Serientipp: Profiling Paris (Profilage)

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Heute möchte ich euch eine ganz besondere französische Krimireihe vorstellen: Profiling Paris (Profilage). Mittlerweile sind fünf Staffeln auf Sat1 gelaufen – die sechste hat gerade begonnen – und noch immer hat die von Gwendale Schmitz produzierte Serie klug konzipierte und außergewöhnlich spannende Fälle zu bieten. Dies ist meines Erachtens gerade in diesem kurzlebigen Genre eine absolute Seltenheit. Profiling Paris wird seit 2009 in Frankreich von TF1 ausgestrahlt und war dort ein absoluter Überraschungserfolg. In relativ kurzer Zeit erreichte der Quotenhit ein internationales Standing mit einer weltweit stetig wachsenden Fangemeinde. Seit 2015 ist die Serie auch in Deutschland etabliert, wo sie von den Zuschauern ebenfalls sehr gut angenommen wird. Seinen ungebrochenen Erfolg verdankt dieses Serien-Highlight in erster Linie den exzellenten Charakterdarstellern, allen voran Odile Vuillemin und Philippe Bas, die jeder Folge ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken. In den jeweils aktuellen Fall sind immer auch die privaten Lebensgeschichten und persönlichen Schicksale der Protagonisten eingebunden, was den ganz besonderen Reiz dieser Serie ausmacht. Alle diese Facetten fließen zusammen und machen Profiling Paris zu einer der besten Krimireihen der letzten Jahre.

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Chloé Saint-Laurent (Odile Vuillemin) und Matthieu Pérac (Guillaume Cramoison)

Die Profilerin, Kriminologin und Psychologin Chloé Saint-Laurent (Odile Vuillemin) wird als Beraterin des Teams der von Hauptkommissar Matthieu Pérac (Guillaume Cramoisan) geleiteten Mordkommission engagiert. Dieser ist nicht gerade erfreut, denn er hält nichts von Profilern und schon gar nichts von Psychologen. Hinzu kommt, dass Chloé mit ihren leuchtend roten Haaren, ihrer großen gelben Handtasche und den High Heels, auf denen sie nicht wirklich laufen kann, eine äußerst gewöhnungsbedürftige Persönlichkeit ist, die mit ihrer Art die normale Polizeiarbeit des Öfteren torpediert. So wird Chloé denn auch von Péracs Team mit gemischten Gefühlen aufgenommen: Während sie dem Computerexperten Hippolyte „Hippo“ de Courtène (Raphaël Ferret) sofort sympathisch ist, steht Kommissarin Frédérique „Fred“ Kancel (Vanessa Valence) ihr anfänglich sehr skeptisch gegenüber. Einzig Chloés Chef und Leiter des Teams, Grégoire Lamarck (Jean-Michel Martial), ist ihr sehr wohlgesonnen. Er war es auch, der sich nach einem schrecklichen Erlebnis ihrer annahm und ihr den Job verschaffte, obwohl ihm bewusst war, dass es nicht einfach sein würde, sie einzugliedern.

Aber schon bald wird sie für das Team unentbehrlich, denn dank ihrer einzigartigen Gabe, sich in Täter und Opfer gleichermaßen hineinzuversetzen, löst sie so manchen undurchschaubaren Fall – wenn auch auf ihre ganz eigene chaotische Weise. Trotz allem traut Pérac seiner Profilerin jedoch nicht so recht über den Weg, da sie gemäß seinen Recherchen kein Vorleben zu haben scheint, bis er schließlich ihr schreckliches Geheimnis entdeckt, das ihr konfuses Verhalten erklärlich macht. Ganz langsam fasst auch Chloé Vertrauen zu Pérac und offenbart ihm das dunkelste Kapitel ihres Lebens, mit dem sie nicht abschließen kann. Es entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden, die mit seinem dramatischen Tod ein jähes Ende findet.

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„Fred“ Kancel (Vanessa Valence), „Hippo“ Courtène (Raphaël Ferret)
und Thomas Rocher (Philippe Bas)

