Machtspiele: Das Polit-Drama Marseille

© polyband Medien GmbH

Es gibt nur wenige Polit-Dramen, die mich von Anfang an in ihren Bann ziehen. Die Netflix-Produktion Marseille mit Frankreichs Schauspieler-Urgestein Gérard Depardieu in der Hauptrolle ist eine solche Serie, denn sie ist – en tout – brillant konzipiert. Die Scripts für alle acht Episoden der ersten Staffel schrieb der französische Schriftsteller und Drehbuchautor Dan Franck, der mit renommierten Serien wie Carlos – Der Schakal und Spin – Paris im Schatten der Macht bereits sein Talent unter Beweis stellte. Als Regisseure konnten Florent-Emilio Siri und Samuel Benchetrit gewonnen werden, die die einzigartige Story, die ausschließlich in der südfranzösischen Hafenstadt spielt, gekonnt in Szene setzten. Im letzten Jahr feierte Marseille Premiere und wurde von den Zuschauern so gut angenommen, dass man bereits eine 2. Staffel in Auftrag gegeben hat. Eine weise Entscheidung, denn Marseille hat meines Erachtens enormes Entwicklungspotential, sowohl auf inhaltlicher als auch auf Figuren-Ebene, das unbedingt ausgeschöpft werden sollte.

Letzte Amtshandlung

Robert Taro (Gérard Depardieu), seit 20 Jahren Bürgermeister von Marseille, ist amtsmüde und will sich zurückziehen. Er hat das ganze Polittheater und vor allem die Presse satt und will sich nunmehr endlich wieder Zeit für seine Familie, Ehefrau Rachel (Géraldine Pailhas), eine berühmte Cellistin, und Tochter Julia (Stéphanie Caillard), eine engagierte Journalistin, nehmen. Als seinen Nachfolger hat er den charismatischen Lucas Barrès (Benoît Magimel), seinen Protégé und politischen Ziehsohn, auserkoren, der in seine Fußstapfen treten und das Amt in seinem Sinne fortführen soll. Als letzte Profilierung will Taro ein Prestige-Projekt realisieren: Der Umbau der Marina zu einem exklusiven Yachthafen mit einem Casino, Hotels und Restaurants soll Marseille – angelehnt an Marbella – zur mondänen Hauptstadt Südeuropas machen. Doch im Stadtrat wird dieses Vorhaben kontrovers diskutiert: Seine Gegner werfen Taro vor, dass dieses Projekt unweigerlich kriminelle Organisationen anlocke, um dort Geld im großen Stil zu waschen, doch der Bürgermeister schmettert jegliche Kritik ab. Gemeinsam mit Barrès setzt er alles daran, um seinen ehrgeizigen Plan zu verwirklichen.

© polyband Medien GmbH
Robert Taro (Gérard Depardieu)

Der Verrat

Als eine Mehrheit im Stadtrat für ihn stimmt, sieht sich Taro am Ziel, doch ihm ist klar, dass es noch eine wichtige Hürde zu überwinden gilt: Der Hafen-Aufsichtsrat muss dem Verkauf des Grundstücks zustimmen. Alles in allem ist er jedoch zuversichtlich: Mit einer namhaften Richterin, ebenfalls Mitglied des Stadtrats, die ihren Einfluss beim Hafen-Aufsichtsrat für Taros Projekt geltend machen will, und einem engagierten, ihm wohlgesonnenen Bauunternehmer auf seiner Seite fühlt er sich siegesgewiss. Doch dann wendet sich das Blatt: Die Richterin kommt bei einem mysteriösen Unfall ums Leben, und sein Hoffnungsträger Barrès stimmt ohne mit der Wimper zu zucken gegen ihn. Taro ist fassungslos und kann nicht glauben, dass sein Protégé ihm in den Rücken fällt. Was für ihn jedoch noch viel schwerer wiegt, ist Barrès offene Verachtung, mit der er ihm plötzlich ohne ersichtlichen Grund entgegentritt.

© polyband Medien GmbH
Lucas Barrès (Benoît Magimel) und Robert Taro (Gérard Depardieu)

Erbitterte Schlacht

Als dann auch noch der befreundete Bauunternehmer bei einem Autounfall ums Leben kommt, steht für Taro zweifelsfrei fest, dass es Mord war. Auch den mysteriösen Unglücksfall, der die Richterin das Leben kostete, sieht er plötzlich in einem ganz anderen Licht. Er beschließt, wider den Rat seiner Entourage erneut als Bürgermeister zu kandidieren und trotz aller Widrigkeiten gegen seinen Ziehsohn anzutreten. Aus den beiden Freunden werden erbitterte Feinde, und Barrès lässt nichts unversucht, um Taro zu diskreditieren. Als wäre das nicht schon Ärger genug, erhält Taro anonyme E-Mails, die auf einen dunklen Punkt in seiner Vergangenheit hinweisen und die er nicht einordnen kann. Auch Taros Kokain-Konsum, der in der Zwischenzeit beängstigende Ausmaße angenommen hat, schlachtet Barrès medial aus. Doch schnell muss er feststellen, dass Taro das Spiel um die Macht besser beherrscht als er und selbst den größten Skandal zu seinen Gunsten wenden kann.

