Kate Morton zu Gast bei der Mayerschen Buchhandlung

© Mayersche Buchhandlung KG

Seit ihrem ersten Buch Das geheime Spiel (The House at Riverton) bin ich ein Fan der australischen Schriftstellerin Kate Morton und habe alle ihre Bücher gelesen. Als ich hörte, dass sie ihren neuesten Roman Das Seehaus (The Lake House) am 15.3.2016 in der Mayerschen Buchhandlung in Düsseldorf vorstellt, war ich begeistert und habe mir sofort ein Ticket gekauft. Und es hat sich gelohnt: Es war ein ganz wunderbarer Abend mit einer nahezu magischen Atmosphäre.

Die deutsch-englische Veranstaltung wurde von Margarete von Schwarzkopf, eine renommierte Journalistin und Autorin, sehr kompetent moderiert, die mühelos zwischen beiden Sprachen wechselte und Kate Morton sehr unterhaltsam interviewte. Unterstützt wurde sie von der Schauspielerin und Komödiantin Esther Schweins, die die deutschen Passagen von Das Seehaus vorlas und auch Sprecherin des Hörbuchs ist. Sie ist eine ganz wunderbare Vorleserin, der man aufgrund ihrer besonderen, sehr angenehmen Stimme stundenlang zuhören kann. Kate Morton, die aus der Originalversion ihres Werkes las, ist jedoch als Vorleserin nicht zu übertreffen – mit ihrer unglaublich sympathisch-lebendigen Vorleseart hat sie ihr Publikum regelrecht in die Geschichte katapultiert und uns wahrhaft magische Momente beschert. Sie hat die einzigartige Atmosphäre ihres Romans für uns in die absolute Stille der abgedunkelten Buchhandlung transferiert und ihre außergewöhnlichen Charaktere von Minute zu Minute lebendiger werden lassen. Das ist eine ganz besondere Gabe, die von den Zuhörern mit viel Applaus honoriert wurde.

Was Lesungen für mich so spannend macht, ist, dass Autoren neben ihrer Buchvorstellung auch immer über ihren Beruf berichten und somit ihren Lesern darüber hinaus interessante Einblicke in ihren schriftstellerischen Alltag gewähren. So berichtete Kate Morton beispielsweise von ihren schwierigen Anfängen als Schriftstellerin und hob hervor, dass oftmals trotz eines guten Manuskripts auch das nötige Quäntchen Glück nicht fehlen darf.

Kate Mortons Arbeitsweise: Alice im Wunderland  in einer Seifenblase

Des Weiteren erläuterte uns Kate Morton, wie ihre ganz persönliche Arbeitsweise an einem Roman aussieht und zog hier eine gelungene Parallele zu Alice im Wunderland, die durch einen Kaninchenbau in eine andere Welt abtaucht. Die lange Zeit des Schreibens verbringt sie, so Morton weiter, wie in einer Seifenblase, aus der sie sich erst wieder herausschält, wenn der Roman beendet ist. Auf die Frage der Moderatorin, ob es ihr nie in den Sinn gekommen sei, eine Fortsetzung eines ihrer Romane zu schreiben, erwiderte die Autorin, dass für sie ein Roman eine in sich geschlossene Geschichte mit einem einmaligen Ende ist, d.h. wenn sie ihre Seifenblase erst einmal verlassen hat, stellt sich bei ihr eine natürliche Distanz zu ihrem Werk ein, die sie nicht mehr durchbrechen kann. Dieser anschauliche Erklärungsansatz der Autorin hat mir sehr gefallen, ihre Parallele zu Alice fand ich äußerst originell.

Lesen als „kindliche Entdeckungsreise“

Kate Morton machte deutlich, dass sie die Leser mit ihren Büchern nicht nur in eine andere Welt entführen will, sondern auch das ursprüngliche Gefühl, das man als Kind hatte, wenn man in einem Roman versank, bei den Erwachsenen reaktivieren möchte. Diese Form der „kindlichen Entdeckungsreise“ und das Sich-Verlieren in einer Geschichte macht ihres Erachtens auch den Zauber des Lesens aus. Hier kann ich ihr nur zustimmen. In Mortons Romanen versinkt man im wahrsten Sinne des Wortes und vergisst jegliches Zeitgefühl.

