Kampf der Buchgenres – Fokus: Biografien

Erneut hat mich Bee auf eine außergewöhnliche Blogparade aufmerksam gemacht: Unter dem Motto Kampf der Buchgenres widmen sich Nicole von Smalltownadventure und Jana von Lifetime Hours jeden Monat einem bestimmten Buchgenre. Hier die entsprechende Übersicht bis zum Jahresende:

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Wie ihr an das Thema herangeht, bleibt euch überlassen. Ob ihr generell über das Genre schreibt oder eure Lieblingsbücher dieses speziellen Literaturbereichs vorstellt, könnt ihr selbst entscheiden. Immer am 15. eines Monats wird über das entsprechende Genre gebloggt, und ihr habt dann vier Wochen Zeit, um euren Beitrag zu veröffentlichen – natürlich mit Verlinkung zu Nicoles und Janas Blogs. Am 15. Januar 2017 ziehen die beiden Initiatorinnen dann ein Fazit und berichten u.a., welches Genre das beliebteste unter den Bloggern ist und welche genrespezifischen Bücher bzw. welche Autoren empfohlen wurden. Ich bin schon sehr gespannt auf die Auswertung.

Das Thema im Juli ist, wie oben aufgeführt, Sachbücher/Biografien. Sachbücher lese ich nur selten, Biografien dafür aber umso mehr. Am liebsten lese ich Künstler-Biografien bzw. Autobiografien – egal ob Schauspieler/in, Schriftsteller/in, Maler/in, Sänger/in etc. – Hauptsache, die Künstler sind nach meinem Ermessen einzigartig oder schillernd. Vor diesem Hintergrund habe ich fünf meiner Lieblingsbiografien ausgewählt, die ich euch gerne vorstellen möchte.

© Simon & Schuster UK

Grace Jones: I’ll Never Write My Memoirs

Noch bevor Madonna und Lady Gaga zu Pop- und Stilikonen wurden, mischte bereits Grace Jones als Model, Sängerin und Schauspielerin die Künstlerszene der 70er und 80er Jahre auf. Nachdem die jamaikanische Pfarrerstochter zunächst als Tänzerin und Model erfolgreich in Erscheinung trat (sie schaffte es sogar auf die Titelseiten von VOGUE und ELLE), gelang ihr dank ihrer prägnanten dunklen Stimme auch der Durchbruch als Sängerin. Mit ihrer einzigartigen Neuinterpretation von La vie en rose und Songs wie I’ve seen that face before (Libertango), I’m not perfect oder My Jamaican guy, die sie mit ihrem coolem Sprechgesang prägte, stürmte sie die Charts und avancierte zur Clubbing Queen – insbesondere im legendären New Yorker Nachtclub Studio 54, wo sie mit exzentrischen Künstlergrößen wie Andy Warhol, Truman Capote, Keith Haring und Debbie Harry feierte und ihre Songs performte. Nach ihrer Disco-Zeit kreierte sie Anfang der 80er Jahre gemeinsam mit Jean-Paul Goude, ein französischer Illustrator und Vater ihres Sohns Paul, ihre für den Grammy nominierte One-Man-Show, in der sie das Spiel mit ihrer Androgynität thematisierte und selbstbewusst-provokant mit der Männer- und Frauenrolle in extravaganten Outfits experimentierte. Auch ihre Musik ging fortan in eine andere Richtung: Coversongs wie Love is the drug von Roxy Music dominierten und kamen beim Publikum ebenfalls sehr gut an.

1985 gelang ihr der internationale Durchbruch als Sängerin mit dem Album Island Life – der Song Slave to the rhythm wurde ein Riesenhit. Parallel dazu wurde man auch als Schauspielerin auf sie aufmerksam: So spielte sie beispielsweise neben Arnold Schwarzenegger in Conan, der Zerstörer, an der Seite von Roger Moore in James Bond 007 – Der Hauch des Todes und mit Eddie Murphy in Boomerang.

2008/2009 gelang Grace Jones ein vielbeachtetes Comeback mit ihrer Hurricane Tour, die sie u.a. auch nach Deutschland führte. Hurricane aus dem gleichnamigen Album zählt für mich im Übrigen neben den oben aufgeführten Hits ebenso wie The Devil in my Life zu ihren stärksten Songs. Eine exzellente Performance bot Jones auch beim Diamond Jubilee Concert anlässlich des 60. Thronjubiläums der englischen Königin Elisabeth II, als sie ihren Klassiker Slave to the rhythm sang und während des gesamten Auftritts einen Hula-Hoop-Reifen um ihre Hüften kreisen ließ.