Und das Krokodil, wie Taro sich selbst bezeichnet, schlägt zurück. Mit aller Härte – und mit Tochter Julia, die angesichts ihrer maßlosen Enttäuschung über Barrès hinterhältige Vorgehensweise in dessen Vergangenheit recherchiert und dabei herausfindet, dass seine rührselige Geschichte der armen Vollwaise, mit der er die Presse und seine Anhänger eingelullt hat, vollständig erlogen ist. Zum anderen unterhält er gefährliche Kontakte zur Unterwelt, die sich von ihm im Gegenzug eine wohlwollende Politik erhofft. Auch auf der menschlichen Seite ist Barrès nicht untätig: Er erschläft sich einen Gefallen nach dem anderen und macht dabei auch vor Vanessa d’Abrantes (Nadia Farès), Präsidentin des Regionalrats, keinen Halt, die ihn für ihre Zwecke einbinden will. Sie ahnt nicht, dass sie für den teuflisch berechnenden Barrès nur Mittel zum Zweck ist, um seine eigenen ehrgeizigen Ziele in die Tat umzusetzen.

© polyband Medien GmbH – Vanessa d’Abrantes (Nadia Farès)

Als über Taro eine familiäre Katastrophe hineinbricht, scheint die Schlacht für ihn verloren. Barrès sonnt sich im Blitzlichtgewitter und genießt die Aufmerksamkeit, die man ihm, dem Kronprinzen, der die Zukunft von Marseille in den Händen zu halten scheint, entgegenbringt. Doch das Krokodil bäumt sich ein letztes Mal auf, und es gelingt das Undenkbare – bis Julia auf ein Geheimnis der beiden Kontrahenten stößt, das ihre Welt und ihre gesamte Familie ins Wanken bringt und nachdem nichts mehr so ist wie vorher…

Marseille: Polit-Serie der Extraklasse

Marseille ist für mich eine der besten Polit-Serien, die ich bisher gesehen habe. Was mir neben der spannenden Story besonders gefällt, ist, dass sich das Drama nicht nur mit den Geschehnissen auf den Korridoren der Macht beschäftigt, sondern darüber hinaus auch eine beängstigend realitätsnahe Milieustudie der Cités, der Armenviertel und sozialen Brennpunkte der Stadt, ohne jegliche Sozialromantik präsentiert. Aus der Perspektive von Julia, die dort im kriminellen Milieu recherchiert, werden wir auf die Probleme aufmerksam gemacht, die nicht kameratauglich sind: Hohe Arbeitslosigkeit, Drogen und ein großes Gewaltpotential unter den Jugendlichen, die sich angesichts ihrer aussichtslosen Lage schon längst aufgegeben haben und vor nichts zurückschrecken, um aus dem täglichen Überlebenskampf nicht als Verlierer hervorzugehen.

© polyband Medien GmbH

Was Marseille überdies so sehenswert macht, ist die schauspielerische Glanzleistung der beiden Hauptdarsteller Gérard Depardieu und Benoît Magimel, die in ihren Rollen brillieren. Depardieu gibt dem amts- und machtmüden Taro ein sympathisches, leicht überhebliches Flair, das jedoch von seiner aus langjähriger politischer Erfahrung resultierenden Kaltschnäuzigkeit relativiert wird. Er weiß genau, wie er sich den Medien zu präsentieren hat und spielt mit ihnen; seine Abscheu vor dem Pressezirkus verbirgt er hinter einem charmanten Lächeln, auf das auch nach 20 Jahren noch immer alle reinfallen.

Nur innerhalb der Familie lässt Depardieu die menschlichen Züge seiner Hauptfigur aufblitzen: Beim Frühstück mit Tochter Julia, die er vergöttert, oder im zärtlichen Tête-à-tête mit Gattin Rachel, um die er ständig besorgt ist. Außerhalb der Familie ist Depardieus Taro jedoch ein Kämpfer, der sich in jede noch so aussichtslose Schlacht stürzt, um seine Ziele zu erreichen und dabei nicht zimperlich ist, auch wenn er stets wie ein gutmütiger Tanzbär wirkt. Depardieu versteht es exzellent, Taros Dualität herauszustellen und ihn so zu einem schwer einschätzbaren Charakter zu machen.

Die eigentliche schauspielerische Entdeckung dieser Serie ist für mich allerdings César-Preisträger Benoît Magimel, der in Filmen wie Die Klavierspielerin, La Tête Haute oder My Way – Ein Leben für das Chanson bereits bewiesen hat, dass er zu den besten französischen Schauspielern seiner Generation zählt. Sein Porträt von Lucas Barrès ist herausragend: Er spielt den emphatie-und rücksichtslosen Emporkömmling mit abstoßender Berechnung. Seine absolute Geringschätzung von Frauen tut sein Übriges dazu, um ihn als Bad Guy der Serie zu klassifizieren.

