Das Crime Drama „100 Code“
Nordic Noir der Extraklasse

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Kürzlich bin ich auf ein Crime Drama gestoßen, das mich bis zur letzten Minute in Atem gehalten hat: 100 Code, eine schwedisch-deutsche Ko-Produktion, die absolut fesselnd ist. Die Serie basiert auf Merrick, einem Roman des irischen Schriftstellers Ken Bruen und wurde von Regisseur und Oscar-Preisträger Bobby Moresco, der u.a. mit dem Drama L.A. Crash und Filmen wie Million Dollar Baby und Streets of Philadelphia berühmt wurde, meisterhaft adaptiert. Auch die Besetzung ist erstklassig: In den Hauptrollen sind der schwedische Schauspieler Michael Nyqvist, bekannt u.a. aus Stieg Larssons Millenium-Trilogie und Mission Impossible 4, und der britische Mime Dominic Monaghan, den man aus Herr der Ringe und Lost kennt, zu sehen.

Die 1. Staffel, die aus zwölf Folgen besteht, wurde 2015 erstmals auf dem Pay-Sender Sky ausgestrahlt, bevor zdf neo sie im letzten Jahr allen Zuschauern zugänglich machte. Trotz der späten Ausstrahlung (22.30 h) verzeichnete das Drama gute Einschaltquoten, was nicht verwundert, denn es hat eine ganz besondere Sogwirkung. Der Plot hat es in sich – man möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Und immer dann, wenn man meint, die Auflösung zu kennen, wird man eines Besseren belehrt. Das macht für mich auch den speziellen Reiz des Genres Nordic Noir aus, das Spannung und Nervenkitzel mit Anspruch und Qualität verbindet.

100 Code 2 actors

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Tommy Conley (Dominic Monaghan) und Mikael Eklund (Michael Nyqvist)

Zwei ungleiche Partner

Als der NYPD-Ermittler Tommy Conley (Dominic Monaghan) bei seiner – bisher erfolglosen – Jagd nach einem Serienkiller auf einen ähnlich gelagerten Fall in Schweden stößt, reist er nach Stockholm, um in Zusammenarbeit mit den schwedischen Kollegen seinen Verdacht zu verifizieren, dass es sich um ein und denselben Täter handelt. Der Killer hat es stets auf junge blonde Frauen abgesehen, die er jedes Mal in den Wintermonaten nach einem absonderlichen rituellen Muster tötet und sie nahe am Wasser zwischen gelben Aphrodill-Blumen ablegt.

Conley ist nach einem traumatischen Erlebnis übermotiviert, doch die Hilfsbereitschaft der Stockholmer Mordkommission hält sich in Grenzen. Insbesondere der erfahrene Teamleiter Mikael Eklund (Michael Nyqvist) ist ausgebrannt und hat keine Lust, sich hier zu engagieren. Nach dem tragischen Krebstod seiner Frau möchte er seinen zeit- und nervenaufreibenden Job gegen eine Tätigkeit im erfolgreichen Sicherheitsunternehmen seines Freundes eintauschen und sich mehr um seine 17-jährige Tochter Hanna (Felice Jankell) kümmern, die sehr unter dem Verlust ihrer Mutter leidet. Aber seine Vorgesetzte Karin Hammar (Charlotta Jonsson) lässt Eklund keine Wahl: Sie geht – zum Schein – auf seinen Kündigungswunsch ein, um ihn zu beschwichtigen und schlägt vor, diesen bizarren Mordfall als seinen letzten zu betrachten.

100 Code Nyqvist

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Mikael Eklund (Michael Nyqvist)

Persönliche Dämonen

Widerwillig stimmt Eklund zu, um sich dann mit seinem amerikanischen Kollegen auf Spurensuche zu begeben. Doch die Zusammenarbeit der beiden gestaltet sich äußerst schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Conley traut niemandem und gibt wichtige Informationen zu den New Yorker Fällen nur zögerlich preis, was Eklund schier wahnsinnig macht. Als Conley ihm – viel zu spät – berichtet, dass er den mythologischen Charakter der Morde entschlüsseln konnte, flippt Eklund aus und weigert sich, weiter mit ihm zu kooperieren.

Doch dann geschehen weitere Morde im gleichen Stil, und Eklunds Ehrgeiz ist geweckt. Er hadert zwar mit seinen Selbstvorwürfen, nie genug Zeit für seine kranke Frau und seine Tochter gehabt zu haben, doch er muss schließlich erkennen, dass er mit Leib und Seele Ermittler ist und seine Arbeit immer Vorrang haben wird – egal, wie sehr er sich auch dafür hasst. Auch Conley geht es nicht anders: Er kämpft mit seinen Dämonen und dämpft seine permanente Ruhelosigkeit mit Schlafmitteln, die er sich illegal verschafft. Für den Tod seines Kollegen und für den Mord an seiner großen Liebe Maggie gibt er sich die Schuld, seine Gewissensbisse lassen ihn nicht los. Das Einzige, was ihn aufrecht hält, ist die Jagd nach dem brutalen Täter, der scheinbar immer einen Schritt voraus ist.

