„Mr. Bean“ gets serious:
Rowan Atkinson als Kommissar Maigret

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Als ich hörte, dass der britische Komiker und Schauspieler Rowan Atkinson die Hauptrolle in zwei Film-Remakes der Georges-Simenon-Klassiker um Kommissar Maigret – Die Falle und Ein toter Mann – übernimmt, war ich mehr als überrascht. Ich konnte mir nur schwer vorstellen, dass der brillante Comedian die Rolle des wortkargen Kultkommissars spielen kann, ohne dass der Zuschauer dabei ständig an seine Paraderolle des Mr. Bean erinnert wird. Doch Atkinson gelingt dieser Wechsel ins seriöse Fach mit Bravour. Seine Darstellung des stillen Grüblers Maigret ist erstklassig. Angesichts der Schauspielgrößen, die diese Rolle vor ihm porträtierten – u.a. Jean Gabin, Rupert Davies, Jean Richard, Bruno Cremer und Michel Gambon – war dies nicht gerade ein leichtes Unterfangen, doch es ist ihm hervorragend gelungen, in diese übergroßen Fußstapfen zu treten und der Rolle des Maigret darüber hinaus seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken.

Downton Abbey-Regisseur Ashley Pearce, der für BBC1 und ITV1 schon seit vielen Jahren hochwertige Serien realisiert, hat diese beiden Remakes eindrucksvoll inszeniert und lässt das Paris der 50er Jahre mit großer Detailtreue wieder lebendig werden. In Großbritannien kamen die Neuverfilmungen sehr gut an: Mehr als 7 Millionen Zuschauer sahen die beiden Folgen und waren von Atkinsons Maigret-Darstellung sehr angetan. Zwei weitere Adaptionen wurden bereits in Auftrag gegeben. Auch bei uns wurde die Filmreihe, die von der ARD erst kürzlich ausgestrahlt wurde, sehr gut angenommen, so dass zu hoffen ist, dass die deutschen Zuschauer auch in den Genuss der beiden weiteren Produktionen kommen.

Picture shows: (L-R) Janvier (SHAUN DINGWALL), Jules Maigret (ROWAN ATKINSON), Lapointe (LEO STAAR)

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Janvier (SHAUN DINGWALL), Maigret (ROWAN ATKINSON), Lapointe (LEO STAAR)

Die Falle

Ein Serienmörder versetzt die Einwohner des Pariser Stadtteils Montmartre in Angst und Schrecken. Bereits vier Frauen sind dem Killer in kurzer Zeit zum Opfer gefallen: Brutal erstochen und mit zerschnittenem Kleid fand man sie in einer dunklen Gasse des belebten Künstlerviertels. Das Team um den introvertierten, Pfeife rauchenden Kommissar Maigret fahndet mit Hochdruck nach dem Täter, doch es gibt nicht den kleinsten Hinweis. Die Opfer – eine Prostituierte, eine Hebamme, eine Schneiderin und eine Postangestellte – verbindet scheinbar nichts miteinander, außer dass alle dunkelhaarig sind.

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Allg. Filmszene

Als dann ein fünftes Opfer gefunden wird, eine Hausfrau und vierfache Mutter, gerät Maigret immer mehr unter Druck. Die Presse belagert ihn, und sein Vorgesetzter droht, ihm den Fall zu entziehen. Da er nicht noch ein weiteres Menschenleben riskieren will, beschließt Maigret, dem aufmerksamkeitsheischenden Täter eine Falle zu stellen und täuscht die Verhaftung eines Verdächtigen vor, um den Mörder aus der Reserve zu locken. Zeitgleich schickt er abends einige weibliche dunkelhaarige Undercover-Polizistinnen, die als Lockvögel fungieren, und zahlreiche männliche Polizisten in Zivil durch Montmartre, doch der klug konzipierte Plan misslingt: Der Täter greift zwar eine Undercover-Polizistin an, kann jedoch trotz aufwendiger Verfolgungsjagd entkommen. Doch es gibt endlich ein winziges Indiz: Bei ihrem Kampf mit dem Killer konnte die Polizistin ihm einen Knopf inkl. Stoff von seinem Mantel abreißen. Die Spur führt in gut situierte Kreise und zu einem Gegner, der schwer zu fassen ist…