Chloé ist am Boden zerstört und zerbricht fast daran. Sie zieht sich völlig zurück und versucht, in einem abgeschiedenen Haus auf dem Land die Geschehnisse zu verarbeiten. Doch viel Zeit bleibt ihr nicht, denn der neue Kommissar, Thomas Rocher (Philippe Bas), benötigt dringend ihre Hilfe, um einen äußerst brutalen Serienmörder zu fassen. Von Lamarcks Bitte, Chloé noch etwas Zeit zu geben, hält Rocher nicht viel: Er spürt sie in ihrem Versteck auf und bittet sie ohne Umschweife um ihre Unterstützung. Obwohl sich Chloé so gar nicht mit Rochers autoritärer Art anfreunden kann – er ist schroff, direkt und kurz angebunden -, sieht sie sich den Fall an und ermittelt auf eigene Faust. Und so gerät sie – ohne es zu wollen – ganz langsam wieder in ihren Profiler-Alltag und kehrt zur Mordkommission zurück – sehr zur Freude ihrer Kollegen Hippo und Fred, die sie mittlerweile ins Herz geschlossen haben. Mit Rocher tut sie sich allerdings immer noch schwer, denn er hat nicht viel übrig für Chloés oftmals bizarre Herangehensweise und schon gar nicht für ihre Alleingänge, mit denen sie sich immer wieder in Gefahr bringt. Aber auch er erkennt schnell, wie wertvoll ihre profunden Menschenkenntnisse für ihn und das Team sind, denn zumeist ist es Chloé, die den entscheidenden Hinweis zur Aufklärung eines Falles liefert.

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Chloé Saint-Laurent (Odile Vuillemin) und Thomas Rocher (Philippe Bas)

So sehr sich Chloé auch freut, wieder ein Teil des Teams zu sein, fehlt ihr Pérac immer noch – insbesondere vermisst sie seine freundliche und mitfühlende Art, mit der er sie in traurigen Momenten immer wieder aufbaute. Rocher hingegen ist unnahbar, verschlossen und scheint nur auf beruflicher Ebene zu existieren. Doch als sie herausfindet, dass Rocher seine Frau durch einen Autounfall mit Fahrerflucht verlor und er als alleinerziehender Vater mit seinem kleinen Sohn Lucas ziemlich überfordert ist, sieht sie ihn in einem anderen Licht. Von Lamarck erfährt sie, dass Rocher entlassen wurde, weil er sich nach diesem traumatischen Verlust nicht mehr unter Kontrolle und seinen ehemaligen Chef geschlagen hatte. Doch Lamarck macht deutlich, dass er Rocher nicht verurteilt und ihm entgegen aller Widerstände den Job von Pérac übertragen hat, da er ihn nach wie vor für einen auszeichneten Hauptkommissar hält.

Nach und nach entwickelt sich zwischen Chloé und Thomas ein ganz besonderes Verhältnis, denn beide haben inzwischen gelernt, dem anderen zu vertrauen und sich zu öffnen. Als Thomas jedoch im Zusammenhang mit einem laufenden Fall durch Zufall auf den Mann stößt, der seine Frau überfuhr und allein auf der Straße sterben ließ, will er dies, wie so oft, mit sich alleine ausmachen. Doch dann dreht er völlig durch und hat nur noch ein Ziel: Rache. Aber er hat nicht mit Chloés Intuition und Hartnäckigkeit gerechnet, die alles daran setzt, um ihn vor dem schlimmsten Fehler seines Lebens zu bewahren…

© polyband Medien GmbH – Chloé Saint-Laurent (Odile Vuillemin)

Das ist nur ein Bruchteil der privaten Parallelhandlungen, die neben den zu klärenden Mordfällen die Serie wie einen roten Faden durchziehen. In jeder Folge werden weitere Facetten der vielschichtigen Charaktere offengelegt, so dass die Zuschauer im Laufe der bisherigen sechs Staffeln an der Weiterentwicklung der Protagonisten teilhaben, die glaubwürdig und in sich stimmig ist. Der große anhaltende Erfolg von Profiling Paris ist in erster Linie den exzellenten Hauptdarstellern geschuldet: Odile Vuillemin zeigt eine schauspielerische Glanzleistung als Chloé Saint-Laurent, die sie mit all ihren Höhen und Tiefen brillant porträtiert. Sie zeichnet diesen gleichzeitig fragilen und doch starken Charakter mit einer ungewöhnlichen Passion und gewährt uns oftmals verstörende Einblicke in das Seelenleben der eigenartigen Ermittlerin, die ein untrügliches Gespür für die Abgründe der menschlichen Natur hat. Dabei ist sie manchmal nervtötend und unfreiwillig komisch – doch Odile Vuillemin zieht ihre Figur niemals ins Lächerliche. Sie überzeichnet sie nicht und gibt ihr damit eine Realitätsnähe, die nicht selten beängstigt.