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Mikael Eklund (Michael Nyqvist), Tommy Conley (Dominic Monaghan) und Team

Auf der Suche nach einem Phantom

Conley und Eklund raufen sich zusammen und kommen dem Täter schließlich immer näher. Die Spur führt nach intensiven Recherchen schließlich zu zwei Verdächtigen, die sich zum Zeitpunkt der Morde in New York und Stockholm aufhielten: Ein Zahnarzt und ein Universitätsprofessor. Als man den Täter im Visier zu haben glaubt und ihn schließlich stellen kann, sagt dieser kurz vor seinem Tod etwas, das Conley und Eklund zutiefst schockiert und ihnen unmissverständlich klar macht, dass sie von der Lösung der unheimlichen Mordfälle weit entfernt sind und wieder ganz von vorne anfangen müssen.

Aber Conley und Eklund, die mittlerweile festgestellt haben, dass sie trotz aller Unterschiedlichkeiten als Ermittlerduo sehr gut funktionieren, geben nicht auf und wagen einen erneuten Anlauf. Und sie werden fündig: Im Dark Net, der dunklen, abgründigen Seite des Internets, stoßen sie mit Hilfe ihres cleveren neuen Teammitglieds, einem jungen Hacker, auf den mysteriösen L.H., einen gefährlichen Manipulator, der Menschen für seine Zwecke instrumentalisiert und sie regelrecht zum Töten „abrichtet“. Um dieses Phantom so schnell wie möglich zu identifizieren und weitere Morde zu verhindern, wollen ihm Conley und Eklund eine Falle stellen, doch sie unterschätzen L.H. gewaltig und geraten – ohne es auch nur zu ahnen – bald in tödliche Gefahr…

Hochspannende Serie mit vielen unerwarteten Wendungen

100 Code ist für mich die spannendste Serie, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Als Zuschauer wusste ich nie, was mich als nächstes erwartet, denn nichts ist sicher, nichts vorhersehbar – wie die Ermittler tappt man zunächst völlig im Dunkeln. Das nervenaufreibende Plot und die vielschichtigen, zerrissenen Charaktere tun ihr übriges, um uns sogartig in diese brillant konzipierte Geschichte zu ziehen und uns bis zum explosiven Cliffhanger-Finale nicht mehr loszulassen.

Die Serie lebt in erster Linie von den exzellenten schauspielerischen Leistungen der Hauptakteure: Michael Nyqvist ist großartig als jobmüder, grüblerischer Ermittler Eklund, der verzweifelt versucht, sich seiner Tochter nach dem Tod seiner Frau wieder anzunähern und den Spagat zwischen Job und Privatleben zu schaffen. Gleiches gilt für Dominic Monaghan als Tommy Conley, der nach dem Tod seines Kollegen und seiner Freundin nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Doch weder er noch Eklund lassen ihre Verzweiflung Oberhand gewinnen: Sie kämpfen mit sich – und ihrem unsichtbaren Gegner -, weil sie tief in ihrem Inneren trotz allem hoffen, dass am Ende vielleicht doch alles gut wird. Ob sich dies als Trugschluss erweist, sei an dieser Stelle nicht verraten.

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Tommy Conley (Dominic Monaghan), Mikael Eklund (Michael Nyqvist) und Team

Auch die Nebenrollen sind sehr gut besetzt: Felice Jankell als Eklunds Tochter Hanna ist eine echte Neuentdeckung. Sie spielt ihre schwierige Rolle sehr berührend und realitätsnah. Dies trifft ebenso auf Peter Eggers zu, der Hannas undurchsichtigen Freund Göran äußerst bedrohlich porträtiert. Auch Eklunds Team, Ebba, Björn und Phille, ist mit den Akteuren Cecilia Häll, Danilo Bejarano und Kristoffer Berglund spritzig gecastet.

Alles in allem ist 100 Code für mich der Geheimtipp unter den Serien und absolut sehenswert. Der Titelsong Hard Time der schwedischen Sängerin Seinabo Sey hat übrigens absoluten Ohrwurmcharakter.


100 Code
Produktionsland: Schweden
Deutscher Vertrieb: polyband Medien GmbH, München

Mein herzlicher Dank gilt der polyband Medien GmbH, München (www.polyband.de), die mir alle oben aufgeführten Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

4 Antworten

  1. Liebe Rosa,

    100 Code ist ein echter Geheimtipp – ich habe die Serie auch gesehen und war begeistert. Hoffentlich erscheint Staffel 2 bald bei uns. Wie immer, eine sehr schöne Besprechung.

    Liebe Grüße

    Ana

    • Liebe Ana,

      es ist wirklich ein Geheimtipp. Ich habe selten so eine hochspannende Serie gesehen.

      Mal schauen, wie es weitergeht…

      Liebe Grüße

      Rosa

  2. Liebe Rosa,

    das ist ja genau nach meinem Geschmack. Ich schaue im Moment relativ viele Serien und Filme. Da kann ich gut abschalten und war schon länger auf der Suche nach schwedischen Filmen und Serien. „Die Brücke“ hat es mir auch sehr angetan, aber leider kommt da ja scheinbar nichts Neues mehr.

    Danke für den Tipp und viele liebe Grüße,

    Sarah

    • Liebe Sarah,

      wie schön, wieder von dir zu hören. Und dein Blog ist auch neu (gefällt mir sehr).

      Ich bin im Moment auch auf Serien fixiert. Es gibt ja eine große Auswahl, aber nur einige wenige sind richtig gut. „Die Brücke“ kenne ich nicht – da muss ich unbedingt mal reinschauen.

      Liebe Grüße und bis bald

      Rosa

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