Als Zuschauer haben wir uns über Barrès schnell ein vernichtendes Urteil gebildet. Doch was, wenn wir falsch liegen? Magimel hält uns in seiner Rolle schonungslos den Spiegel vor und sät mehr und mehr Zweifel an der abgrundtiefen Verdorbenheit seiner Figur. Und nach einiger Zeit bemerken wir es auch – an Gesten, an Blicken -, doch wir können es uns nicht erklären. Immer wenn wir denken, ihn endgültig einordnen zu können, zeigt er eine komplett andere Seite seines Charakters. Dies macht Magimels Barrès und Depardieus Taro gleichermaßen undurchschaubar. Das Zusammenspiel der beiden Schauspiel-Giganten stellt den ganz speziellen Reiz dieser Serie dar und katapultiert sie in die erste Riege der Polit-Dramen, die ganz besonders sehenswert sind.


Marseille
Produktionsland: Frankreich
Regie: Florent-Emilio Siri und Samuel Benchetrit
Drehbuch: Dan Franck
Produktion: Sue Vertue

Deutscher Vertrieb: polyband Medien GmbH, München

Mein herzlicher Dank gilt der polyband Medien GmbH, München, www.polyband.de, die mir alle o.g. Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

Die Rückkehr des Meisterdetektivs
Sherlock – Staffel 4

© polyband Medien GmbH

Viel zu lange haben wir auf die neuen Folgen der Kultserie Sherlock mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman warten müssen. Heute Abend um 21.45 h ist es endlich soweit: Die ARD zeigt die erste der drei brillanten Episoden der vierten Staffel: Die sechs Thatchers. Es folgen Der lügende Detektiv (5. Juni 2017 um 21.45 h) und Das letzte Problem (11. Juni 2017 um 21.45 h). Die BBC strahlte die Folgen bereits im Januar des Jahres aus, und erneut brach die beliebte Serie alle Rekorde. So ist es natürlich auch nicht verwunderlich, dass die Sherlock-Fangemeinde stetig wächst, denn die Produzenten Mark Gatiss und Steven Moffat haben einfach geniale Ideen und ein untrügliches Gespür dafür, wie man die auf Arthur Conan Doyles Stories basierenden Fälle szenisch am besten umsetzt. Der große Erfolg spricht für sich und ist hoffentlich Motivation und Ansporn, um den Zuschauern und Fans noch eine sechste Staffel zu bescheren.

Drei neue spannende Fälle für das Mastermind

Ich habe mir die Folgen im englischen Original direkt nach Veröffentlichung bei iTunes heruntergeladen und angeschaut. Wie immer, war ich restlos begeistert, insbesondere von Folge 2, die für mich das ganz spezielle Highlight dieser Staffel ist und darüber hinaus zu den besten Sherlock-Folgen zählt, die ich bisher gesehen habe. Aber jede Episode hat ihr ganz eigenes Momentum und ist ein Spektakel für sich, das sich streckenweise so rasant entfaltet, dass man als Zuschauer das Gefühl hat, sich im Kopf von Mastermind Holmes zu befinden, in dem sich seine Gedanken mit kaum fassbarer Geschwindigkeit überschlagen und wie ein fulminantes Feuerwerk immer wieder aufsteigen und verglühen. Das ist Entertainment at its best mit hervorragenden Schauspielern, allen voran Benedict Cumberbatch und Martin Freeman in den Titelrollen, der großartigen Una Stubbs als Mrs. Hudson, Rubert Graves als kauziger Inspector Lestrade und natürlich Mark Gatiss als Holmes‘ gewöhnungsbedürftiger Bruder Mycroft!

© polyband Medien GmbH
Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und John Watson (Martin Freeman)

1. Die sechs Thatchers (The Six Thatchers)

Sherlock hat das ungute Gefühl, dass sein Erzfeind Moriarty posthum Rache an ihm üben will und wartet höchst angespannt auf die Dinge, die seines Erachtens unweigerlich noch auf ihn zukommen werden. Ansonsten ertrinkt er wieder mal in Langeweile und ist auf der Suche nach einer detektivischen Herausforderung. Nachdem John und Mary ihn als Patenonkel für ihre kleine Tochter Rosie auserkoren haben – eine Aufgabe, die ihn nicht wirklich ausfüllt -, löst er mit Watson und Inspector Lestrade relativ teilnahmslos einen trivialen Fall nach dem anderen, bis ein rätselhafter Tod seine ganze Aufmerksamkeit fordert. Man entdeckt den Sohn des Abgeordneten David Welsborough nach einem Unfall leblos in einem Auto vor seinem Elternhaus, obwohl er eigentlich in Tibet sein sollte und von dort aus auch mit seinem Vater telefonierte hatte. Erstaunlicherweise findet Sherlock schnell die Lösung des Mysteriums und ist enttäuscht, dass sich auch dieser Fall in seinen Augen als banal erweist.