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© polyband Medien GmbH – Thomas Rocher (Philippe Bas)

Philippe Bas ist ebenso eindrucksvoll als Thomas Rocher, den er als zerrissenen Charakter sehr berührend und ohne die genreüblichen Klischees porträtiert. Er lässt eine Seite seines introvertierten Protagonisten stets im Dunklen, so dass man sich seiner nie wirklich sicher sein kann. Rochers fast krankhafter Ehrgeiz beim Boxen, seine Aggressionen, die genauso so schnell aufflackern wie sie verschwinden und seine immer wiederkehrenden Stimmungsschwankungen stehen im krassen Gegensatz zu seiner Fürsorglichkeit gegenüber seinem Sohn Lucas und seiner ständigen Sorge um Chloé, die er um jeden Preis beschützen möchte. So wie Chloé peu à peu neue Facetten an ihm zu entdecken glaubt, tun es die Zuschauer ihr gleich – nur um dann am Ende festzustellen, dass man ihn nur marginal einschätzen kann. Mit diesem Charakterspiel macht Bas Rocher zu einer komplexen, schwer greifbaren Figur und gibt ihm dadurch mehr Raum, so dass die Weiterentwicklung seines Protagonisten, wie auch die seines weiblichen Pendants Chloé, in jede beliebige Richtung gehen kann.

Hierin liegt meines Erachtens auch die besondere Stärke von Profiling Paris: Die Hauptcharaktere sind im Gegensatz zu anderen Serien keine Stereotypen, sie lassen sich nicht von vorneherein klassifizieren. Es ist nur wenig vorhersehbar, die Handlungsstränge der jeweiligen Fälle und der privaten Hintergründe fließen ineinander, Hochdramatisches und Alltägliches wechseln sich ab und lassen keine Stagnation oder ermüdende Routine aufkommen. Die Cliffhanger am Ende jeder Staffel haben es in sich – sie sind nervenzerreissend spannend. Auch Staffel 6, die gerade auf Sat1 läuft, hat wieder einige Überraschungen und neue Entwicklungen zu bieten, so dass es einfach nicht langweilig wird. Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt, wie es weitergeht und freue mich schon auf – hoffentlich – viele weitere Staffeln.


Profiling Paris (Profilage)
Produktionsland: Frankreich
Staffeln 1 – 5 auf DVD und Blue-Ray im Handel erhältlich
Deutscher Vertrieb: polyband Medien GmbH

Mein herzlicher Dank gilt polyband Medien GmbH, München, www.polyband.de, die mir alle Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

12 Antworten

  1. Liebe Rosa,

    ich liebe Profilage seit der 1. Staffel! Wie toll, dass du sie ausgewählt hast. In Deutschland scheint sie irgendwie noch ein Geheimtipp zu sein.

    Wer die Serie bis jetzt noch nicht kennt, hat nicht nur was verpasst, er wird spätestens noch deinem – wie immer – toll geschriebenen Artikel mal reinschauen. Deinen Text könntest du glatt in eine Marketing-Broschüre einbauen, er ist ein sehr guter Teaser.

    Wo ich dir absolut beipflichten muss, ist, dass es sich bei den Schauspielern von Profilage um wirkliche Charakterdarsteller handelt. Die meisten Serienstars sind absolut austauschbar. Das ist hier eben nicht der Fall. Und ich muss zugeben, dass mir Philippe Bas als Hauptkommissar Rocher besser gefällt als sein Vorgänger Pérac :).

    Odile Vuillemin bleibt unübertroffen. Wie sie diese schwierige Rolle als schizophrene Profilerin meistert, ist großartig.

    Danke für den gelungenen Artikel und bis bald mal…

    Liebe Grüße

    Chloé

    • Liebe Chloé,

      Merci, merci, merci :)!

      Das Marketing für Profilage in Deutschland zu machen, wäre schon ein toller Job :).

      Ja, es sind wirklich brillante Schauspieler. Bas macht mehr aus seiner Figur Rocher, die aber auch deutlich komplexer angelegt ist als Pérac. Während Pérac mehr der „Nice Guy“ ist, zeichnet Bas Rocher als unberechenbar. Das macht es spannend und vor allem auf Dauer nicht langweilig. Und das Zusammenspiel mit Vuillemin ist wirklich einzigartig.

      Viel Spaß mit der 6. Staffel! In Frankreich läuft jetzt schon die 7. Staffel, und wir hinken mal wieder hinterher…

      Liebe Grüße

      Rosa

  2. Ich finde die Serie auch toll, aber mir fehlen leider einige Folgen, da ich erst etwas später eingestiegen bin und dann auch öfter mal die späte Ausstrahlung auf Sat1 verpasst und das obwohl, ich dir in allen Punkten nur zustimmen kann. Die Figuren, sind wirklich sehr interessant und mal was anderes, die Fälle überraschen mich immer wieder und gerade diese Verbindung von dem Fall der Woche, mit all den privaten Entwicklungen finde ich sehr spannend und gut gemacht.

