Kampf der Buchgenres – Fokus: Klassiker

Auch in diesem Monat mache ich gerne wieder bei der einzigartigen Blogparade Kampf der Buchgenres, die Nicole von Smalltownadventure und Jana von Lifetime Hours ins Leben gerufen haben, mit. Jeden Monat wird ein bestimmtes Buchgenre thematisiert – im September sind es Klassiker, im Oktober Kinderbücher, im November Erotikromane und im Dezember Fremdsprachige Bücher.

Wie ihr an das Thema herangeht, bleibt euch überlassen. Ob ihr generell über das Genre schreibt oder eure Lieblingsbücher dieses speziellen Literaturbereichs vorstellt, könnt ihr selbst entscheiden. Immer am 15. eines Monats wird über das entsprechende Genre gebloggt, und ihr habt dann vier Wochen Zeit, um euren Beitrag zu veröffentlichen – natürlich mit Verlinkung zu Nicoles und Janas Blogs. Am 15. Januar 2017 ziehen die beiden Initiatorinnen dann ein Fazit und berichten u.a., welches Genre das beliebteste unter den Bloggern ist und welche genrespezifischen Bücher bzw. welche Autoren empfohlen wurden. Ich bin schon sehr gespannt auf die Auswertung.

Das Thema in diesem Monat ist, wie oben aufgeführt, Klassiker. Dieses Genre liebe ich sehr, ich habe eine komplette Sammlung von deutschen, englischen/amerikanischen und französischen Klassikern, die ich von Zeit zu Zeit immer mal wieder gerne lese. Mein Lieblingsklassiker ist Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald. Diesen Roman habe ich euch aber bereits im Rahmen der Blogparade #liebu – Lieblingsbuch vorgestellt. Daher habe ich heute zwei weitere Klassiker – Frankenstein von Mary Shelley und Sturmhöhe von Emily Brontë – für euch ausgesucht, die für mich zu den besten Romanen zählen, die je geschrieben wurden.

Frankenstein

© Anaconda Verlag GmbH

Mary Shelley: Frankenstein oder Der neue Prometheus

Mary Shelleys Frankenstein oder Der neue Prometheus zählt zu den Klassikern der Weltliteratur, und doch wird das Buch heute kaum noch gelesen. Viele assoziieren mit dem Namen Frankenstein fälschlicherweise das bekannte Monster mit grünlichem Gesicht und überdimensionalem eckigem Kopf, wie es von Boris Karloff 1931 erstmals im Film verkörpert wurde und nicht den Arzt und Protagonisten, dessen Namen der Roman trägt. Die Wenigsten kennen diesen erstklassigen, effektvollen Schauerroman und seine einzigartige Autorin Mary Shelley, die das Buch 1818 im Alter von nur 21 Jahren anonym veröffentlichte. Vor diesem Hintergrund habe ich auch dieses spannungsreiche, außergewöhnliche Buch ausgewählt, denn es ist einfach zu ideenreich, lebendig und geistvoll, um in Vergessenheit zu geraten.

Viktor Frankenstein: Zwischen Ehrgeiz und Größenwahn

Der Roman schildert die dramatische Lebensgeschichte des Schweizer Arztes Viktor Frankenstein, die in Rückblicken erzählt wird – teils im Stil eines Briefromans und teils in der Ich-Erzählung. Der ambitionierte Forscher Robert Walton, der zu einer Expedition in die Arktis aufgebrochen war, um eine Passage zum Nordpol zu finden, wird mit seinem Schiff und seiner Crew vom Eis eingeschlossen. Während sie darauf warten, ihre Forschungsreise fortsetzen zu können, nähert sich ein völlig entkräfteter Mann ihrem Schiff: Viktor Frankenstein. Walton nimmt ihn an Bord und pflegt ihn, bis es ihm wieder etwas besser geht. Alarmiert durch den maßlosen Ehrgeiz, den Walton an den Tag legt, erzählt ihm Frankenstein seine Geschichte, die ebenfalls von unbändigem Ehrgeiz geprägt war, der ihn schließlich ins Verderben stürzte.