Die o.g. Autobiografie der avangardistischen Ausnahmekünstlerin mit dem bezeichnenden Titel I’ll Never Write My Memoirs, die in Zusammenarbeit mit Schriftsteller und Kulturkritiker Paul Morley entstand und viele außergewöhnliche Fotos enthält, die so noch nicht veröffentlicht wurden, ist eine Klasse für sich. Mit Humor und erfrischender Selbstironie berichtet Jones über ihr Leben und gewährt so persönliche Einblicke in ihre spektakuläre Karriere und ihr turbulentes Leben. Unangepasst, unberechenbar und oftmals schrill, ließ und lässt sie sich in keine Schublade zwängen und bezeichnet sich stets als „kreative Nomadin“, die vor wie nach ihrem großen Erfolg immer unbeirrt ihren Weg ging und rigide Konventionen für sich einfach aushebelte. Sehr lesenswert!

© Heyne Verlag/Random House

Sam Kashner/Nancy Schoenberger: Furious Love – Elizabeth Taylor und Richard Burton – Die Liebesgeschichte des Jahrhunderts

Als sich Elizabeth Taylor und Richard Burton 1962 bei den Dreharbeiten zum Monumentalfilm Cleopatra in Rom kennenlernten, war es Liebe auf den ersten Blick, obwohl die beiden nicht gegensätzlicher hätten sein können: Taylor, erfolgsverwöhnter Kinderstar aus gutsituierter Familie, und Burton, Sohn eines walisischen Bergarbeiters und renommierter Theaterschauspieler mit Oxfordstudium. Ihre leidenschaftliche Affäre blieb nicht lange geheim und rief die Paparazzi auf den Plan: Denn beide waren noch verheiratet und machten trotz allem gar keine Anstalten, ihre Liebe zu verstecken. Ein Foto des Paares, das sie küssend auf einem Boot zeigte, ging um die Welt und sorgte für einen handfesten Skandal, bei dem sich sogar der Vatikan zu Wort meldete und beide öffentlich rügte. Taylor und Burton ließen sich schließlich von ihren jeweiligen Ehepartnern scheiden und heirateten 1964. So begann die Geschichte des schillerndsten Skandalpaares der 60er Jahre, das zu den bestbezahlten Schauspielern seiner Generation zählte.

Taylors und Burtons extravaganter Lebensstil gepaart mit leidenschaftlichen – oftmals handgreiflichen – Auseinandersetzungen und ihr exzessiver Alkoholkonsum waren ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse. Sie wurden entweder hochgelobt oder gnadenlos zerrissen. Doch schließlich forderte ihr unstetes, skandalgeprägtes Leben seinen Tribut: Ihre Ehe scheiterte und ließ beide ins Bodenlose fallen. Sie heirateten ein zweites Mal, doch auch diese Ehe hielt nicht lange. Längst waren beide – und hier vor allem Burton – ausgebrannt und des Streitens müde.

Doch bis zum frühen Tod Richard Burtons im Jahr 1984 hielten sie stets Kontakt. Burton schrieb Taylor immer noch Liebesbriefe, obwohl beide längst neu verheiratet waren. 1973 drehten sie sogar noch einen letzten gemeinsamen Film: Seine Scheidung, ihre Scheidung. Als Burton dann plötzlich an einer Hirnblutung starb, verbot seine Witwe Elizabeth Taylor angeblich sogar, zur Beerdigung zu kommen. Doch sie ließ es sich nicht nehmen, sich von ihrer großen Liebe zu verabschieden und besuchte Burtons Grab in der Nacht. Ein privater Abschied war ihr jedoch nicht vergönnt: Zahlreiche Paparazzi, die seit Tagen auf dem Friedhof ausgeharrt hatten, warteten nur darauf, ein Foto der trauernden Taylor zu schießen und waren so penetrant, dass ihre Freunde sie abschirmen mussten.