Untrennbare Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart

Wer schon einmal einen Roman von Kate Morton gelesen hat, weiß, dass die Schriftstellerin stets mit zwei Handlungssträngen arbeitet, von denen einer in der Vergangenheit und einer in der Gegenwart spielt. Diese sehr ansprechende Romankonzeption hat Morton gewählt, weil ihres Erachtens Vergangenheit und Gegenwart immer untrennbar miteinander verbunden sind. Und so werden in ihren Büchern ihre Charaktere stets von der Vergangenheit eingeholt – ganz egal, wohin sie auch vor ihr flüchten. Die dunklen Familiengeheimnisse, die den besonderen Reiz ihrer Romane ausmachen, weil sie tief begraben sind und auch bleiben sollen, kommen immer ans Licht und verändern so die Gegenwart ihrer Figuren.

Das Seehaus: Kate Mortons großartiger neuer Roman

Für ihren neuen Roman hat Kate Morton eine ganz besondere Location gewählt – das wild-romantische Cornwall. Der Gedanke, eine Geschichte über ein verfallenes, altes Haus zu schreiben, blitzte auf, als sie las, dass man in Paris ein geheimes, verschlossenes Appartement entdeckt hatte, das im 2. Weltkrieg von seinem Besitzer verlassen wurde und das seitdem niemand mehr betreten hatte. Dort fand man die wertvollsten Kunstgegenstände und Möbel, die – so schien es – die Zeit überdauert hatten. Doch hier kam die Autorin angabengemäß nicht weiter, denn es stellte sich ihrerseits kein Bezug zu Paris ein, da ihr die Umgebung zu fremd war. Als ihre Herausgeberin sie schließlich dezent darauf hinwies, dass es schließlich auch in England verfallene und verlassene Häuser gäbe, kam der Schriftstellerin sofort Cornwall in den Sinn, wo auch ihr neuester Roman spielt.

Hinsichtlich der von Morton gewählten Thematik des spurlosen Verschwindens eines kleinen Jungen, in diesem Falle der kleine Theo der Edevane-Familie, die in dem prunkvollen Herrenhaus Loeanneth in Cornwall residiert, wurde Kate Morton von einer wahren Geschichte inspiriert, die ganz Australien schockierte: In den 60er Jahren verschwanden die drei Beaumont-Geschwister spurlos an einem Strand im australischen Adelaide. Trotz groß angelegter Suchaktion ist nie eines der Kinder je wieder aufgetaucht.  Diese Tragödie hat Morton sehr berührt und sie veranlasst, einen ähnlichen Fall in ihren neuen Roman einzubauen. Diese Geschichte, die sich in ihrem Roman 1933 ereignet, hat Morton wieder äußerst spannungsgeladen mit der Gegenwart verwoben. Theos Schwester Alice, die vor dem schrecklichen Ereignis so gerne Liebesromane schrieb und die nunmehr 70 Jahre später eine erfolgreiche Kriminalschriftstellerin ist, wird mit diesem dunkelsten Kapitel ihrer Vergangenheit konfrontiert. Auslöser ist die suspendierte Polizistin Sadie, die bei einem Besuch ihres Großvaters in Cornwall durch einen Zufall das alte, verfallene Haus am See entdeckt, das so seltsam anmutet, dass es ihr keine Ruhe lässt und ihren kriminalistischen Spürsinn weckt.

Ein wunderbarer Abend mit magischen Momenten

Die von Kate Morton und Esther Schweins vorgelesenen Passagen des Romans waren exzellent ausgewählt und – wie schon erwähnt – so grandios vorgetragen, dass es eine wahre Freude war. Die Lesebegeisterung der Vorleserinnen übertrug sich auf die Zuhörer und schuf diese ganz besondere Atmosphäre, die ich noch nicht oft erlebt habe.