Ein toter Mann

Maigret erhält den Anruf eines total verängstigten, gehetzten Mannes, der ihn aus einem Café kontaktiert. Er ist auf der Flucht vor zwei Verfolgern, die ihn töten wollen und bittet Maigret verzweifelt um Hilfe. Obwohl der Kommissar den Anrufer etwas merkwürdig findet, bittet er ihn, dort zu warten und schickt sofort seine Männer zu ihm. Doch als sie eintreffen, ist er bereits verschwunden. Niemand kennt seinen Namen, der Kellner beschreibt ihn als kleinen, untersetzten Mann mit Regenmantel. Maigret kann sich dies alles nicht erklären – da meldet sich der völlig aufgelöste Anrufer erneut und bittet um ein dringendes Treffen. Der Kommissar willigt ein, doch zu einer persönlichen Begegnung der beiden kommt es nicht mehr: Der Mann wird wenig später tot auf der Straße gefunden. Maigret ist entsetzt angesichts der Schwere seiner Verletzungen und nimmt sofort die Ermittlungen auf, die sich allerdings als äußerst schwierig erweisen. Das Opfer ist nicht zu identifizieren, hat keine Papiere und wurde auch nicht als vermisst gemeldet.

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Lognon (COLIN MACE), Maigret (ROWAN ATKINSON)

Für Maigrets Chef ist angesichts der grausamen Vorgehensweise klar, dass es sich um ein Verbrechen der Unterwelt handeln muss. Er bittet ihn, die Akte zu schließen und den lokalen Kommissar Colombani bei der Aufklärung dreier brutaler Morde in der Picardie zu unterstützen. Aber Maigret glaubt nicht an die Theorie der Unterwelt und meldet sich krank. Heimlich ermittelt er mit seinem Team weiter: Er lässt das Gesicht des Opfers rekonstruieren und gibt die entsprechende Zeichnung an die Zeitungen. Darüber hinaus lässt er nach dem blauen Auto fahnden, das ein Zeuge in der Tatnacht davonrasen sah und von dem er sich die beiden letzten Ziffern merken konnte.

Als Maigret sich bereits am Ende seiner Möglichkeiten sieht, erscheint eine alte Dame auf dem Kommissariat, der der Wagen ganz in ihrer Nähe vor dem Bistro Le Petit Albert aufgefallen ist. Und endlich gelingt Maigret und seinem Team ein kleiner Durchbruch: Das verwüstete Bistro weist diverse Blutspuren auf, der Tote wird schließlich als Bistrobesitzer Albert Rochain identifiziert. Von seiner Frau Nina fehlt jede Spur. Wie Maigret schon richtig vermutete, gehörte Rochain keineswegs zur Unterwelt, obwohl er Pferdewetten nicht abgeneigt war. Dies macht den grausamen Mord umso mysteriöser. Als der Fall stagniert, greift Maigret zu einer List: Gemeinsam mit seiner Frau eröffnet er das Bistro wieder und hofft so, etwas Staub aufzuwirbeln: Aber er unterschätzt die große Gefahr, in die er und Louise sich begeben, denn der Fall nimmt ein erschreckendes Ausmaß an, als er erkennt, dass es eine Verbindung zu den grausigen Morden in der Picardie gibt…

***

Mir haben diese neuen Maigret-Verfilmungen sehr gut gefallen. Die Rollen sind bis in die kleinsten Nebenfiguren hervorragend besetzt. Rowan Atkinson, der seinen Part als Kommissar Maigret ganz an Simenons Charakterisierung anlehnt, ist in diesem Genre eine echte Neuentdeckung. Er verleiht seinem schweigsamen, nachdenklichen Protagonisten, der nur in wenigen Augenblicken höchster Anspannung die Contenance verliert, eine besonnene, kontrollierte Ausstrahlung. Auch sein Team, der coole Janvier (Shaun Dingwall), der leicht arrogant wirkende Lapointe (Leo Starr) und der bodenständige Lognon (Colin Mace) werden von den entsprechenden Akteuren sehr gut porträtiert. Besonders hervorzuheben ist noch die britische Schauspielerin Lucy Cohu, die Maigrets Ehefrau Louise mit viel Charme und Esprit verkörpert.

