu Dr. Jekyll fest. Doch tief in ihrem Inneren weiß sie, dass es aus diesem Alptraum kein Erwachen gibt…

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie oft ich diesen Film schon gesehen habe, und trotzdem finde ich ihn jedes Mal wieder großartig, denn er ist spannungsgeladen, hochdramatisch und nervenaufreibend. John Malkovich brilliert in seiner Doppelrolle als Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Er spielt bei beiden Charakteren derart gekonnt mit den Gegensätzen Gut – Böse, dass Jekyll manchmal wie ein Langweiler und Hyde wie sein aufregendes Alter Ego wahrgenommen wird. Die größte Überraschung war für mich allerdings Julia Roberts. Ihre von großer Zurückhaltung geprägte Darstellung der Mary Reilly ist wirklich beeindruckend. Blass, ungeschminkt und absolut farblos in ihrem Dienstmädchen-Outfit gibt sie der Figur der Mary Reilly eine berührende Tiefe. Mein Fazit: Ein toller Film – allerdings nichts für Zuschauer mit schwachen Nerven!

*****

Das ist mit Abstand der längste Post, den ich je geschrieben habe, aber beim Thema Filme kann ich mich nur sehr schwer bremsen. Es hat mir großen Spaß gemacht, an dieser Blogparade teilzunehmen, und ich freue mich schon auf viele weitere so ansprechende Initiativen.


Mein herzlicher Dank gilt:

Kaleidoscope Home Entertainment (www.kaleidoscopehomeentertainment.com), die mir das DVD-Cover von NOW: In the Wings on a World Stage zur Verfügung gestellt haben.

Koch Films GmbH, Planegg/München (www.kochmedia.com), die mir die DVD-Cover von Portrait of a Lady und Coco & Igor zur Verfügung gestellt haben.

polyband Medien GmbH/WVG, München (www.polyband,de), die mir das DVD-Cover von Wreckers zur Verfügung gestellt haben.

Sony Pictures Home Entertainment GmbH, München (www.sphe.de), die mir die DVD-Cover von Was vom Tage übrigblieb, PollockAnonymous, The Invisible Woman und Mary Reilly zur Verfügung gestellt haben.

STUDIOCANAL GmbH, Berlin (www.studiocanal.de), die mir das DVD-Cover von Camille Claudel zur Verfügung gestellt haben.

Grandiose Neuverfilmung eines Klassikers:
„Macbeth“ mit Fassbender und Cotillard

© STUDIOCANAL GmbH

Wagnis Shakespeare

Macbeth war das erste Shakespeare-Drama, das ich in der Schule gelesen habe, und ich muss gestehen, dass ich zunächst nicht viel damit anfangen konnte. Ich empfand das elisabethanische Englisch als viel zu schwierig und verschachtelt, um mich mit der Tragödie eingehend zu beschäftigen. Als ich es dann jedoch einige Jahre später in einem Shakespeare-Seminar an der Uni nochmals lesen musste und wir Shakespeare, seine Zeit und auch die Strukturen und Besonderheiten des elisabethanischen Englisch im Detail beleuchtet hatten, fiel es mir sehr viel leichter, mich auf das Wagnis Shakespeare einzulassen, und seit damals hat es mich einfach gepackt. Ich las Macbeth – und später noch viele andere Werke des Dramatikers – und war fasziniert von Shakespeares profunder Kenntnis der menschlichen Natur, die meines Erachtens auch ein essentieller Grund dafür ist, dass seine Dramen die Zeit überdauern.

Justin Kurzels Macbeth: Eine beeindruckende Adaption der Extraklasse

Die erste Macbeth-Verfilmung, die ich gesehen habe, war Roman Polanskis Version aus dem Jahre 1971, die mich allerdings in keiner Weise angesprochen hat – für meinen Geschmack war sie viel zu blutrünstig und auf Schockeffekte ausgelegt. Angesichts dieses Hintergrundes war ich sehr gespannt auf die hier vorgestellte Neuverfilmung, die eine gänzlich divergierende Annäherung an dieses herausragende Drama versprach. Schon als ich den Trailer sah, wusste ich, dass dem renommierten australischen Regisseur Justin Kurzel hier etwas ganz Einmaliges gelungen ist – nämlich Shakespeares Werk mit zwei Ausnahmeakteuren in beeindruckenden, verstörenden und zugleich sehr berührenden Bildern neues Leben einzuhauchen und es somit auch einer Generation zugänglich zu machen, die mit dem meines Erachtens besten Dramatiker aller Zeiten heute nicht mehr viel anfangen kann.