Was diese Biografie so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass die Autoren Sam Kashner und Nancy Schoenberger die Lebens- und Liebesgeschichte der beiden Akteure mit Respekt und Wertschätzung und nicht im Stil von Sensationsjournalisten verfasst haben. Natürlich berichten die Autoren auch über die diversen Skandale des Glamour-Paars, doch sie halten dabei immer eine unsichtbare Diskretionslinie ein, die für Glaubwürdigkeit und Seriosität unabdingbar ist. Die Autoren zählen zu den wenigen, denen Elizabeth Taylor neue und exklusive Details über ihre Beziehung zu Burton offenbarte und denen sie darüber hinaus Zugang zu Burtons privaten Briefen gewährte. Viele außergewöhnliche Fotos des Paares sind ebenfalls inkludiert. Diese Biografie ist der beste Beweis dafür, dass Taylor mit Kashner und Schoenberger eine ausgezeichnete Wahl getroffen hat.

© Verlag Herder

Armin Strohmeyr: George Sand – Glauben Sie nicht zu sehr an mein satanisches Wesen

Die 1804 in Paris geborene George Sand, eigentlich Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil, war meines Erachtens die wohl außergewöhnlichste französische Schriftstellerin ihrer Zeit. An der zigarrenrauchenden Femme Fatale, die rein aus praktischen Gründen Männerkleidung bevorzugte und nach der Trennung von ihrem Ehemann künstlerische Größen wie Dichter und Dandy Alfred de Musset, den polnischen Pianisten Frédéric Chopin sowie den österreichisch-ungarischen Komponisten Franz Liszt zu ihren Liebhabern zählte, schieden sich ihre Zeitgenossen. In ihren Romanen (z.B. Indiana – 1832, Lélia – 1833), die sie unter dem männlichen Pseudonym George Sand (George nach Georgeon, eine regionale Bezeichnung für den Teufel, und Sand nach dem Nachnamen ihres Geliebten, Jules Sand) veröffentlichte, thematisierte sie als leidenschaftliche Romantikern nicht nur Liebe in ihren verschiedensten Formen, sondern auch Sinnlichkeit und Lust aus Sicht der Frau – ein absolutes No-go in der damaligen Zeit, in der man weit davon entfernt war, Frauen Eigenständigkeit und Selbstbestimmung zuzubilligen.

Doch die freiheitsliebende Sand lebte nach ihren eigenen Regeln und etablierte sich – nachdem ihre wahre Identität herausgekommen war – als eine der einzigartigsten Literatinnen ihres Landes, die trotz aller Kritik zu den meistgelesenen und höchstbezahltesten ihrer Zeit zählte. In ihrem Landsitz in Nohant, der heute ein Museum ist, und in ihrer Wohnung in Paris, „die blaue Mansarde“ genannt, traf sich die künstlerische Créme de la crème des 19. Jahrhunderts – Honoré de Balzac, Prosper Mérimée, Gustave Flaubert, Heinrich Heine, Eugène Delacroix, Alfred de Musset, Frédéric Chopin u.v.m. -, die den anregenden Gedankenaustausch mit der geistreichen und streitbaren Autorin sehr schätzten.

Als sie sich jedoch politisch zu sozialen Problemen in Frankreich äußerte und darüber hinaus in ihrem Roman La Daniella 1857 und später auch in Mademoiselle la Quintinie 1863 offen Kritik an den in ihren Augen viel zu starren Dogmen der Kirche und an der uneingeschränkten Macht des Papstes übte, wiesen sie sowohl die Politik als auch der Klerus gnadenlos in ihre Schranken: Man exkommunizierte sie und setzte ihre Bücher auf den Index. Aber Sand ließ sich nicht mundtot machen. Und auch ihre langjährigen Schriftsteller-Kollegen und Freunde standen nach wie vor zu ihr und bewunderten ihren Mut. Schließlich gerieten die Skandale nach und nach in Vergessenheit und Sand blieb auch weiterhin produktiv. Ihre letzten Jahre waren geprägt von der tiefen Freundschaft zu dem berühmten französischen Schriftsteller Gustave Flaubert, dessen Romane Madame Bovary und Salammbo wegen angeblich loser Moral ebenfalls für handfeste Skandale sorgten.