Im Anschluss an die Lesung bestand noch die Möglichkeit, sich Das Seehaus von der Autorin signieren zu lassen. Diese Gelegenheit haben ich – und selbstverständlich auch alle anderen anwesenden Gäste – sehr gerne genutzt. Mit unendlicher Geduld signierte die äußerst sympathische und natürliche Schriftstellerin Buch um Buch und hatte für jeden Teilnehmer ein nettes Wort.

Alles in allem war es ein unvergesslicher Abend, der dazu noch in meiner Lieblingsbuchhandlung stattfand. An einer derart lebhaft-spannenden Lesung habe ich bisher noch nicht teilgenommen: Die Veranstaltung war wirklich ein sehr stimmungsvolles Erlebnis.

Kate Mortons neuen Roman Das Seehaus werde ich euch demnächst im Detail vorstellen und euch darüber hinaus, wie ihr es von mir kennt, auch wieder wissenswerte Informationen zur Autorin liefern. 


Mein herzlicher Dank gilt der Mayersche Buchhandlung KG, Aachen, www.mayersche.de, die mir das o.a. Werbeposter zur Verfügung gestellt hat.

5 Antworten

  1. Liebe Rosa,

    das freut mich, dass du einen schönen Abend hattest. Ich mag auch Lesungen gerne, besonders wenn man die Möglichkeit hat Auszüge in der Originalsprache zu hören.

    Vor vielen Jahren war ich mal bei einer Lesung von Don de Lillo, gelesen haben er und der Übersetzer, allerdings konnte der Autor die Zuhörer wenig begeistern…

    Ich freue mich, dass es dir bei Kate Morton so gut gefallen hat.

    Liebe Grüße, Bee

    • Liebe Bee,

      ja, es war wirklich ein rundum gelungener Abend.

      Oh, Don DeLillo!!! Von ihm kenne ich nur „Libra“ und „Fallen Man“. Es ist schade, wenn dann bei einer solch hochkarätigen Lesung der Funke einfach nicht überspringt.

      Ich war ja noch nicht bei so vielen Lesungen, aber seit der Kate-Morton-Veranstaltung habe ich mir vorgenommen, doch des Öfteren mal an einer Lesung teilzunehmen. John Irving kommt ja im Mai nach Hamburg. Vielleicht fahre ich hin :).

      Liebe Grüße

      Rosa

  2. Liebe Rosa,

    das klingt nach einem sehr interessanten Abend. Ich war noch nie bei einer Lesung. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass das sehr spannend ist, wenn die Autorin aus dem eigenen Buch vorliest. Das kommt bestimmt nochmal ganz anders rüber. Ich stelle mir das so ein wenig wie im Theater vor 🙂 Da wird auch eine ganz besondere Stimmung transportiert.

    Auch habe ich mir noch nie Gedanken gemacht, wie genau Autoren arbeiten. Ich habe da automatisch Einzelgänger und Menschen, die in ihrer eigenen Welt leben, im Kopf. Das passt ja der Vergleich zur Seifenblase.

    Du hast die Chance John Irving zu sehen? Ich liebe seine Bücher. Mein Favorit ist „Das Hotel New Hampshire“. Das ist so herrlich verrückt und es kommt alles darin vor, was einen guten Irving ausmacht.

    Liebe Grüße
    Sarah

    • Liebe Sarah,

      herzlichen Dank für dein Feedback. Ja, es war ein rundum gelungener Abend. Dein Vergleich mit der Theateratmosphäre ist absolut treffend. Das ist eine so leise, ganz angenehme Stimmung, die ich sehr mag.

      John Irving finde ich wunderbar. Dein Lieblingsbuch von ihm „Das Hotel New Hampshire“ mag ich auch sehr. Mein Lieblingsbuch ist „Owen Meany“ – das wird es auch immer bleiben. Ich hoffe sehr, dass ich noch ein Ticket für die Lesung erhalte. Veranstaltungen mit John Irving sind nämlich immer rasend schnell ausgebucht.

      Liebe Grüße

      Rosa

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