Rowan Atkinson als Kommissar Maigret
Zwei neue spannende Verfilmungen

Nach dem großen Erfolg der ersten Staffel von Kommissar Maigret, den Rowan Atkinson, weltberühmt durch seine Rollen Mr. Bean und Johnny English, zum Erstaunen aller Kritiker und Zuschauer so brillant verkörpert, wurden nun am 1. und 2. Weihnachtstag zwei neue spannende Verfilmungen der Kriminalromanreihe von Georges Simenon – Die Nacht an der Kreuzung und Die Tänzerin und die Gräfin – im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Downton Abbey-Regisseur Ashley Pearce, der für BBC1 und ITV1 schon seit vielen Jahren hochwertige Serien realisiert, hat diese beiden Folgen erneut eindrucksvoll inszeniert und lässt das Paris der 50er Jahre mit großer Detailtreue und atmosphärischer Dichte ein weiteres Mal lebendig werden. Dies gelingt ihm meines Erachtens meisterhaft, denn die außergewöhnlichen Episoden leben gleichermaßen von eindrucksvollen Momentaufnahmen, opulenten Bildern und düsteren Szenarien, die nicht nur ein Fest fürs Auge sind, sondern auch spannende Unterhaltung garantieren.

Die Nacht an der Kreuzung

Als man die Leiche eines Mannes in der Garage des Dänen Carl Anderson findet, der in einem Landhaus nahe Paris gemeinsam mit seiner Schwester Else lebt, fällt der Verdacht sofort auf den unnahbaren, überheblichen Skandinavier, dessen Vorliebe für Waffen von der Nachbarschaft äußerst kritisch beäugt wird. Sowohl die beiden Betreiber einer Autowerkstatt als auch der Handelsvertreter Michonnet und seine Frau, die als Köchin bei den Andersons arbeitet, trauen dem undurchsichtigen Ausländer, von dem es heißt, er schließe seine Schwester jeden Tag in ihrem Zimmer ein, nicht über den Weg.

© polyband Medien GmbH – Maigret (ROWAN ATKINSON)

Der für den Fall zuständige Inspecteur Grandjean kontaktiert seinen langjährigen Freund Maigret, als sich die Hinweise verdichten, dass Anderson mit seiner Schwester nach Paris fliehen will. Maigret lässt beide bei ihrer Ankunft verhaften – und bei dieser Gelegenheit findet sich auch die Mordwaffe. Inspecteur Grandjean ist hochzufrieden, dass er den Täter so schnell dingfest machen konnte und betrachtet den Fall als abgeschlossen. Doch Maigret hegt nach einem Verhör mit dem Verdächtigen erste Zweifel. Es gibt seines Erachtens zu viele Punkte, die nicht schlüssig sind. Als die dänische Botschaft die Identität von Anderson nicht bestätigen kann und dieser versucht, sich in der Zelle zu erhängen, weiß Maigret, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt, und er beschließt, auf eigene Faust weiter zu ermitteln – sehr zum Ärger von Inspecteur Grandjean.

© polyband Medien GmbH – Maigret (ROWAN ATKINSON)

Nach intensiven Recherchen findet Maigret schließlich heraus, wer der Tote ist: Es handelt sich um den Juwelier und Diamantenhändler Isaac Goldberg, der – so hat es den Anschein – auch als Hehler tätig war. Anderson behauptet, ihn nicht zu kennen, doch Maigret kann dies nur schwerlich glauben. Da Anderson weder seine wahre Identität noch für den Fall relevante Informationen preisgibt, veranlasst Maigret, ihn auf freien Fuß zu setzen und ihn Tag und Nacht zu überwachen. Inspecteur Grandjean ist fassungslos, er fühlt sich und seine Autorität untergraben und bricht einen handfesten Streit mit Maigret vom Zaun. Doch dieser lässt sich nicht beeindrucken und hält an seiner Strategie fest. Zu seinem Entsetzen muss Maigret feststellen, dass der Mord nur die Spitze des Eisbergs ist und dass die perfide Verschwörung, die er aufdeckt, in die eigenen Reihen führt – und zu Andersons fragiler Schwester Else, die ihm – insbesondere auf persönlicher Ebene – bereits viel zu nahe gekommen ist…

© polyband Medien GmbH
Else (MIA JEXEN), Grandjean (KEVIN R McNALLY) and Maigret (ROWAN ATKINSON)

Die Tänzerin und die Gräfin

Eines Nachts taucht die junge Nachtclubsängerin Arlette angetrunken auf dem Polizeirevier auf. Sie behauptet, nach ihrer Performance einen von zwei Männern geschmiedeten Mordplan mit angehört zu haben: Das Opfer soll eine Gräfin sein, ein Mann namens Oscar ist angeblich der Schlüssel zu allem. Maigret ist irritiert, schenkt ihrer Aussage aber Gehör, auch wenn ihre Informationen mehr als dürftig sind. Wer die Gräfin ist, kann Arlette nicht sagen, sie ist sich aber sicher, dass sie in höchster Gefahr schwebt. Noch bevor Maigret reagieren kann, schläft sie ein – nur um wenig später aus einem Alptraum hochzuschrecken und davonzulaufen, weil sie verzweifelt und wütend ist, dass man ihr nicht glaubt.