Armin Strohmeyrs äußerst empfehlenswerte Biografie über George Sand ist exzellent und ein wahres Lesevergnügen – nicht zuletzt dank seines brillanten, fesselnden Erzählstils. Der Literaturwissenschaftler, Autor und Publizist lässt Sands bewegtes Leben so gekonnt Revue passieren, dass man als Leser das Gefühl hat, in die damalige Zeit zurückversetzt und selbst ein Teil von Sands Literatursalon zu sein. Angereichert mit Zitaten, Briefauszügen und ausgewählten Bildern, gewährt uns Strohmeyrs gelungenes Werk aufschlussreiche Einblicke in das nonkonforme Leben einer emanzipierten Schriftstellerin, die ihrer Zeit weit voraus und mutig genug war, sich als Frau in einer Welt zu behaupten, in der nur Männern Esprit und Kreativität attribuiert wurden. Darüber hinaus zeichnet Strohmeyr ein bemerkenswertes Bild des 19. Jahrhunderts mit all seinen literarischen, politischen und religiösen Strömungen, das George Sand und ihr Werk stimmig in den Kontext ihrer Zeit einbettet. Mein Fazit: Ein absolutes Must read!

© btb Verlag/Random House

Michaela Karl: „Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber“ Dorothy Parker – Eine Biografie

Auf Dorothy Parker wurde ich durch ihre einzigartigen New Yorker Geschichten aufmerksam, die ich von Zeit zu Zeit immer wieder sehr gerne lese. Da ich darüber hinaus auch mehr über die exzentrische Autorin erfahren wollte, bin ich auf Michaela Karls hier vorgestellte Biografie gestoßen, die mich begeistert hat und die ich euch wirklich sehr empfehlen möchte. Dorothy Parker ist heute leider nur noch wenigen ein Begriff, obwohl sie für mich zu den außergewöhnlichsten Frauen der 20er Jahre zählt. Die renommierte US-amerikanische Schriftstellerin, deren Herz auf ewig für New York schlug und deren Kurzgeschichten u.a. über den Big Apple heute Kult sind, war darüber hinaus auch eine geschätzte und gefürchtete Theater- und Literaturkritikerin, deren entweder bissig-zynische oder wohlwollend-herzliche Besprechungen gleichermaßen gehasst wie geliebt wurden.

Obwohl sie Mode nicht sehr interessierte und sie die reichen und oberflächlichen Upper Class Damen verachtete, begann ihre Karriere bei der glamourösen VOGUE, wo sie zumeist spöttische Bildunterschriften für die neuesten Fashionfotos verfasste. So war es denn auch nicht verwunderlich, dass sie zu Vanity Fair wechselte und dort als erste weibliche Theaterkritikerin in New York tätig wurde. Im weiteren Verlauf ihres Lebens arbeitete sie darüber hinaus für etablierte Magazine wie Ainslee’sNew Yorker, LIFE und Esquire und avancierte mit ihren ungewöhnlichen und unterhaltsamen Kurzgeschichten, ihren Gedichten, Theaterstücken und Kurzversen zu einer bemerkenswerten Schriftstellerin und Dichterin ihrer Zeit, deren kapriziöser Schreibstil gepaart mit einzigartigem Humor und Sarkasmus sie unverwechselbar machten. Und auch der erlesenen Tafelrunde (Round Table) der Intellektuellen, die im angesagten Hotel Algonquin in Manhattan regelmäßig stattfand, drückte sie ihren ganz speziellen Stempel auf und machte sie zu einem Event.

Doch damals wie heute schien das stürmische und exaltierte Privatleben der Ausnahmekünstlerin viel interessanter zu sein als ihr literarisches Output. Parkers Alkoholexzesse, ihre ausschweifenden Parties mit den Glitterati der 20er Jahre, ihre zahlreichen Affären – u.a. auch mit F. Scott Fitzgerald, Autor von The Great Gatsby -, ihre Selbstmordversuche und immer wiederkehrenden Depressionen machten sie zu einer willkommenen Zielscheibe für die Presse. Aber Parker ließ sich nicht beirren und schrieb trotz aller Probleme weiter – wenn auch nur mit mäßigem Erfolg. 1967 starb sie an einem Herzinfarkt und vermachte ihren Nachlass Martin Luther King und der NAACP (National Association for the Advancement of Coloured People).