Da fällt sein Blick in der Wohnung der Eltern auf deren Thatcher-Sammlung, bei der eine Gipsbüste der konservativen Politikerin fehlt. Als man die Büste wenig später völlig zerstört auffindet, schrillen Sherlocks Alarmglocken, und er ahnt – zum Unverständnis aller -, dass noch viel mehr dahinterstecken muss. Und er soll Recht behalten: Binnen kurzer Zeit findet er heraus, dass dies nicht die einzige zerschlagene Thatcher-Büste war und beschließt, dem Einbrecher eine Falle zu stellen, als er die letzte intakte der sechs Skulpturen zerschmettern will. Doch die Büste zerspringt nach dem Kampf mit dem Einbrecher in tausend Teile, und Sherlock findet in den Scherben das, wonach der Dieb augenscheinlich gesucht hatte: Einen USB-Stick mit den Initialen A.G.R.A. Die Spur führt zu einer geheimnisvollen Task Force der Regierung und zu einem Killer, der alles daran setzt, die Mitglieder dieser Spezialtruppe zu töten. Als Sherlock zu seinem Entsetzen entdeckt, dass Watsons Frau Mary einst Mitglied dieser Task Force war, beginnt ein nervenaufreibender Wettlauf mit der Zeit, der in einer Tragödie endet…

2. Der lügende Detektiv (The Lying Detective)

© polyband Medien GmbH
Culverton Smith (Toby Jones)

Nach dem schrecklichen Trauma gehen Sherlock und Watson zunächst getrennt Wege. Sherlock hadert mit sich und der Welt und nimmt wieder Drogen, als ein neuer Fall in den Fokus rückt. Der erfolgreiche Unternehmer und Philanthrop, Culverton Smith, gesteht bei einem Treffen mit seinen Kollegen und seiner Tochter Faith, dass er jemanden umbringen wird. Um sich abzusichern, hat er den Teilnehmern des Treffens vorher ein Serum verabreicht, das das Gedächtnis beeinflusst und dazu führt, dass sie sich später an nichts erinnern können. Allerdings hat es bei Faith nicht die beabsichtigte durchschlagende Wirkung. Sie erinnert sich vage und notiert alles, was sie noch bruchstückhaft aufrufen kann, doch all dies macht im Zusammenhang keinen Sinn.

In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an Sherlock, der jedoch zunächst nicht sonderlich interessiert ist. Er weist sie ab, doch am nächsten Tag hat er Gewissensbisse, weil er sie für suizidgefährdet hält. Noch völlig im Drogennebel will er Faith ausfindig machen, doch sie ist spurlos verschwunden. Er taucht daraufhin in seinen „Gedächtnispalast“ ab, wo sich für ihn ganz deutlich zeigt, dass der allseits beliebte Smith ein Serienkiller ist. Der Fall wird daraufhin für ihn zur Obsession, bis Mrs. Hudson seiner Manie Einhalt gebietet und ihn „der Zufall“ wieder mit Watson zusammenbringt. Sherlock und Watson versuchen, Smith mittels Faith aus der Reserve zu locken, doch der Plan misslingt, und Sherlock gerät ins Visier des Psychopathen, der vor nichts und niemandem zurückschreckt, um sein Geheimnis zu bewahren…

3. Das letzte Problem (The Final Problem)

Der neueste Klient von Sherlock ist kein geringerer als sein Bruder Mycroft. Durch einige mysteriöse, angsteinflössende Vorfälle sieht er sich veranlasst, Sherlock von ihrer gemeinsamen Schwester Eurus zu erzählen, was er bisher immer tunlichst vermieden hatte. Eurus gilt als das klügste, aber auch unberechenbarste Kind der Holmes‘ Familie. Mit ihrer kriminellen Energie und ihrer Manie, alles zu erforschen, beschwört sie eine Katastrophe herauf: Als sie den Landsitz der Familie durch ein Feuer zerstört, sperrt man sie in die Sicherheitsinstitution des Geheimdienstes, Sherrinford, erzählt aber allen, sie sei bei dem Brand ums Leben gekommen. Gerade als sich Sherlock von den Offenbarungen seines Bruders erholt hat, hört er Eurus‘ Stimme. Im nächsten Moment steuert eine Drohnenbombe auf sein Apartment zu und löst eine Explosion aus, der alle Beteiligten in letzter Sekunde entkommen können.

© polyband Medien GmbH
Mycroft Holmes (Mark Gatiss) und Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch)

Sherlock und Mycroft beschließen, Eurus im Sherrinford zu besuchen, und zum ersten Mal stoßen sie auf eine Gegnerin, der sie nicht gewachsen sind. Eurus ist eine Meisterin der Manipulation und hat die ganze Institution unter ihrer Kontrolle. Sie nötigt Sherlock, Rätsel zum Preis eines Menschenlebens zu lösen. Schafft er es, sind sie gerettet, falls nicht, sterben sie. Sherlock gibt sein Bestes, doch die Lage eskaliert, als Eurus ihn dazu zwingt, eine folgenschwere Entscheidung zu treffen: Entweder er tötet Mycroft oder John. Sherlock lässt sich nicht darauf ein und droht mit Selbstmord, doch seine Schwester hat für jede noch so ausweglose Situation Vorkehrungen getroffen: Sie lässt John an einen geheimen Ort bringen, wo er sterben soll. Um Johns Leben zu retten, setzt Sherlock alles auf eine Karte, doch reicht es aus, um Eurus zu stoppen?

Benedict Cumberbatch: Sherlock at his best

Nachdem Benedict Cumberbatch Arthur Conan Doyles etwas verstaubter literarischer Figur des Sherlock Holmes wieder Leben eingehaucht und ihr einen neuzeitlichen Anstrich gegeben hat, ist sein Sherlock mittlerweile Kult – absolut zu Recht, denn Cumberbatch spielt diesen eigenbrötlerischen, hochintelligenten Querkopf so exzellent, dass man sich gar nicht mehr vorstellen kann, dass dieser fiktive Charakter eigentlich im späten 19. Jahrhundert bzw. frühen 20. Jahrhundert angelegt wurde.