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Macbeth (Michael Fassbender) und Lady Macbeth (Marion Cotillard)

Diese brillante Neuverfilmung mit Michael Fassbender und Marion Cotillard in den Hauptrollen ist eine beeindruckende und visuell einzigartige Adaption der Extraklasse. Ich habe in diesem Jahr keinen Film gesehen, der mich derart begeistert hat wie diese meisterhafte Realisierung des weltberühmten Dramas, das zu meinen favorisierten Tragödien des Bard of Avon zählt. Macbeth ist nicht nur ein faszinierend-bewegendes Filmepos von großer Bildgewalt und Leidenschaft, sondern ebenso eine großartige Neuerzählung einer zeitlosen literarischen Vorlage über den Aufstieg und Niedergang zweier Tyrannen, deren Machthunger, Skrupellosigkeit und Größenwahn sie schließlich ins Verderben führen.

Macbeth: Kurzer Abriss des Plots

Macbeth wurde um 1606 von William Shakespeare verfasst und spielt in Schottland und England des 11. Jahrhunderts.  Nach Rückkehr von einer Schlacht, die er für König Duncan erfolgreich geschlagen hat, trifft der königliche Heerführer Macbeth in der Heide auf drei Hexen, die ihm prophezeien, dass er der nächste Thane of Cawdor und bald darauf König von Schottland wird. Macbeth kann sich zunächst keinen Reim darauf machen und berichtet seiner Frau, der ehrgeizigen Lady Macbeth, von dieser äußerst mysteriösen Begebenheit. Als die erste Prophezeiung eintrifft und Duncan ihm den Titel des Thane of Cawdor verleiht, wittert Lady Macbeth sofort die einmalige Chance zur absoluten Macht, die sich ihr und ihrem Mann hier bietet und legt ihrem Gatten unumwunden nahe, König Duncan bei dessen anstehenden Besuch in Macbeths Burg in Inverness zu ermorden, da es ihres Erachtens ansonsten so schnell keine Möglichkeit für ihren Mann gibt, den Thron auf normalem Wege zu besteigen. Macbeth reagiert äußerst zögerlich und kann sich mit dem Gedanken eines Königsmords in keiner Weise anfreunden. Als seine Frau daraufhin jedoch seine Männlichkeit in Frage stellt, willigt er schließlich ein. Lady Macbeth betäubt die Wachen, und Macbeth ersticht den König mit einem Dolch. Seine Tat verstört ihn jedoch dermaßen, dass er nicht in der Lage ist, den blutbefleckten Dolch, wie von seiner Frau geplant, den schlafenden Wachen unterzuschieben. Lady Macbeth erledigt dies für ihn, und beide kehren mit blutgetränkten Händen in ihre Gemächer zurück.

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Macbeth (Michael Fassbender) und Lady Macbeth (Marion Cotillard)

Nachdem der Fund des toten Königs einen Tumult ausgelöst hat, geht Macbeth noch einen Schritt weiter: Er erschlägt die Wachen des Königs, die er zuvor als Königsmörder tituliert hat. Die Söhne des Königs, Donalbain und Malcom, fliehen nach Irland bzw. England, da sie sich nicht sicher fühlen und fürchten, ebenfalls getötet zu werden. Somit sehen sich Macbeth und Lady Macbeth am Ziel ihrer Wünsche: Macbeth wird angesichts dieser Umstände zum König gekrönt. Doch seine Tat lässt ihn nicht los: Von Schuldhalluzinationen und Paranoia geplagt, sieht Macbeth seine Königsherrschaft permanent bedroht. Er beseitigt jeden, der für ihn eine Gefahr darstellt und hält sich für unbesiegbar, während seine Frau – erdrückt von ihrer Schuld und dem Größenwahn ihres Mannes – langsam den Verstand verliert. Doch Macbeth, zum unnachgiebigen und verbitterten Tyrannen mutiert, will auch weiterhin seinem Schicksal trotzen, nicht ahnend, dass es schon längst besiegelt ist…

