Der Blogventskalender 2016

advent

In diesem Jahr mache ich mal bei einem kunterbunten Blogger-Adventskalender mit. Normalerweise bin ich ja bei Bücher-Blogger-Adventsaktionen dabei, aber dieses Mal habe ich mich für eine Blog-Vielfalt entschieden, die sich im Blogventskalender 2016 (unter diesem Link sind alle beteiligten Blogger aufgeführt) zusammengefunden hat. Bei dieser spritzigen Blogger-Mischung findet sich hinter jedem der 24 Türchen eine spezielle Überraschung: Rezensionen, Bastelanleitungen, Rezepte, Mode u.v.m. Da ist für jeden etwas dabei. Ich möchte mich ganz herzlich bei Tabea (Blog: Habutschu) bedanken, die mit viel Geduld und Organisationstalent alle Parteien in diesen außergewöhnlichen Kalender integriert hat. Es hat wirklich großen Spaß gemacht, dabei zu sein!

Hinter meinem heutigen Türchen 8 verbirgt sich eine ganz besondere Leseempfehlung: Anne Perrys historischer Kriminalroman Der Weihnachtsverdacht, der im viktorianischen London spielt. Lasst euch überraschen – vorab nur so viel: Ihr könnt euch auf ein spannendes Abenteuer freuen.

Anne Perry: Der Weihnachtsverdacht

Das Genre Historische Romane trifft nur sehr selten meinen Geschmack, da müssen es wirklich schon spezielle, sehr gute Bücher sein.  Wenn ich Werke aus diesem Segment auswähle, dann sind es zumeist historische Krimis, denn hier gibt es einige brillante und bemerkenswerte Romane mit Lokalkolorit, die ich sehr mag. Hierzu gehören auch die Erzählungen von Anne Perry, die alle im viktorianischen London spielen und immer ein Lesegenuss der ganz besonderen Art sind. Das Buch, das ich euch heute vorstelle, Der Weihnachtsverdacht, zählt zu den beliebten Christmas Novels der Autorin, von denen ich bisher keinen Band versäumt habe, denn sie sind immer eine äußerst fesselnde Feiertagslektüre. Auch dieses Mal entführt uns Perry wieder ins vorweihnachtliche London, wo uns ein mysteriöser, spannender Fall erwartet.

Ein gefährliches Versprechen

Henry Rathbone verspricht seinem verzweifelten Freund James Wentworth, dessen Sohn Lucien ausfindig zu machen, der in schlechte Gesellschaft geraten und in der Unterwelt der pulsierenden Metropole spurlos verschwunden ist. Wentworth hatte zuvor alles versucht, um Lucien aus dem Sumpf von Alkohol- und Opiumexzessen zu befreien und ihn vor weiteren Ausschweifungen zu bewahren, doch nichts konnte den genusssüchtigen attraktiven Frauenhelden zur Rückkehr bewegen. Obwohl Rathbone keine große Hoffnung hat, Lucien zu finden, geschweige denn, ihn wieder in die Obhut seines Vaters zu katapultieren, macht er sich auf die Suche. Doch wo soll ein Gentleman wie er beginnen? Er hat weder Beziehungen zur Londoner Unterwelt noch kennt er dubiose Gestalten, die eventuell wissen könnten, wo sich Wentworths Sohn aufhält.

Zwei kuriose Gehilfen

Da fällt ihm Hester Monk ein, die vor einigen Jahren beinahe seine Schwiegertochter geworden wäre, sich aber dann gegen seinen Sohn Oliver, einen berühmten Anwalt, entschieden hatte, weil die beiden letztendlich doch zu verschieden waren. Hester, eine engagierte und patente Krankenschwester, arbeitet in einer Klinik, wo sie sich primär um die Sozialschwachen und hier insbesondere um Prostituierte kümmert. Henry hofft, entweder von Hester oder eventuell von ihren Patientinnen einen Hinweis auf Luciens Aufenthaltsort zu erhalten. Doch zu Henrys Enttäuschung ist Hester momentan unabkömmlich, da sich die Notfälle in der Klinik häufen, so dass er lediglich auf den Buchhalter Squeaky Robinson trifft. Doch bei ihm ist Henry genau an der richtigen Adresse, denn Squeaky war ein ehemaliger Bordellbesitzer, bevor ihm dank Hester der Absprung gelang. Squeaky hat noch beste Kontakte zur Londoner Unterwelt, die er allerdings nur ungern reaktivieren möchte, weil er mit seinem alten Leben abgeschlossen hat. Doch Henrys Entschlossenheit imponiert ihm, und so bietet er ihm seine Hilfe an. Ein alter Freund von Squeaky ist dabei allerdings unerlässlich: Crow, ein Armendoktor, der vorwiegend Obdachlose, Kleinkriminelle und Prostituierte behandelt und der Londons dunkle Viertel ebenfalls sehr gut kennt.

