Zeit für Poesie

Meerfahrt

Wie so rein des Himmels Bläue
Über meinem Haupte glänzt,
Fest und licht wie ew’ge Treue,
Wandellos und unbegrenzt!

Gleich dem ew’gen Frieden schimmert
Ruhig, klar und blau das Meer;
Wie die heil’ge Liebe flimmert
Hell die Sonne drüberher.

Frei und leicht auf freien Wogen
Zog das Schiff die ebne Bahn,
Stolz die weißen Segel flogen
Wie der Freiheit Siegesfahn‘.

Sonne, Meer und Himmelsbläue,
Nichts ums Schiff sonst ringsumher!
Liebe, Freiheit, Fried‘ und Treue!
Ei, was willst du denn noch mehr? –

Ach, wenn nur der Wind vom Lande
Mir ein grünes Blatt allein,
Eine Blüte nur vom Strande
Wehte in das Schiff hinein!

Anastasius Grün (1806 – 1876)


Quelle: Wüstner, Andrea (Hrsg.). Das Meer – Gedichte. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH & Co., S. 29.

Foto: © Ana – https://instagram.com/ana_thira/

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