Filmtipp: „Stürmische Leidenschaft“
mit Ralph Fiennes und Juliette Binoche

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Viele Verfilmungen – ein Meisterwerk

Nachdem ich euch in meinem letzten Post bereits Emily Brontës berühmten Roman Sturmhöhe (Wuthering Heights) vorgestellt habe, möchte ich euch heute auf die meines Erachtens beste Verfilmung des Klassikers mit Ralph Fiennes (Der englische Patient, Der ewige Gärtner, Harry Potter, Skyfall u.v.m.) und Juliette Binoche (Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Die Liebenden von Pont-Neuf, Verhängnis, Der englische Patient u.v.m.) unter der Regie von Peter Kosminsky aufmerksam machen. Das Buch ist schon viele Male verfilmt worden, und ich habe auch schon einige Versionen gesehen, wie z.B. die älteste mit Sir Laurence Olivier und Merle Oberon aus dem Jahre 1939, die Fassung mit Robert Cavanah und Orla Brady von 1998 sowie eine der neuesten mit Tom Hardy und Charlotte Riley aus dem Jahr 2009, aber keine war so werkgetreu und bei keiner war die Besetzung der Hauptrollen so exzellent wie bei dieser Adaption. Der kontroverse literarische Charakter des Heathliff stellt hierbei eine ganz besondere Herausforderung dar. Mit dem wandlungsfähigen Mimen Ralph Fiennes hat man in meinen Augen eine brillante Wahl getroffen. Darüber hinaus muss auch die weibliche Hauptfigur Cathy eine wirkliche Persönlichkeit sein. Die großartige französische Schauspielerin Juliette Binoche ist vor diesem Hintergrund die ideale Besetzung dieser Rolle und damit das ebenso hochkarätige weibliche Pendant.

Grandioses Setting in Yorkshires Hochmooren

Was macht diese Verfilmung so großartig? Auf diese Frage gibt es viele Antworten. Zum einen wurde sie an Originalschauplätzen im Norden Yorkshires wie z. B. Aysgarth und Wensleydale gedreht. Diese außergewöhnlich schöne, wenn auch karge, rauhe und windige Landschaft erweckt die einzigartige Atmosphäre, die die Romanvorlage in sich trägt, wieder zum Leben und reflektiert die aufgewühlten Seelen von Heathcliff und Cathy. Sie spiegelt auch die Einsamkeit und das Verlorensein der beiden Hauptcharaktere wider, die nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander existieren können. Obwohl Cathy im Gegensatz zu Heathcliff ein breiteres soziales Umfeld hat, wirkt sie stets auf sich allein gestellt und seltsam isoliert. Wenn Heathcliff und Cathy allerdings gemeinsam in der Natur umherstreifen, wirkt letztere wunderbar lebendig und erfrischend. Dies hat Regisseur Peter Kosminsly mit seinen ganz einmaligen und atmosphärischen Landschaftsaufnahmen hervorragend in Szene gesetzt.

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Brillante Besetzung bis in die Nebenrollen

Diese Verfilmung wird primär von dem perfekten Zusammenspiel der Hauptdarsteller Fiennes und Binoche getragen, bei denen die Chemie einfach stimmt. Denn nur so lässt sich die gleichzeitig von Liebe und Hass geprägte Beziehung von Heathcliff und Cathy glaubwürdig vermitteln. Insbesondere die Darstellung der komplexen, vielschichtigen Figur des Heathcliff verlangte Fiennes einiges ab. Mitzuerleben, wie Heathcliff seelisch und körperlich durch alle Höhen und Tiefen dieser zum Scheitern verurteilten Liebe geht, ist schon eine Tour de Force für die Zuschauer. Man weiß nie, ob man sich von Fiennes‘ Heathcliff angezogen oder abgestoßen fühlen soll, denn Fiennes zeigt uns Heathcliffs dunkle und charismatische Seite in einem derartig schnellen Wechselspiel, dass man seinen Charakter nie greifen kann. Aber es ist genau diese Widersprüchlichkeit, mit der Emily Brontë ihren Hauptcharakter angelegt hat. Ralph Fiennes‘ eindrückliches und intensives Porträt dieses Einzelgängers, der nur durch seine symbiotische Liebe zu Cathy auflebt, ist eine Glanzleistung.

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Juliette Binoche als Cathy demonstriert ebenfalls alle Facetten ihres schauspielerischen Könnens. So zeigt sie uns Cathy zunächst als quirliges, wildes und ungestümes Wesen, das mit Heathcliff ihre zweite Hälfte gefunden hat und die Liebe mit ihm genießt. Ihre Wandlung zum gesellschaftsfähigen Objekt als Edgar Lintons Ehefrau, die ihr nicht standesgemäßes Glück mit Heathcliff ihrem Streben nach gesellschaftlicher Stellung opfert und dafür einen hohen Preis bezahlt, porträtiert Binoche auf sehr berührende Weise. Wie Heathcliff ist auch Cathy ein Charakter voller Widersprüche, für den es am Ende keinen Weg zurück mehr gibt.

Auch die Nebenakteure in dieser beeindruckenden Verfilmung sind von höchster schauspielerischer Qualität. Hervorzuheben sind hier in erster Linie Janet McTeer als Magd und Cathys Vertraute Nelly, Simon Shepherd als Edgar Linton und Jeremy Northam als Hindley Earnshaw, die ihre Rollen mit Bravour meistern. Ein besonderes – wenn auch kurzes – Highlight ist die irische Sängerin Sinéad O’Connor, die mit ihrem Song Nothing Compares To You weltberühmt wurde. In ihrer Rolle als Erzählerin stellt sie die Autorin Emily Brontë dar.

Werkgetreue Realisierung des Klassikers

Wie schon erwähnt, handelt es sich bei dieser Verfilmung um eine äußerst werkgetreue Realisierung des Romans. Es wurden lediglich einige Szenen umgestellt, was aber nicht störend ist, wenn man das Buch kennt. Zudem erzählt der Film auch die Geschichte der zweiten Generation der Earnshaws und Lintons, die bei vielen Versionen zumeist ausgespart wurde.

Ich möchte euch diesen Film wirklich wärmstens empfehlen, denn er ist absolut sehenswert. Die tragische Liebesgeschichte von Heathcliff und Cathy ist nie bewegender, emotionaler und ergreifender verfilmt worden als mit dieser Riege erstklassiger Schauspieler/innen. Diese Literaturadaption ist ein wahrhaftes Must See.

 

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Originaltitel: Wuthering Heights
Regie: Peter Kosminsky
Produktionsland: Großbritannien
Erscheinungsjahr: 1992
Studio: Paramount Pictures
Vertrieb: Winkler Film GmbH, Wien

Mein herzlicher Dank gilt der Winkler Film GmbH, Wien, www.winklerfilm.de, die mir alle oben gezeigten Fotos inkl. DVD-Cover zur Verfügung gestellt hat.

3 Antworten

  1. Liebe Sarah Maria,

    herzlichen Dank für Dein Feedback.

    Der Film ist auch so schön. Ich habe ihn schon viele Male geschaut und finde ihn immer noch toll :).

    Und wenn Du dann noch ein Glas Rotwein dazu trinkst, wird er erst recht zu einem Erlebnis 🙂

    Liebe Grüße

    Rosa

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