Abstieg in die Unterwelt

Und so machen sich Squeaky und Crow auf, um Lucien zu finden. Doch das gestaltet sich äußerst schwierig, denn niemand will reden. Sie erfahren lediglich, dass Lucien ständig unter Drogen und unter dem Einfluss seiner verdorbenen schönen Geliebten Sadie stehen soll, der er hörig ist und die ihn mit in den Abgrund gezogen hat. Mehr erfahren sie nicht, denn alle schweigen wie ein Grab. Squeaky und Crow beschließen daraufhin, Henry zu empfehlen, die Suche abzubrechen, da sie das Milieu gut genug kennen, um zu wissen, dass Lucien entweder nicht gefunden werden will oder schon tot ist. Doch sie haben die Rechnung ohne Henry gemacht, der keinesfalls bereit ist, jetzt schon aufzugeben. Und so bleibt den beiden nichts anderes übrig, als mit Henry an ihrer Seite ein weiteres Mal auf die Suche zu gehen. Mit Hilfe der jungen Kellnerin Bessy werden sie durch Zufall auf einen bizarren Doppelmord aufmerksam, in den Lucien und Sadie offenbar verwickelt sind. Und so geraten sie immer tiefer in die Abgründe Londons, die sie am Ende ihrer düsteren Odyssee zum gefürchteten Schattenmann führen, der alle Fäden in der Hand zu halten scheint…

Ein spannendes Abenteuer in Londons Schattenwelt

Anne Perrys historische Romane sind sehr lesenswert. Nie gleicht eine Geschichte der anderen, jede Erzählung hat ihr ganz eigenes Momentum. Ihre Charaktere heben sich wohltuend von den genreüblichen Stereotypen ab: Sie sind normal, außergewöhnlich, manchmal etwas hausbacken, manchmal leicht schrill und ausgefallen – aber immer very British. Dies ist auch bei dem hier vorgestellten Roman nicht anders. Das Team, das hier das mysteriöse Verschwinden von Lucien Wentworth ergründet, passt auf den ersten Blick so gar nicht zusammen. Und doch sind Upper Class Gentleman Henry, der ehemalige Bordellbesitzer Squeaky und der zwielichte Doktor Crow ein perfektes Gespann, das sich trotz aller Unterschiede zusammenrauft und sich in ein riskantes Unterfangen stürzt. Ihr lebensgefährliches Abtauchen in Londons dunkelstes Labyrinth ist ein packendes, sehr unterhaltsames Abenteuer, das wieder einmal mehr beweist, dass Anne Perry eine der besten Autorinnen dieses Genres ist.

Anne Perry: Britische Schriftstellerin mit Fokus auf historische Kriminalromane

Anne Perry wurde 1938 in Blackheath/London als Tochter eines Physikers geboren. Da sie bereits in frühester Jugend an Tuberkulose erkrankte, lebte sie einige Jahre auf den Bahamas und in Neuseeland, wo sich ihr Zustand besserte.

In den 60er Jahren entdeckte Perry die Schriftstellerei für sich, doch erst 1979 nach einer langen Durststrecke, in der sie sich mit vielen unterschiedlichen Jobs finanzierte, gelang ihr mit ihrem ersten historischen Kriminalroman Der Würger von der Caterstreet (The Cater Street Hangman) der literarische Durchbruch. Sie erfand die populären Krimireihen um den Polizisten Thomas Pitt und seine Frau Charlotte ebenso wie die Romanserie mit Privatdetektiv William Monk und Hester Latterly, die beide im spätviktorianischen England spielen. Darüber hinaus konzipierte sie noch die Krimireihe um Vikar Joseph Reavley, die historische Serie um Célie Laurent, einen Fantasyzyklus und die Christmas Novels, die sich sehr großer Beliebtheit erfreuen. Außerdem ist sie Herausgeberin zweier Kriminal-Anthologien.

Perrys Romane wurden millionenfach verkauft und in diverse Sprachen übersetzt. Sie zählt zu den erfolgreichsten Schriftstellerinnen historischer Kriminalromane in Großbritannien.

Die Autorin lebt heute in Schottland. Weitere Informationen über Anne Perry findet ihr auf ihrer Website www.anneperry.co.uk, der ich auch ihre biografischen Angaben entnommen habe.


Originalausgabe: Perry, Anne. A Christmas Odyssey. London: Headline Publishing Group, 2010.
Deutsche Ausgabe: Perry, Anne. Der Weihnachtsverdacht. Aus dem Englischen von Regina Schirp. München: Wilhelm Heyne Verlag/Verlagsgruppe Random House GmbH, 2011.
Buchcover: www.randomhouse.de
Bildnachweis: Shutterstock – © Marianna Pashchuk

4 Antworten

    • Liebe Nila,

      oh, super! Ich bin mal gespannt, ob dir der Roman gefällt. Ich finde, es ist eine spannende Weihnachtslektüre!

      Viele Grüße

      Rosa

  1. Hihi, den Dank kann ich eigentlich nur zurückgeben, denn ich bin unheimlich froh, so viele tolle und nette Blogger gefunden zu haben, die etwas für den Kalender schreiben!

    Krimis sind ja eher weniger mein Genre, aber diesen hier könnte ich mir gut als Geschenkidee für das nächste Jahr für meine Mama vorstellen.

    Kann es eigentlich sein, dass Krimis sehr oft in London spielen? Irgendwie kommt es mir so vor 😉

    Also diese Vorstellung des Weihnachtsverdachts ist dir echt gelungen! Spitze 🙂

    Liebe Grüße

    • Liebe Tabea,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar und dein Lob! Das freut mich wirklich sehr.

      Ich finde es auch toll, dass alle Blogger so fleissig mitschreiben.

      Ja, die Krimis von Anne Perry spielen fast alle im spätviktorianischen London.

      Ich wünsche dir einen schönen 3. Advent.

      Liebe Grüße

      Rosa

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