Als ich damals den Trailer zur ersten Sherlock-Staffel sah, war mir Cumberbatch in der Titelrolle nicht so ganz geheuer, weil ich Rupert Everett als historischen Holmes für unübertroffen hielt. Aber nach der ersten Episode war ich derart begeistert, dass ich es seitdem nie erwarten kann, die nächste Staffel zu sehen. Es ist den Produzenten Steven Moffat und Mark Gatiss wirklich hervorragend gelungen, die Serie in die moderne Zeit zu transferieren. Sherlock ist ein Nerd, Watson ein Blogger – eigentlich undenkbar bei den literarischen Originalen, aber es funktioniert – und man hat vor allem nie das Gefühl, dass es je anders war.

© polyband Medien GmbH – Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch)

Alles in allem könnt ihr auf Staffel 4 wirklich gespannt sein und euch auf drei äußerst fesselnde, mysteriöse und höchst dramatische Fälle von Sherlock und Watson freuen, die wieder viele Highlight-Szenen beinhalten, überraschende Wendungen zutage bringen und mit einzigartigem britischen Humor gewürzt sind. Schaut selbst, lasst euch überraschen und vor allem: Get sherlocked!!!


Sherlock – Staffel 4
Produktionsland: UK
Regie: Rachel Talalay, Nick Hurran, Benjamin Caron
Drehbuch: Mark Gatiss, Steven Moffat
Produktion: Sue Vertue
Deutscher Vertrieb: polyband Medien GmbH, München

Mein herzlicher Dank gilt der polyband Medien GmbH, München, www.polyband.de, die mir alle o.g. Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

Das Crime Drama „100 Code“
Nordic Noir der Extraklasse

© polyband Medien GmbH

Kürzlich bin ich auf ein Crime Drama gestoßen, das mich bis zur letzten Minute in Atem gehalten hat: 100 Code, eine schwedisch-deutsche Ko-Produktion, die absolut fesselnd ist. Die Serie basiert auf Merrick, einem Roman des irischen Schriftstellers Ken Bruen und wurde von Regisseur und Oscar-Preisträger Bobby Moresco, der u.a. mit dem Drama L.A. Crash und Filmen wie Million Dollar Baby und Streets of Philadelphia berühmt wurde, meisterhaft adaptiert. Auch die Besetzung ist erstklassig: In den Hauptrollen sind der schwedische Schauspieler Michael Nyqvist, bekannt u.a. aus Stieg Larssons Millenium-Trilogie und Mission Impossible 4, und der britische Mime Dominic Monaghan, den man aus Herr der Ringe und Lost kennt, zu sehen.

Die 1. Staffel, die aus zwölf Folgen besteht, wurde 2015 erstmals auf dem Pay-Sender Sky ausgestrahlt, bevor zdf neo sie im letzten Jahr allen Zuschauern zugänglich machte. Trotz der späten Ausstrahlung (22.30 h) verzeichnete das Drama gute Einschaltquoten, was nicht verwundert, denn es hat eine ganz besondere Sogwirkung. Der Plot hat es in sich – man möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Und immer dann, wenn man meint, die Auflösung zu kennen, wird man eines Besseren belehrt. Das macht für mich auch den speziellen Reiz des Genres Nordic Noir aus, das Spannung und Nervenkitzel mit Anspruch und Qualität verbindet.

100 Code 2 actors

© polyband Medien GmbH
Tommy Conley (Dominic Monaghan) und Mikael Eklund (Michael Nyqvist)

Zwei ungleiche Partner

Als der NYPD-Ermittler Tommy Conley (Dominic Monaghan) bei seiner – bisher erfolglosen – Jagd nach einem Serienkiller auf einen ähnlich gelagerten Fall in Schweden stößt, reist er nach Stockholm, um in Zusammenarbeit mit den schwedischen Kollegen seinen Verdacht zu verifizieren, dass es sich um ein und denselben Täter handelt. Der Killer hat es stets auf junge blonde Frauen abgesehen, die er jedes Mal in den Wintermonaten nach einem absonderlichen rituellen Muster tötet und sie nahe am Wasser zwischen gelben Aphrodill-Blumen ablegt.

Conley ist nach einem traumatischen Erlebnis übermotiviert, doch die Hilfsbereitschaft der Stockholmer Mordkommission hält sich in Grenzen. Insbesondere der erfahrene Teamleiter Mikael Eklund (Michael Nyqvist) ist ausgebrannt und hat keine Lust, sich hier zu engagieren. Nach dem tragischen Krebstod seiner Frau möchte er seinen zeit- und nervenaufreibenden Job gegen eine Tätigkeit im erfolgreichen Sicherheitsunternehmen seines Freundes eintauschen und sich mehr um seine 17-jährige Tochter Hanna (Felice Jankell) kümmern, die sehr unter dem Verlust ihrer Mutter leidet. Aber seine Vorgesetzte Karin Hammar (Charlotta Jonsson) lässt Eklund keine Wahl: Sie geht – zum Schein – auf seinen Kündigungswunsch ein, um ihn zu beschwichtigen und schlägt vor, diesen bizarren Mordfall als seinen letzten zu betrachten.