Michaela Karls Biografie über Dorothy Parker gehört für mich zu den besten Biografien, die ich je gelesen habe. Dies liegt nicht nur an ihrem erfrischenden Erzählstil, sondern auch an der Tatsache, dass es ihr meisterhaft gelingt, ihre Begeisterung für die Königin der Kritikerinnen auf die Leser zu übertragen. Zitate, Bonmots, Briefauszüge und eine Selektion besonderer Fotos machen Lust darauf, die Werke des New Yorker Darlings der 20er Jahre zu lesen und in ihre himmelhoch jauchzende und zu Tode betrübte Welt einzutauchen. Michaela Karl schaut hinter die Fassade der einzigartigen Künstlerin, die die Tragödien ihres Lebens in Alkohol ertränkte und sie mit Humor, Spott und Selbstironie in Komödien zu verwandeln versuchte – vor allem dann, wenn sie wieder einmal erkennen musste, dass Desillusionierung und Liebe unvereinbar sind. Dorothy Parker war ein Unikum, das in Extremen lebte. Michaela Karl hat dieser singulären Frau mit ihrer wunderbaren Biografie ein Denkmal gesetzt, das ihr auf jede nur denkbare Art und Weise gerecht wird. Sehr, sehr lesenswert!

© Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

Thorsten Wortmann: Benedict Cumberbatch – Die illustrierte Biografie

Als ich Benedict Cumberbatch zum ersten Mal als Sherlock sah, war er mir nicht ganz geheuer. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ausgerechnet er die Rolle des in die heutige Zeit katapultierten Meisterdetektivs verkörpern sollte. Doch schon nach Ende der ersten Folge konnte ich mir nicht mehr vorstellen, dass diese Rolle jemals wieder von jemand anderem porträtiert werden könnte, denn Cumberbatch spielt diesen eigenbrötlerischen, hochintelligenten Querkopf so exzellent, dass man vergisst, dass dieser fiktive Charakter eigentlich im späten 19. Jahrhundert bzw. frühen 20. Jahrhundert angelegt wurde. Scheinbar mühelos hauchte er Arthur Conan Doyles etwas verstaubter literarischer Figur wieder Leben ein und gab ihr so einen neuzeitlichen Anstrich mit dem Resultat, dass sein Sherlock mittlerweile Kult ist – und dies absolut zu Recht.

Mit der Auswahl seiner Filmrollen vor und nach Sherlock hat Cumberbatch nicht nur ein gutes Gespür bewiesen, sondern auch deutlich gemacht, dass es für Kritiker sehr unklug wäre, ihn in eine bestimmte Schublade zu stecken. Die ganze Bandbreite seines schauspielerischen Könnens hat er bereits unter Beweis gestellt – so z.B. als Sklavenhalter in 12 Years a Slave, als undurchsichtiger Lehrer in Wreckers, als desillusionierter Ex-Soldat in Small Island, als cooler Bad Guy in Star Trek: Into Darkness, als letzter Gentleman in Parade’s End oder als Geheimdienstmitarbeiter in Dame, König, As, Spion, um nur einige wenige seiner Rollen zu nennen.

Und auch das Theater hat Cumberbatch nie vernachlässigt. Hier brillierte er insbesondere in zwei Aufführungen, die auch die letzten Skeptiker überzeugten: Zunächst spielte er unter der Regie von Danny Boyle an der Seite von Johnny Lee Miller (u.a. bekannt als Sherlock aus der TV-Serie Elementary) in Frankenstein in einer spektakulären Inszenierung. Das Kuriose daran war die Rollenteilung mit seinem Schauspielerkollegen – einmal spielte Cumberbatch die Kreatur und Miller war Frankenstein, ein anderes Mal war es umgekehrt. Danach wählte er die wohl schwierigste Rolle, für die sich ein Schauspieler entscheiden kann: William Shakespeares Hamlet. Und auch hier enttäuschte er nicht und drückte dem tragischen Helden seinen ganz eigenen Stempel auf.

Auf die hier vorgestellte hervorragende Benedict Cumberbatch Biografie von Thorsten Wortmann bin ich im letzten Jahr gestoßen und war begeistert. Der Autor hat einen sehr gewinnenden, lockeren Erzählstil, so dass man das Buch gar nicht mehr aus Hand legen möchte. Darüber hinaus hat er jedes noch so kleine Detail recherchiert und macht aus den vielen gesammelten Mosaikstücken ein sehr lesenswertes Ganzes, das viele Hintergrundinformationen über Cumberbatch und sein künstlerisches Schaffen beinhaltet, aber auch private Einblicke in das Leben des britischen Schauspielers gewährt. Das Buch ist in größere Sektionen wie z.B. Hawking, Abbitte, Sherlock, Star Trek, Inside Wikileaks und The Imitation Game etc. unterteilt, enthält aber darüber hinaus auch viele Informationen über nicht so bekannte Filme und Theaterstücke, in denen Cumberbatch mitwirkte. Angereichert mit großartigen Fotos und Zitaten von ihm, seinen Kollegen und Freunden, zeichnet diese Biografie ein rundum gelungenes Porträt des smarten Briten, dessen Erfolg neben seinem eindrucksvollen Schauspieltalent auf zwei Attributen basiert: Wandlungsfähigkeit und Charisma.