Experiment mit grausigem Resultat

Viktor Frankenstein ist ein hochintelligentes Kind mit einem enormen Wissensdrang, das sehr behütet aufwächst. Mit 17 Jahren studiert er an der Universität in Ingolstadt Naturwissenschaften. Von unglaublichem Ehrgeiz getrieben, findet er schließlich heraus, wie man tote Materie wieder zum Leben erweckt. Doch das ist ihm nicht genug, und er möchte dieses Experiment unbedingt an Menschen ausprobieren. Er arbeitet bis zur totalen Erschöpfung an diesem wahnwitzigen Plan und näht schließlich Leichenteile zu einem Körper zusammen, den er – gottgleich – mit Elektrizität u.ä. wieder zum Leben erwecken will. Das Experiment gelingt, doch das Resultat ist grausig: Seine Kreatur ist so abstoßend hässlich und angsteinflößend, dass Viktor voller Panik aus seinem Labor flieht. Er erkrankt an Nervenfieber, wird aber von seinem Freund Henry gesund gepflegt. Seine Kreatur scheint verschwunden, und Viktor versucht, sein normales Leben wieder aufzunehmen.

Unbarmherzige Rache der verstoßenen Kreatur

Da erreicht ihn die Nachricht, dass sein kleiner Bruder William ermordet wurde. Völlig verzweifelt kehrt Viktor nach Hause zurück und erblickt bei seiner Ankunft zu seinem Entsetzen seine Kreatur. Er weiß sofort, dass nur sie den Mord begangen haben kann. Doch dies ist erst der Beginn des ungleichen Kampfes zwischen Frankenstein und seinem Geschöpf, denn es tötet in unbändiger Wut auf den „Vater“, der es verstieß, alle Menschen, die Frankenstein liebt. Frankenstein, der nur noch Rache und seine Kreatur tot sehen will, jagt sie bis in die Eiswüsten der Arktis, wo es dann zur finalen Begegnung von Schöpfer und Geschöpf kommt, die in einer Katastrophe endet…

Grenzen der Wissenschaft

Mary Shelleys Roman Frankenstein mit seiner kontroversen Thematik hat auch heute nichts von seiner Brisanz und Aktualität verloren. Fragen im Hinblick auf die Grenzen der Wissenschaft unter Berücksichtigung moralischer und ethischer Aspekte stehen nach wie vor im Fokus der Öffentlichkeit. Mary Shelley zeichnet Viktor Frankenstein als Inbegriff des von seiner Idee, Gott zu spielen, besessenen Forschers, der in keiner Sekunde die Folgen seines Handelns reflektiert und den seine Selbstüberschätzung und sein Hochmut schließlich zu Fall bringen. Einzig seine Schuldgefühle und seine Reue sprechen für ihn, aber er kann seine Tat nicht mehr ungeschehen machen. Er verstößt seine ihn abstoßende Kreatur, wie ein Vater sein ungeliebtes Kind, das sich schließlich aus Enttäuschung und Wut gegen seinen Schöpfer wendet. Frankenstein ist somit auch ein moderner Prometheus, wie es auch im Titel des Buches heißt, der sich wie die mythologische Gestalt über Zeus bzw. Gott stellt und dafür hart bestraft wird. Am Ende bezahlt auch Frankenstein einen hohen Preis für seine Hybris, denn er verliert nicht nur die Menschen, die er liebt, sondern auch sein Leben.