100 Code Nyqvist

© polyband Medien GmbH
Mikael Eklund (Michael Nyqvist)

Persönliche Dämonen

Widerwillig stimmt Eklund zu, um sich dann mit seinem amerikanischen Kollegen auf Spurensuche zu begeben. Doch die Zusammenarbeit der beiden gestaltet sich äußerst schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Conley traut niemandem und gibt wichtige Informationen zu den New Yorker Fällen nur zögerlich preis, was Eklund schier wahnsinnig macht. Als Conley ihm – viel zu spät – berichtet, dass er den mythologischen Charakter der Morde entschlüsseln konnte, flippt Eklund aus und weigert sich, weiter mit ihm zu kooperieren.

Doch dann geschehen weitere Morde im gleichen Stil, und Eklunds Ehrgeiz ist geweckt. Er hadert zwar mit seinen Selbstvorwürfen, nie genug Zeit für seine kranke Frau und seine Tochter gehabt zu haben, doch er muss schließlich erkennen, dass er mit Leib und Seele Ermittler ist und seine Arbeit immer Vorrang haben wird – egal, wie sehr er sich auch dafür hasst. Auch Conley geht es nicht anders: Er kämpft mit seinen Dämonen und dämpft seine permanente Ruhelosigkeit mit Schlafmitteln, die er sich illegal verschafft. Für den Tod seines Kollegen und für den Mord an seiner großen Liebe Maggie gibt er sich die Schuld, seine Gewissensbisse lassen ihn nicht los. Das Einzige, was ihn aufrecht hält, ist die Jagd nach dem brutalen Täter, der scheinbar immer einen Schritt voraus ist.

© polyband Medien GmbH
Mikael Eklund (Michael Nyqvist), Tommy Conley (Dominic Monaghan) und Team

Auf der Suche nach einem Phantom

Conley und Eklund raufen sich zusammen und kommen dem Täter schließlich immer näher. Die Spur führt nach intensiven Recherchen schließlich zu zwei Verdächtigen, die sich zum Zeitpunkt der Morde in New York und Stockholm aufhielten: Ein Zahnarzt und ein Universitätsprofessor. Als man den Täter im Visier zu haben glaubt und ihn schließlich stellen kann, sagt dieser kurz vor seinem Tod etwas, das Conley und Eklund zutiefst schockiert und ihnen unmissverständlich klar macht, dass sie von der Lösung der unheimlichen Mordfälle weit entfernt sind und wieder ganz von vorne anfangen müssen.

Aber Conley und Eklund, die mittlerweile festgestellt haben, dass sie trotz aller Unterschiedlichkeiten als Ermittlerduo sehr gut funktionieren, geben nicht auf und wagen einen erneuten Anlauf. Und sie werden fündig: Im Dark Net, der dunklen, abgründigen Seite des Internets, stoßen sie mit Hilfe ihres cleveren neuen Teammitglieds, einem jungen Hacker, auf den mysteriösen L.H., einen gefährlichen Manipulator, der Menschen für seine Zwecke instrumentalisiert und sie regelrecht zum Töten „abrichtet“. Um dieses Phantom so schnell wie möglich zu identifizieren und weitere Morde zu verhindern, wollen ihm Conley und Eklund eine Falle stellen, doch sie unterschätzen L.H. gewaltig und geraten – ohne es auch nur zu ahnen – bald in tödliche Gefahr…

Hochspannende Serie mit vielen unerwarteten Wendungen

100 Code ist für mich die spannendste Serie, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Als Zuschauer wusste ich nie, was mich als nächstes erwartet, denn nichts ist sicher, nichts vorhersehbar – wie die Ermittler tappt man zunächst völlig im Dunkeln. Das nervenaufreibende Plot und die vielschichtigen, zerrissenen Charaktere tun ihr übriges, um uns sogartig in diese brillant konzipierte Geschichte zu ziehen und uns bis zum explosiven Cliffhanger-Finale nicht mehr loszulassen.

Die Serie lebt in erster Linie von den exzellenten schauspielerischen Leistungen der Hauptakteure: Michael Nyqvist ist großartig als jobmüder, grüblerischer Ermittler Eklund, der verzweifelt versucht, sich seiner Tochter nach dem Tod seiner Frau wieder anzunähern und den Spagat zwischen Job und Privatleben zu schaffen. Gleiches gilt für Dominic Monaghan als Tommy Conley, der nach dem Tod seines Kollegen und seiner Freundin nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Doch weder er noch Eklund lassen ihre Verzweiflung Oberhand gewinnen: Sie kämpfen mit sich – und ihrem unsichtbaren Gegner -, weil sie tief in ihrem Inneren trotz allem hoffen, dass am Ende vielleicht doch alles gut wird. Ob sich dies als Trugschluss erweist, sei an dieser Stelle nicht verraten.

© polyband Medien GmbH
Tommy Conley (Dominic Monaghan), Mikael Eklund (Michael Nyqvist) und Team

Auch die Nebenrollen sind sehr gut besetzt: Felice Jankell als Eklunds Tochter Hanna ist eine echte Neuentdeckung. Sie spielt ihre schwierige Rolle sehr berührend und realitätsnah. Dies trifft ebenso auf Peter Eggers zu, der Hannas undurchsichtigen Freund Göran äußerst bedrohlich porträtiert. Auch Eklunds Team, Ebba, Björn und Phille, ist mit den Akteuren Cecilia Häll, Danilo Bejarano und Kristoffer Berglund spritzig gecastet.