    Ich spiele ja gerade auch mit dem Gedanken, mir mal die Dvds zu kaufen, um das Ganze noch mal von Anfang an nach der Reihe anzuschauen, voraus gesetzt, die gibt es. Denn bei vielen Serien gibt es ja leider keine deutschen Dvds, selbst wenn sie im Tv gelaufen sind, was ich dann immer nicht verstehe. Aber muss ich mal auf Amazon schauen, vielleicht habe ich ja Glück ;). Ansonsten schaue ich gerade aber auch die Folgen der 6.Staffel, merke aber das mir aus der 5.Staffel einiges fehlt und ich mir nur langsam zusmamenreimen kann, was da passiert ist.

    • Liebe Nicole,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar.

      Du hast absolut Recht: Man kann bei der Serie schlecht mittendrin anfangen. Da fehlen dann zu viele Infos. Staffeln 1 – 5 gibt es auf DVD zu kaufen, und sie sind gar nicht mal teuer. Ich habe sie auf meine Weihnachtswunschliste gesetzt, denn ich will die Serie auch nochmals ganz von Anfang an schauen. Sie lohnt sich wirklich.

      Liebe Grüße

      Rosa

      • Ich habe gestern auch gleich mal geschaut und jap die sind echt schon günstig zu haben. Habe sie auch gleich mal auf meine Wunschliste gesetzt und werde mir die erste Staffel demnächst mal bestellen.

        Danke auch für dein liebes Kommentar.
        Dankeschön für die lieben Worte, freut mich sehr, dass dir die Blogparade so gefällt :). Mir macht sie auch sehr viel Spaß. Hänsel und Gretel fand ich auch immer sehr gruselig.

        Oh da freue ich mich ja auf deinen Beitrag, denn wie du schon gesagt hast, hat mir dieses Märchen auch ganz besonders gefallen, somit bin ich gespannt, was du dazu schreibst.

        • Liebe Nicole,

          schön, wieder von dir zu lesen.

          Ich konnte mal wieder nicht abwarten und habe mir Staffel 1 bestellt. Bleiben ja dann noch vier für die Weihnachtsliste :).

          Ja, deine Blogparade gefällt mir sehr – deine Art zu schreiben aber auch. Ich habe auch schon bei Bloggern, die ich kenne, Werbung für „Kampf der Buchgenres“ gemacht. Schauen wir mal…

          Liebe Grüße

          Rosa

  3. Huhu Rosa,

    die Serie habe ich auch gern geschaut – Philippe Bas ist echt heiß. Sein Vorgänger aus der ersten Staffel ist auch nicht zu verachten 😉

    Liebe Grüße
    Elena

    • Hallo Elena,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Profiling Paris ist eine meiner Lieblingsserien. Und ja, die beiden Schauspieler sind wirklich toll :).

      Liebe Grüße

      Rosa

    • Liebe Diana,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar.

      Ja, du solltest unbedingt mal reinschauen. Die Serie ist wirklich außergewöhnlich spannend.

      Liebe Grüße

      Rosa

  4. Wie kann es sein, dass ich von dieser Serie noch NIE etwas gehört habe, wenn sie schon so viele Staffeln hat?! Sie klingt sehr spannend und amüsant. Schade, dass die Marketingmaschinerie der US-Serien oft so viele andere über den Rand der Wahrnehmung verdrängt.
    Ich werde gleich heute Abend mal reinschnuppern. Danke für den Tipp! 🙂

    Und vielleicht kann ich mich revanchieren? Auf meinem Blog gibt’s auch den einen oder anderen Serientipp. Schau dich gern mal um.

    Liebe Grüße,
    Henrike

    PS. Das #litnetzwerk hat mich heute hierher geführt. Ich mag dein schlichtes Design!

    • Liebe Henrike,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar!

      Da hast du absolut Recht: Die US-Serien dominieren scheinbar den deutschen Markt, und so gehen tolle französische Serien einfach unter. Dies trifft übrigens auch auf „Candice Renoir“ zu.

      Ich schaue gleich auch mal auf deinem Blog vorbei. Für gute Serien- und Filmtipps bin ich immer dankbar. Da stöbere ich gerne.

      P.S. #litnetzwerk: Ich habe beim letzten Mal mitgemacht, schaffe es aber dieses Wochenende leider nicht, weil ich noch arbeiten muss. Beim nächsten Mal bin ich wieder dabei. Ich freue mich nämlich immer darauf, neue Blogs kennenzulernen.

      Liebe Grüße

      Rosa

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