Das Buch ist von dem berühmten irischen Schauspieler und Shakespeare-Mimen Kenneth Branagh brillant verfilmt worden, er war zugleich Regisseur und Hauptdarsteller. Meine Rezension zu dieser großartigen werkgetreuen Adaption findet ihr hier: http://amillionpages.de/2015/04/19/kenneth-branaghs-frankenstein-verfilmung/

Mary Shelley: Tochter eines berühmten Paares und unangepasster Freigeist

Mary Shelley wurde 1797 als Tochter des englischen Philosophen und politischen Schriftstellers William Godwin und der berühmten Feministin Mary Wollstonecraft in London geboren. Ihre Mutter lernte sie nie kennen, denn sie starb kurz nach Marys Geburt. Sie wurde von ihrem Vater aufgezogen, in dessen umfangreicher Bibliothek die begeisterte Leserin genügend Lesestoff fand, um ihren Wissensdurst zu stillen.

Skandalöse Liebe

Renommierte Dichter und Denker wie Samuel Taylor Coleridge und William Wordsworth gingen im Haus des Vaters ein und aus und so lernte sie auch den jungen non-konformistischen Dichter Percy Bysshe Shelley, einen Studenten ihres Vaters, kennen, in den sie sich Hals über Kopf verliebte. Beide brannten durch und verließen England – ein Skandal, denn Shelley war verheiratet. Ihr Vater brach daraufhin für einige Zeit den Kontakt zu Mary ab. Mary und Percy bereisten Europa, waren jedoch stets von Geldproblemen geplagt.

Die Villa Diodati am Genfer See: Hier entstand Frankenstein

Den Sommer 1816 verbrachten Mary, ihre Stiefschwester Claire, Percy, der berühmte Dichter Lord Byron und sein Leibarzt John Polidori in der Villa Diodati am Genfer See. Da das Wetter aufgrund eines Vulkanausbruchs äußerst schlecht war, hielten sich alle im Haus auf. Um sich die Zeit zu vertreiben, beschlossen sie, dass jeder von ihnen eine Schauergeschichte schreiben sollte, die dann in der illustren Runde vorgelesen würde. Während die anderen Dichter nicht sehr erfolgreich waren, verfasste Mary ihren unvergleichlichen Roman Frankenstein, der ein sensationeller Erfolg wurde.

Herbe Schicksalsschläge

Nach dem Selbstmord seiner Frau heiratete Percy Mary. 1818 veröffentlichte Mary dann anonym ihr Werk Frankenstein, das begeistert aufgenommen wurde. Mary musste im Laufe ihres kurzen Lebens viele Schicksalsschläge verkraften: Sie verlor drei Kinder und schließlich auch noch ihren Ehemann, der bei einem Segelausflug ertrank. Mary Shelley widmete die letzten Jahres ihres Lebens dem Nachlass ihres Mannes und schrieb noch einige Romane, um sich und ihren einzigen Sohn zu finanzieren. Sie starb im Jahr 1851 an einem Gehirntumor.

Die beste Informationsquelle über Mary Shelley ist für mich Miranda Seymours gleichlautende Biografie http://www.mirandaseymour.com/maryshelley.htm.

© Anaconda Verlag GmbH

Emily Brontë: Sturmhöhe (Wuthering Heights)

Dieser Roman zählt für mich zu den bedeutsamsten tragischen Liebesgeschichten aller Zeiten. Als ich diesen Klassiker der englischen Literatur damals zu Beginn meines Studiums gelesen habe, fand ich die fesselnde Geschichte zugleich romantisch und verstörend. Dieser Eindruck ist bis heute geblieben. Ich lese den Roman gerne von Zeit zu Zeit immer mal wieder, und er hat für mich trotz mehrmaliger Lektüre nichts von seiner Faszination verloren. Im Übrigen verbinde ich mit diesem Meisterwerk der Gothic Tradition immer auch Kate Bushs gleichlautendes Lied Wuthering Heights, das sie mit ihrer geisterhaft hohen Stimme perfekt interpretiert.