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Es hat sehr viel Spaß gemacht, bei dieser speziellen Blogparade mitzumachen. Vielleicht habt ihr ja auch Lust, euren Beitrag zum Thema Sachbücher/Biografien beizusteuern.


Jones, Grace/Morley, Paul. I’ll Never Write My Memoirs. London: Simon & Schuster UK Ltd., www.simonandschuster.com, 2015.

Kashner, Sam/Schoenberger, Nancy. Furious Love. Elizabeth Taylor und Richard Burton – Die Liebesgeschichte des Jahrhunderts. München: Heyne Verlag/Verlagsgruppe Random House, www.randomhouse.de, 2012.

Strohmeyr, Armin: George Sand – Glauben Sie nicht zu sehr an mein satanisches Wesen. Freiburg: Verlag Herder GmbH, www.herder.de, 1. Aufl. 2016.

Karl, Michaela. „Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber“. Dorothy Parker. Eine Biografie. München: btb Verlag/Verlagsgruppe Random House, www.randomhouse.de, 2012.

Wortmann, Thorsten. Benedict Cumberbatch. Die illustrierte Biografie. Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH, www.schwarzkopf-verlag.net, 2015.

4 Antworten

  1. Hallo Rosa,

    Wow – was für ein Post!!!

    Da hast du ja mal wieder tolle Tipps zusammengestellt. Obwohl ich nicht sehr viele Biografien lese, finde ich alle der hier genannten sehr außergewöhnlich. Auf meinen Wunschzettel kommen definitiv die Biografien von George Sand und Benedict Cumberbatch. Eventuell auch noch Dorothy Parker :)…

    Die Blogparade ist übrigens super. Ich hoffe, du machst auch bei den anderen Genres mit.

    Liebe Grüße

    Chloé

    • Hallo Chloé,

      vielen lieben Dank und schön, wieder mal von dir zu hören, wie immer :).

      Toll, dass dich gleich zwei bzw. drei Biografien interessieren! Die Auswahl in einem solchen breit gefächerten Genre ist immer schwierig, umso mehr freut es mich dann, wenn die eine oder andere Leseanregung für dich dabei ist.

      Bei dem nächsten Genre „Historische Romane“ mache ich auf jeden Fall auch wieder mit.

      Liebe Grüße

      Rosa

  2. Erstmal Dankeschön dafür, dass du mitgemacht hast, das freut mich sehr :). Das du dir „The Creation of Anne Boleyn“ auch kaufen möchtest, finde ich super, das Buch ist echt sehr interessant und beleuchtet wie gesagt nicht nur ihr Leben, sondern auch die Darstellung in Film, Serien und Theater, was ich einfach sehr interessant fand.

    Du stellst hier auch richtig tolle Biografien vor, jedoch muss ich gestehen ,dass ich von den Personen nur Benedict Cumberbatch kenne, den mag ich aber auch sehr und kann dir nur zustimmen, dass er bei der Auswahl seiner Rolle ein gutes Händchen beweißt. Ihn kann man echt ihn keine Schublade stecken und das schaffen nicht viele Schauspieler.

    • Liebe Nicole,

      vielen Dank für dein Feedback.

      „The Creation of Anne Boleyn“ habe ich schon bestellt :).

      Bei deiner und Janas Blogparade dabei zu sein, macht richtig Spaß. Das Schwierigste daran ist die Auswahl, denn es gibt so viele Bücher, die man in den unterschiedlichen Genres empfehlen möchte.

      Ja, Benedict Cumberbatch ist schon ein Unikum. Wie ich gelesen habe, spielt er demnächst die Hauptrolle in einem Spionagethriller, den er selbst produziert. Da bin ich mal gespannt :).

      Viele Grüße

      Rosa

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