Alles in allem ist 100 Code für mich der Geheimtipp unter den Serien und absolut sehenswert. Der Titelsong Hard Time der schwedischen Sängerin Seinabo Sey hat übrigens absoluten Ohrwurmcharakter.


100 Code
Produktionsland: Schweden
Deutscher Vertrieb: polyband Medien GmbH, München

Mein herzlicher Dank gilt der polyband Medien GmbH, München (www.polyband.de), die mir alle oben aufgeführten Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

„Mr. Bean“ gets serious:
Rowan Atkinson als Kommissar Maigret

© polyband Medien GmbH

Als ich hörte, dass der britische Komiker und Schauspieler Rowan Atkinson die Hauptrolle in zwei Film-Remakes der Georges-Simenon-Klassiker um Kommissar Maigret – Die Falle und Ein toter Mann – übernimmt, war ich mehr als überrascht. Ich konnte mir nur schwer vorstellen, dass der brillante Comedian die Rolle des wortkargen Kultkommissars spielen kann, ohne dass der Zuschauer dabei ständig an seine Paraderolle des Mr. Bean erinnert wird. Doch Atkinson gelingt dieser Wechsel ins seriöse Fach mit Bravour. Seine Darstellung des stillen Grüblers Maigret ist erstklassig. Angesichts der Schauspielgrößen, die diese Rolle vor ihm porträtierten – u.a. Jean Gabin, Rupert Davies, Jean Richard, Bruno Cremer und Michel Gambon – war dies nicht gerade ein leichtes Unterfangen, doch es ist ihm hervorragend gelungen, in diese übergroßen Fußstapfen zu treten und der Rolle des Maigret darüber hinaus seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken.

Downton Abbey-Regisseur Ashley Pearce, der für BBC1 und ITV1 schon seit vielen Jahren hochwertige Serien realisiert, hat diese beiden Remakes eindrucksvoll inszeniert und lässt das Paris der 50er Jahre mit großer Detailtreue wieder lebendig werden. In Großbritannien kamen die Neuverfilmungen sehr gut an: Mehr als 7 Millionen Zuschauer sahen die beiden Folgen und waren von Atkinsons Maigret-Darstellung sehr angetan. Zwei weitere Adaptionen wurden bereits in Auftrag gegeben. Auch bei uns wurde die Filmreihe, die von der ARD erst kürzlich ausgestrahlt wurde, sehr gut angenommen, so dass zu hoffen ist, dass die deutschen Zuschauer auch in den Genuss der beiden weiteren Produktionen kommen.

Picture shows: (L-R) Janvier (SHAUN DINGWALL), Jules Maigret (ROWAN ATKINSON), Lapointe (LEO STAAR)

©  polyband Medien GmbH
Janvier (SHAUN DINGWALL), Maigret (ROWAN ATKINSON), Lapointe (LEO STAAR)

Die Falle

Ein Serienmörder versetzt die Einwohner des Pariser Stadtteils Montmartre in Angst und Schrecken. Bereits vier Frauen sind dem Killer in kurzer Zeit zum Opfer gefallen: Brutal erstochen und mit zerschnittenem Kleid fand man sie in einer dunklen Gasse des belebten Künstlerviertels. Das Team um den introvertierten, Pfeife rauchenden Kommissar Maigret fahndet mit Hochdruck nach dem Täter, doch es gibt nicht den kleinsten Hinweis. Die Opfer – eine Prostituierte, eine Hebamme, eine Schneiderin und eine Postangestellte – verbindet scheinbar nichts miteinander, außer dass alle dunkelhaarig sind.

© polyband Medien GmbH
Allg. Filmszene

Als dann ein fünftes Opfer gefunden wird, eine Hausfrau und vierfache Mutter, gerät Maigret immer mehr unter Druck. Die Presse belagert ihn, und sein Vorgesetzter droht, ihm den Fall zu entziehen. Da er nicht noch ein weiteres Menschenleben riskieren will, beschließt Maigret, dem aufmerksamkeitsheischenden Täter eine Falle zu stellen und täuscht die Verhaftung eines Verdächtigen vor, um den Mörder aus der Reserve zu locken. Zeitgleich schickt er abends einige weibliche dunkelhaarige Undercover-Polizistinnen, die als Lockvögel fungieren, und zahlreiche männliche Polizisten in Zivil durch Montmartre, doch der klug konzipierte Plan misslingt: Der Täter greift zwar eine Undercover-Polizistin an, kann jedoch trotz aufwendiger Verfolgungsjagd entkommen. Doch es gibt endlich ein winziges Indiz: Bei ihrem Kampf mit dem Killer konnte die Polizistin ihm einen Knopf inkl. Stoff von seinem Mantel abreißen. Die Spur führt in gut situierte Kreise und zu einem Gegner, der schwer zu fassen ist…