Skandal und Zumutung für die Leser der damaligen Zeit

Als der Roman 1847 unter Emily Brontës männlichem Pseudonym Ellis Bell erschien, war die hochmoralische viktorianische Gesellschaft schockiert: Die Schilderung dieser leidenschaftlichen, unkonventionellen und letztendlich zerstörerischen Liebe der beiden Protagonisten Catherine und Heathcliff, die in den Augen der Leser in ihrer Intensität und Grausamkeit nur von einem verdorbenen männlichen Autor erdacht sein worden konnte, empfand man als Skandal und Zumutung. Und so verkaufte sich der Roman anfänglich nicht sehr gut und wurde trotz einiger verhalten positiver Rezensionen weitestgehend ignoriert. Selbst Charlotte Brontë, Emilys berühmte Schwester und Autorin des Klassikers Jane Eyre, verwies in ihrem Vorwort zur Neuausgabe des Werks ihrer Schwester unmissverständlich darauf, dass es ihr unbegreiflich sei, wie man eine solche Kreatur wie Heathcliff erfinden konnte1.

Heute zählt Sturmhöhe zu den Literaturklassikern, während Emily Brontë als eine der besten Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts gilt, die mit ihrem für die viktorianische Zeit innovativen Schreibstil ein einmaliges Werk geschaffen hat, das von Generation zu Generation begeistert rezipiert wird.

Das tragisch verknüpfte Schicksal der Familien Earnshaw und Linton

Der Roman spielt im englischen Yorkshire und erzählt die Geschichte der Familien Earnshaw und Linton über zwei Generationen. Der große soziale Unterschied der Familien spiegelt sich bereits in ihrem Lebensumfeld wider: Während sich das Anwesen der Earnshaws – Wuthering Heights – auf einer Anhöhe in der wild anmutenden Hochmoor-Landschaft der Region befindet, liegt das Herrenhaus der reichen Lintons – Thrushcross Grange – in einem idyllischen Tal.

Als Mr. Earnshaw eines Tages den kleinen aus Liverpool stammenden Waisenjungen Heathcliff als neues Familienmitglied mit nach Hause bringt, ist seine Familie alles andere als begeistert. Während Earnshaws Sohn Hindley Heathcliff schikaniert, wo er nur kann, nimmt Catherine (Cathy) ihn mit offenen Armen auf. Die beiden Kinder sind unzertrennlich und spielen in jeder freien Minute zusammen. Die Haushälterin Nelly, die Heathcliff anfangs sehr merkwürdig findet, nimmt sich ebenfalls seiner an und behütet ihn.

Doch dann stirbt der alte Earnshaw, der Heathcliff immer vor Hindleys Schikanen beschützt hatte, und Heathcliffs heile Welt zerfällt. Hindley sieht sich am Ziel seiner Wünsche: Er degradiert Heathcliff zum Knecht und behandelt ihn wie Abschaum. Cathys enge Bindung zu Heathcliff ist Hindley ein besonderer Dorn im Auge, aber Cathy lässt sich von Hindley nichts vorschreiben und trifft sich auch weiterhin mit Heathcliff, der in ihren Augen nicht nur ihre andere Hälfte, sondern auch ihr Seelenverwandter ist, denn beide sind wilde, ungestüme Wesen, die sich nicht einschränken lassen.

Heathcliff und Catherine: Obsessive Liebe und grenzenloser Hass

Heathcliffs Liebe zu Cathy manifestiert sich und auch Cathys Gefühle für Heathcliff werden stärker. Als jedoch der junge Linton-Erbe Edgar Cathy einen Heiratsantrag macht, nimmt sie diesen zur Überraschung aller an. Vor allem Haushälterin Nelly ist klar, dass Cathy Edgar nicht liebt, sondern die Ehe lediglich als Ausweg sieht, um sich von ihrem mittlerweile stets alkoholisierten Bruder zu befreien. Heathcliff ist entsetzt und zutiefst getroffen. Als er dann noch zufällig hört, wie Cathy Nelly anvertraut, dass sie Edgar zwar nicht liebt, aber eine Ehe mit Heathcliff aufgrund des gesellschaftlichen Unterschiedes für sie ausgeschlossen ist, verlässt er Wuthering Heights völlig verzweifelt und außer sich vor Wut, ohne nochmals mit Cathy zu sprechen. Cathy verfällt daraufhin in eine tiefe Depression, heiratet Edgar aber trotz allem und zieht mit ihm nach Thrushcross Grange.