Schauspielerische Brillanz: Fassbender und Cotillard als beispielloses Tyrannenpaar

© STUDIOCANAL GmbH – Macbeth (Michael Fassbender)

Dieser erstrangige Film wird primär von der schauspielerischen Brillanz der beiden Hauptdarsteller getragen. Michael Fassbender zählt zweifelsohne zu den exzellentesten Schauspielern seiner Generation. Ich habe ihn schon in den unterschiedlichsten Rollen gesehen – z.B. als brutaler Plantagenbesitzer in Twelve Years a Slave, als düsterer Byronscher Antiheld in Jane Eyre oder als undurchsichtiger, namenloser Protagonist in The Counselor -, aber in keiner hat er mich so überzeugt wie in Macbeth. Seine physische Präsenz und Intensität, die gefährlich-unberechenbare Aura, die er seiner Hauptfigur verleiht, sind eindrucksvoll und beängstigend zugleich. Die Entwicklung Macbeths vom machthungrigen Heerführer zum größenwahnsinnigen, blutrünstigen König gelingt ihm beunruhigend glaubhaft. Wenn er als Macbeth seiner Frau mit wirrem Lachen zuflüstert „O, full of scorpions is my mind, dear wife!“1, läuft es einem kalt den Rücken herunter.

© STUDIOCANAL GmbH – Lady Macbeth (Marion Cotillard)

Fassbenders Filmpartnerin, die Französin Marion Cotillard, die mit ihrer großartigen Darstellung der Chansonette Édith Piaf in Olivier Dahans preisgekröntem Film La Vie En Rose internationalen Ruhm erlangte, ist das perfekte Pendant. Ihre Verkörperung der Lady Macbeth ist eindringlich und sehr berührend. Die Entwicklung ihrer Protagonistin von der ambitionierten, skrupellosen Mordanstifterin zur schuldbeladenen Wahnsinnigen porträtiert sie sehr überzeugend und voller Empathie. Eine außergewöhnliche Szene ist mir hier besonders im Gedächtnis geblieben: Als Macbeth einen äußerst brutalen Mord an der Frau und den beiden Kindern seines Feindes Macduff befehligt, blickt sie sprach- und fassungslos auf ihren Mann, das blutrünstige Monster, das sie im wahrsten Sinne des Wortes erschaffen hat, und es reicht ein Blick, um auszudrücken, dass ihr Verstand nicht mehr greifen kann, was vor sich geht.

Bildgewaltiges Glanzstück: Facetten des Menschlichen in intensiven Momentaufnahmen

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Macbeth (Michael Fassbender) und Lady Macbeth (Marion Cotillard)

Obwohl Shakespeares Macbeth gemeinhin als Drama gilt, das in erster Linie Machthunger, Opportunismus und Skrupellosigkeit sowie Gewissen und Schuld thematisiert, halte ich die Beziehung der beiden Hauptcharaktere zueinander für ebenso essentiell. Diesen Aspekt, der bei vielen Betrachtungen des Dramas nur marginal gestreift wird, greift Regisseur Kurzel auf und zeigt uns in den herausragenden gemeinsamen Szenen der Protagonisten ein tiefgehendes emotionales Portfolio, das unter die Haut geht. So sieht man die beiden in inniger Verbundenheit und vertrauter Nähe, aber ebenso im völligen Unverständnis für die Haltung des anderen und am Ende zutiefst verloren in ihrem Wahn und ihrer Einsamkeit. Diese Facetten des Menschlichen, die Shakespeare seinen Antagonisten trotz aller Gräueltaten attribuiert, zeigen sich in intensiven Momentaufnahmen, die Kurzel erstklassig inszeniert hat und machen seinen Film in all seiner Sprach- und Bildgewalt zu einem Glanzstück unter den Shakespeare-Adaptionen, das seinesgleichen sucht.


MACBETH
Regie: Justin Kurzel
Produktionsland: UK
Erscheinungsjahr: 2015

Mein herzlicher Dank gilt der STUDIOCANAL GmbH, Berlin, www.studiocanal.de, die mir alle oben aufgeführten Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

1 Watts, Cedric (Hrsg.). Shakespeare, William. Macbeth. London: Wordsworth Editions Limited, 2005. S. 65.