Ein toter Mann

Maigret erhält den Anruf eines total verängstigten, gehetzten Mannes, der ihn aus einem Café kontaktiert. Er ist auf der Flucht vor zwei Verfolgern, die ihn töten wollen und bittet Maigret verzweifelt um Hilfe. Obwohl der Kommissar den Anrufer etwas merkwürdig findet, bittet er ihn, dort zu warten und schickt sofort seine Männer zu ihm. Doch als sie eintreffen, ist er bereits verschwunden. Niemand kennt seinen Namen, der Kellner beschreibt ihn als kleinen, untersetzten Mann mit Regenmantel. Maigret kann sich dies alles nicht erklären – da meldet sich der völlig aufgelöste Anrufer erneut und bittet um ein dringendes Treffen. Der Kommissar willigt ein, doch zu einer persönlichen Begegnung der beiden kommt es nicht mehr: Der Mann wird wenig später tot auf der Straße gefunden. Maigret ist entsetzt angesichts der Schwere seiner Verletzungen und nimmt sofort die Ermittlungen auf, die sich allerdings als äußerst schwierig erweisen. Das Opfer ist nicht zu identifizieren, hat keine Papiere und wurde auch nicht als vermisst gemeldet.

© polyband Medien GmbH
Lognon (COLIN MACE), Maigret (ROWAN ATKINSON)

Für Maigrets Chef ist angesichts der grausamen Vorgehensweise klar, dass es sich um ein Verbrechen der Unterwelt handeln muss. Er bittet ihn, die Akte zu schließen und den lokalen Kommissar Colombani bei der Aufklärung dreier brutaler Morde in der Picardie zu unterstützen. Aber Maigret glaubt nicht an die Theorie der Unterwelt und meldet sich krank. Heimlich ermittelt er mit seinem Team weiter: Er lässt das Gesicht des Opfers rekonstruieren und gibt die entsprechende Zeichnung an die Zeitungen. Darüber hinaus lässt er nach dem blauen Auto fahnden, das ein Zeuge in der Tatnacht davonrasen sah und von dem er sich die beiden letzten Ziffern merken konnte.

Als Maigret sich bereits am Ende seiner Möglichkeiten sieht, erscheint eine alte Dame auf dem Kommissariat, der der Wagen ganz in ihrer Nähe vor dem Bistro Le Petit Albert aufgefallen ist. Und endlich gelingt Maigret und seinem Team ein kleiner Durchbruch: Das verwüstete Bistro weist diverse Blutspuren auf, der Tote wird schließlich als Bistrobesitzer Albert Rochain identifiziert. Von seiner Frau Nina fehlt jede Spur. Wie Maigret schon richtig vermutete, gehörte Rochain keineswegs zur Unterwelt, obwohl er Pferdewetten nicht abgeneigt war. Dies macht den grausamen Mord umso mysteriöser. Als der Fall stagniert, greift Maigret zu einer List: Gemeinsam mit seiner Frau eröffnet er das Bistro wieder und hofft so, etwas Staub aufzuwirbeln: Aber er unterschätzt die große Gefahr, in die er und Louise sich begeben, denn der Fall nimmt ein erschreckendes Ausmaß an, als er erkennt, dass es eine Verbindung zu den grausigen Morden in der Picardie gibt…

***

Mir haben diese neuen Maigret-Verfilmungen sehr gut gefallen. Die Rollen sind bis in die kleinsten Nebenfiguren hervorragend besetzt. Rowan Atkinson, der seinen Part als Kommissar Maigret ganz an Simenons Charakterisierung anlehnt, ist in diesem Genre eine echte Neuentdeckung. Er verleiht seinem schweigsamen, nachdenklichen Protagonisten, der nur in wenigen Augenblicken höchster Anspannung die Contenance verliert, eine besonnene, kontrollierte Ausstrahlung. Auch sein Team, der coole Janvier (Shaun Dingwall), der leicht arrogant wirkende Lapointe (Leo Starr) und der bodenständige Lognon (Colin Mace) werden von den entsprechenden Akteuren sehr gut porträtiert. Besonders hervorzuheben ist noch die britische Schauspielerin Lucy Cohu, die Maigrets Ehefrau Louise mit viel Charme und Esprit verkörpert.

© polyband Medien GmbH
Lapointe (LEO STAAR), Janvier (SHAUN DINGWALL), Yvonne Moncin (REBECCA NIGHT), Jules Maigret (ROWAN ATKINSON)

Auch die Gaststars können sich sehen lassen: Die renommierte Theaterschauspielerin Fiona Shaw brilliert in ihrer Rolle in Folge 1 Die Falle. Gleiches gilt für David Dawson (Ripper Street, Die Borgia), Rebecca Night (Wuthering Heights, Rebecca) und John Light (A Quantum of Solace).

Ich empfehle euch diese Neuinszenierungen der Maigret-Romane wirklich sehr. Diese nostalgischen Krimis sind erstrangig und machen Lust auf weitere spannende Fälle. Beide Folgen sind auf DVD/blu-ray im Handel erhältlich.


Kommissar MaigretDie Falle/Ein toter Mann
Erscheinungsdatum: 9.1.2017
Deutscher Vertrieb: polyband Medien GmbH

Mein herzlicher Dank gilt der polyband Medien GmbH, München (www.polyband.de), die mir alle Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.