Nach drei Jahren kehrt Heathcliff als reicher Mann und nobler Gentleman zurück und ist fest entschlossen, Cathy allen Widerständen zum Trotz zu seiner Frau zu machen. Er taucht unangemeldet bei Cathy und Edgar auf und macht aus seinen Absichten keinen Hehl. Während Edgar außer sich ist, verfällt Catherine Heathcliff erneut. Doch sie weiß, dass es für sie und Heathcliff kein Happyend geben darf, denn sie ist von Edgar schwanger. Als sie Heathcliff dies mitteilt, beginnt er in rasender Wut einen gnadenlosen und grausamen Rachefeldzug gegen die Familien Earnshaw und Linton, der auch vor der Liebe seines Lebens keinen Halt macht…

Kontroverse Charaktere im Spiegel ihrer Zeit

Während Emily Brontës Werk in unserer heutigen Zeit vor allem durch seine sehr individuell und modern gezeichneten Charaktere Heathcliff und Cathy überzeugt, waren die beiden Protagonisten für die zeitgenössischen Leser ein Affront. Man konnte sich in keiner Weise mit ihnen identifizieren, denn die willensstarken und unkonventionellen literarischen Figuren passten nicht in das moralische Schema des Viktorianismus.

Heathcliff: Düsterer Byronic Hero und charismatischer Antiheld

Dies gilt vor allem für Heathcliff, der als Inbegriff des Byronic Hero (benannt nach dem berühmten Dichter Lord Byron) gilt, ein zynisch-arroganter Antiheld, für den nur seine Regeln in der Welt gelten und der auf seine Umwelt aufgrund seiner egozentrischen Ausstrahlung und seines Charismas zugleich abstoßend und faszinierend wirkt. Doch obwohl Brontë Heathcliff primär als dunklen Charakter angelegt hat, zeigt vor allem seine bedingungslose Liebe zu Cathy, die ihn zu einem Gefangenen seiner selbst macht und ihn schließlich ins Verderben führt, dass seine leidenschaftlichen Gefühle trotz seiner kalten und schroffen äußeren Hülle nie erloschen sind.

Catherine: Weibliche Antiheldin und aufbegehrender Freigeist

Auch die weibliche Hauptfigur entspricht in keiner Weise dem damaligen Frauenbild. Mit Cathy als wilder, aufbegehrender Freigeist hat Emily Brontës zwar eine starke Protagonistin geschaffen, doch am Ende lässt sie ihre Figur an den strengen Konventionen ihrer Zeit und an ihrer tragischen Liebe zu Heathcliff scheitern. Dies macht die einzigartige Liebesgeschichte umso berührender, denn Brontë veranschaulicht auf beeindruckende Weise, dass es für leidenschaftliche Individuen keinen Platz in der damaligen Gesellschaft gab und man ihnen jedes Recht auf Liebe und Glück verwehrte.

Wilde Natur als Seelenspiegel

Was ich neben der außergewöhnlichen Geschichte besonders beeindruckend finde, ist, dass Emily Brontë ihr gewähltes Setting der wilden, schroffen und winddurchzogenen Hochmoorlandschaft Yorkshires als Seelenspiegel zur inneren Aufruhr und Zerrissenheit ihrer beiden Hauptcharaktere verwendet. Das ist ihr derart exzellent gelungen, dass der Leser bei vielen Landschaftsbeschreibungen das Gefühl hat, sie beschreibe gleichzeitig den aufgewühlten Gemütszustand ihrer Charaktere.