Maigret kann sich keinen Reim auf die wirren Ausführungen der Sängerin machen, aber es beschleicht ihn gegen seinen Willen ein ganz ungutes Gefühl. Und es soll ihn nicht trügen: Am nächsten Tag findet man Arlette erdrosselt in ihrer Wohnung. Maigret hat große Gewissensbisse und gibt sich die Schuld an ihrem Tod, weil er sie nicht beschützen ließ. Doch wie hätte er ahnen können, dass Arlette zum Opfer wird, wo doch eine Gräfin angeblich im Visier des Killers stand? Noch bevor er sich dieser Frage widmen kann, wird die Leiche einer heruntergekommenen morphiumsüchtigen Gräfin gefunden, die ebenfalls erwürgt wurde. Maigret ist sich sicher, dass es ein und derselbe Täter ist und befürchtet, dass dieser wieder zuschlagen wird, doch einen Beweis dafür hat er nicht – lediglich ein Bauchgefühl, das ihm keine Ruhe lässt.

© polyband Medien GmbH
Mme. Dussardier (SARA KESTELMAN) u. Maigret (ROWAN ATKINSON)

Von Dr. Bloch, dem Arzt der Gräfin, erfährt er, dass die Gräfin einen Stricher, Philippe, auf ihrem Speicher wohnen ließ, der nach dem Mord jedoch unauffindbar ist. Somit weiß Maigret nicht, wo er ansetzen soll. Seine Ermittlungen gehen ins Leere, denn es gibt offensichtlich keinerlei Verbindung zwischen Arlette und der alten Gräfin, die scheinbar überhaupt nichts gemeinsam haben. Maigret beschließt, sich ins sündige Montmartre zu begeben und sich in Arlettes Nachtclub umzuhören, während seine Männer mit Hochdruck nach Philippe suchen – und schließlich fündig werden.

© polyband Medien GmbH – Maigret (ROWAN ATKINSON)

Philippe erzählt ihnen, dass der Mörder der Gräfin, den er nicht sehen konnte, auch versucht hat, ihn zu töten, er jedoch nur mit viel Glück überlebte. Während Maigrets Kollegen dem Morphiumsüchtigen keinerlei Glauben schenken, ist der Kommissar überzeugt, endlich einen Ansatzpunkt gefunden zu haben – zumal er zwischenzeitlich Arlettes richtigen Namen in Erfahrung bringen konnte. Und so schmiedet er einen gefährlichen Plan, der den Killer in die Falle locken soll: Er setzt Philippe auf freien Fuß und lässt überall in Montmartre verbreiten, dass der junge Mann den Angriff des Mörders überlebt und sein Gesicht gesehen hat. Aber Maigret unterschätzt den Täter und gerät in Lebensgefahr, als er selbst zur Zielscheibe des Killers wird…

***

Ich kann euch diese 2. Staffel von Kommissar Maigret nur wärmstens empfehlen. Diese wunderbar nostalgischen Krimis sind superbe und machen Lust auf weitere spannende Fälle.

Besonders hervorzuheben ist die exzellente Besetzung, allen voran Rowan Atkinson, der seinen leisen Titelhelden gänzlich an Simenons literarische Schöpfung anlehnt und darüber hinaus zeigt, dass er nicht nur ein ausgezeichneter Comedian, sondern auch ein wahrer Charakterdarsteller ist. Gleiches gilt für die britische Schauspielerin Lucy Cohu, die Maigrets Ehefrau Louise mit viel Charme, Esprit und Bodenständigkeit verkörpert. Auch Maigrets Team, der coole Inspecteur Janvier (Shaun Dingwall) und der leicht arrogant wirkende Inspecteur LaPointe (Leo Starr), werden von den entsprechenden Akteuren sehr gut porträtiert.

Die Gaststars sind ebenfalls wieder erstklassig: In Folge 1 Die Nacht an der Kreuzung brillieren der renommierte deutsche Schauspieler Thomas „Tom“ Wlaschiha (Game of Thrones) in seiner Rolle als zwielichtiger Carl Anderson, die dänische Schauspielerin Mia Jexen, die ihrer Figur Else Anderson eine dramatische Dualität verleiht und der britische Mime Kevin R. McNally (Room at the Top), der als Inspecteur Grandjean eine schauspielerische Glanzleistung abliefert. In Folge 2 Die Tänzerin und die Gräfin geben die britische Theaterschauspielerin Olivia Vinall als Arlette, der britische Darsteller Sebastian de Souza als Philippe und die britische Mimin Lorraine Ashbourne als Rosa Alfonsi bemerkenswerte Kostproben ihres Talents.

Mein Fazit: Spannende Unterhaltung und ein filmischer Augenschmaus – sehr sehenswert!


Kommissar Maigret – Staffel 2: Die Nacht an der Kreuzung/Die Tänzerin und die Gräfin
Erscheinungsdatum: 27.12.2017
Deutscher Vertrieb: polyband Medien GmbH

Mein herzlicher Dank gilt der polyband Medien GmbH, München (www.polyband.de), die mir alle Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

2 Antworten

    • Liebe Petra,

      ja, mir gefällt er in der Rolle auch wirklich sehr – und ich wollte damals Staffel 1 gar nicht anschauen, weil ich dachte: Mr. Bean als Maigret? Aber die Remakes sind toll!!!

      Liebe Grüße

      Rosa

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