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Lapointe (LEO STAAR), Janvier (SHAUN DINGWALL), Yvonne Moncin (REBECCA NIGHT), Jules Maigret (ROWAN ATKINSON)

Auch die Gaststars können sich sehen lassen: Die renommierte Theaterschauspielerin Fiona Shaw brilliert in ihrer Rolle in Folge 1 Die Falle. Gleiches gilt für David Dawson (Ripper Street, Die Borgia), Rebecca Night (Wuthering Heights, Rebecca) und John Light (A Quantum of Solace).

Ich empfehle euch diese Neuinszenierungen der Maigret-Romane wirklich sehr. Diese nostalgischen Krimis sind erstrangig und machen Lust auf weitere spannende Fälle. Beide Folgen sind auf DVD/blu-ray im Handel erhältlich.


Kommissar MaigretDie Falle/Ein toter Mann
Erscheinungsdatum: 9.1.2017
Deutscher Vertrieb: polyband Medien GmbH

Mein herzlicher Dank gilt der polyband Medien GmbH, München (www.polyband.de), die mir alle Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

6 Antworten

  1. Liebe Rosa,

    ich habe beide Folgen gesehen und war echt überrascht, wie gut er als Kommissar Maigret ist.

    Mr. Bean war ja nie ganz mein Ding, aber als Maigret finde ich ihn klasse.

    Tolle Rezension und super Fotos!

    Liebe Grüße

    Danielle

    • Liebe Danielle,

      wie schön, wieder mal von dir zu lesen.

      Als Mr. Bean fand ich Rowan Atkinson toll, unübertroffen war er für mich allerdings als Black Adder und Johnny English. Das ist genau mein Humor.

      Und auch als Maigret ist er exzellent. Es freut mich sehr, dass dir die Neuadaptionen auch so gut gefallen haben (und dass du meine Rezension magst :)).

      Liebe Grüße

      Rosa

    • Liebe Petra,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar.

      Ich war auch zuerst etwas skeptisch, aber Maigret/Atkinson passte einfach so gut. Und was die Ausstattung anbelangt, kann ich dir nur zustimmen. Da stimmte einfach jedes Detail. Der Regisseur hat ja schon Downton Abbey gemacht – diese Serie ist genauso detailgetreu.

      Liebe Grüße

      Rosa

  2. Oh spannend! Die Romane kenne ich ja gar nicht und von den bisherigen Inszenierungen wusste ich auch nichts – ich bin also gerade durch deinen Artikel schlauer geworden. 🙂 Aber mir stach die DVD sofort ins Auge, weil der Komissar so ähnlich heißt wie einer meiner Lieblingskünstler René Magritte.
    Ich habe auch große Lust mal Rowan Atkinson in einer ernsten Rollen zu sehen. Vor vielen Jahren habe ich das schon mal, kann mich aber beim besten Willen nicht mehr an den Film erinnern.

    • Liebe Miss Booleana,

      wie schön, wieder mal von dir zu lesen.

      Ja, die Maigret-Romane sind leider in Vergessenheit geraten, sie werden meines Wissens auch gar nicht mehr aufgelegt, was wirklich schade ist. Gebraucht bekommt man sie allerdings noch.

      In einer ernsten Rolle ist Atkinson auch richtig gut. Wenn du dich wieder erinnerst, wie der „ernste“ Film mit ihm hieß, den du gesehen hast, sag Bescheid. Den würde ich mir auch gerne ansehen.

      Hast du noch eine spannende Blogparade für 2017 geplant? Ich wäre dann gerne wieder mit dabei.

      Liebe Grüße

      Rosa

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