Die beste Verfilmung dieses Romans ist meines Erachtens die Adaption von Peter Kosminsky mit Ralph Fiennes und Juliette Binoche in den Hauptrollen. Nähere Informationen findet ihr hier: http://amillionpages.de/2015/09/24/filmtipp-stuermische-leidenschaft-mitralph-fiennes-und-juliette-binoche/

Emily Brontë: Exzentrische Eigenbrötlerin und passionierte Schriftstellerin

Emily Brontë wurde 1818 in Thornton/Yorkshire als mittlere Schwester der berühmten Brontë-Schriftstellerinnen Charlotte und Anne geboren. Nach dem Tod ihrer Mutter zogen sie nach Haworth, das im Herzen von Yorkshires wilder Hochmoorlandschaft liegt, und wurden von ihrem Vater, einem strengen irischen Pfarrer, und einer sehr religiösen Tante erzogen. Zusammen mit ihren verbliebenen Geschwistern (ihre Schwestern Maria und Elizabeth starben bereits in früher Kindheit), Charlotte und Anne, sowie ihrem Bruder Branwell schrieb Emily schon früh Geschichten und Gedichte. Die Kinder wurden von ihrem Vater zuhause unterrichtet und insbesondere Emily, Charlotte und Anne verfügten über eine für die damalige Zeit sehr gute Bildung für Frauen.

Lehrerin und Hausfrau

Mit 20 arbeitete Emily zunächst als Lehrerin an der Law Hill School in Halifax, doch aus gesundheitlichen Gründen musste sie ihre Stelle bereits ein Jahr später aufgeben. Danach widmete sie sich erst mal ausschließlich dem heimischen Haushalt, bevor sie 1842 gemeinsam mit ihrer Schwester Charlotte einen Auslandsaufenthalt im Héger Pensionnat in Brüssel wagte, wo sie Französisch und Deutsch studierten. Nach dem Tod ihrer Tante mussten sie jedoch zu ihrem Vater nach England zurückkehren.

Erste Veröffentlichung

1846 veröffentlichten die Schwestern unter ihren männlichen Pseudonymen Currer, Ellis und Acton Bell den gemeinsamen Gedichtband Poems, der jedoch keinen Anklang fand. Ein Jahr später wurde Emilys einziger Roman Sturmhöhe (Wuthering Heights) unter ihrem o.g. Pseudonym publiziert, der die viktorianische Öffentlichkeit schockierte. Die Autorin ließ sich zwar davon nicht entmutigen, doch einen weiteren Roman konnte sie leider nicht mehr verfassen: Sie starb 1848 im Alter von nur 30 Jahren an einer Lungenentzündung bzw. an Tuberkulose, da sie jegliche ärztliche Behandlung verweigerte.

Das kostbare Vermächtnis der naturverbundenen Einsiedlerin

Emily Brontë galt als introvertierte, willensstarke und manchmal schroffe Persönlichkeit, die es ihrer Umwelt nicht immer einfach gemacht haben soll. Sie liebte Tiere, die Natur und wanderte oft durch die windige Moorlandschaft. Ihr einziger Roman Wuthering Heights bleibt ihr kostbares Vermächtnis: Er spiegelt nicht nur ihre ganz besondere Sicht der menschlichen Natur und den fatalen Einfluss rigider gesellschaftlicher Zwänge wider, sondern ist zugleich Ausdruck ihres Wunsches nach Freiheit und Eigenbestimmung. Der späte große Erfolg ihres Romans, den sie leider nicht mehr miterleben durfte, reflektiert die immense Würdigung ihres Werkes, dessen leidenschaftliche Ausdrucksstärke die Zeit überdauert hat.2

***

Dies waren meine Empfehlungen zum Thema Klassiker. Vielleicht habt ihr ja auch Lust, bei dieser außergewöhnlichen Blogparade mitzumachen und verratet uns eure Lieblinge der klassischen Literatur. Je mehr Empfehlungen, desto besser!


Brontë, Emily. Sturmhöhe. Köln: Anaconda Verlag GmbH, 2009.

Informationsquellen über Emily Brontë und Wuthering Heights:
1Brontë, Emily. Wuthering Heights: Authoritative Text, Backgrounds, Criticism. Ed. William M. Sale, Jr. and Richard J. Dunn. 3rd ed. A Norton Critical Edition. New York: Norton, 1990.
2Maletzke, Elsemarie/Schütz, Christel (Hrsg.). Die Schwestern Brontë. Frankfurt am Main: insel taschenbuch, 2007.

Shelley, Mary. Frankenstein oder Der neue Prometheus. Köln: Anaconda Verlag GmbH, 2009.

4 Antworten

  1. Liebe Rosa,

    OMG, was für ein toller Artikel zu diesem Thema! Du schreibst immer so ansprechend und mitreißend.

    Nach deinen Ausführungen werde ich jetzt auf jeden Fall erst mal Frankenstein lesen und, ja, du hast absolut Recht: Ich assoziiere damit auch immer nur das grünliche Monster. Ich wußte gar nicht, welche Thematik dahintersteht. Und dann noch in der damaligen Zeit von einer Frau geschrieben – unglaublich.

    Den Roman „Sturmhöhe“ und den Film mit Ralph Fiennes und Juliette Binoche kenne ich (es gibt keine bessere Besetzung). Was bin ich dahingeschmolzen 🙂 Und am Ende ist er so traurig. Das Buch ist großartig, einer der wenigen Klassiker, durch den ich mich nicht quälen musste.

    Liebe Grüße

    Chloé

    • Liebe Chloé,

      vielen lieben Dank für deinen Kommentar :).

      Ich bin mir sicher, du wirst Frankenstein toll finden. Das Thema des Romans ist immer noch hochaktuell. Darüber hinaus ist es toll geschrieben.

      Ralph Fiennes als Heathcliff ist die Idealbesetzung. Ich hatte zuerst das Buch gelesen und dann die Verfilmung gesehen und war begeistert. Und ja, am Ende war es einfach nur traurig, aber trotzdem ist es ein toller Film.

      Liebe Grüße

      Rosa

  2. Der Beitrag ist wirklich klasse geworden. Ich finde es ja toll, dass du Frankenstein rezensiert hast, wie du weißt, will ich diesen Klassiker ja noch lesen. Ist die Sprache dort eher einfach oder anspruchsvoll? Habe bisher nämlich auch noch gar nicht reingeschaut, aber gerade weil die Thematik auch heute noch so aktuell ist, reizt es mich sehr und dazu ist es mein Genre.

    Auf Wuthering Heights hast du mich sehr neugierig gemacht, ich bin ja nicht so der Fan von Liebesgeschichten in Buchform ,aber villt. schaue ich mir da einfach mal eine der Verfilmungen an. Denn die Grundstoryline hört sich nicht schlecht an, sondern sehr interessant.

    Übrigens finde ich es toll, dass du auch beiden Autorinnen so viel Platz gegeben hast. Denn das waren wirklich zwei sehr interessante Persönlichkeiten, etwas was mich immer sehr fasziniert.

    • Liebe Nicole,

      herzlichen Dank für dein Feedback :). Deine Blogparade macht ja auch einfach Spaß!!!

      Frankenstein ist recht einfach zu lesen. Auch im Englischen. Der Roman ist wirklich brillant geschrieben.

      Wuthering Heights wiederum ist im Original nicht so leicht zu lesen, aber es ist ebenfalls ein großartiger Roman. Schau dir erst mal den Film an, danach kannst du immer noch das Buch lesen, es ist viel umfangreicher als die Adaption.

      Viele Grüße und bis zum nächsten Genre 🙂

      Rosa

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